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Kaufberatung Nikon-System: Die Vollformatkameras D700, D800/E, D3x und D4

Welche Nikon darf es sein - D700, D800/E, D3x oder D4? ColorFoto vergleicht die Mitglieder von Nikons Vollformat-Familie im Test.

Ende 2007 kam die D3 auf den Markt, das erste Nikon-Modell mit FX-Vollformatsensor. ColorFoto vergleicht die Mitglieder der Vollformat-Familie D700, D800/E, D3x und D4. Drei weitere Vollformatmodelle folgten mit der D700 (Juni 2008), D3x (Dezember 2008) und D3s (Oktober 2009). D700 und D3x sind nach wie vor erhältlich, während die D3s – abgesehen von möglichen Restbeständen – nicht mehr im Handel ist.

Neu im Markt sind dagegen die D800 und D800E sowie die D4. D3x und D4 bilden als ausgewiesene Profimodelle mit integriertem Akku­handgriff die Speerspitze des Nikon-Systems.

Mit "nur" 16 Megapixel Nennauflösung tritt die D4 die Nachfolge der D3s (12 MP) an; sie ist auf hohe Qualität bei wenig Licht und ISO-Einstellungen bis 204.800 ausgelegt, während die D3x mit 24 Megapixeln das Bedürfnis von Sach- und Agenturfotografen nach höherer Auflösung befriedigt.

Gehäusedesign und Ausstattung der D700 erinnern an die D300s.

Mit der D800 und D800E hat Nikon der D700 zwei weitere "kleine Profikameras" mit Vollformat-(FX-)Sensor zur Seite gestellt – eine breite Front gegen die Canon EOS 5D Mark II/III. D700 und D800/D800E unterscheiden sich erheblich in der Auflösung ihrer Bildsensoren: 12 Megapixel sind bei der D700 drin, während D800/D800E glatt das Dreifache an Auflösung bereitstellen.

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Diese Auflösung wird man zwar nicht immer benötigen; die Reserven für Bildausschnitte aber sind phänomenal. Die D800E unterscheidet sich von ihrem Schwestermodell nur dadurch, dass vor dem Bildsensor ein optisches Filter ohne Tiefpassfunk­tion eingesetzt wird. Dies ermöglicht ein Maximum an Schärfe, erhöht aber ein wenig das Risiko von Moiré und Farbsäumen. Im Folgenden wird nur von der D800E nur dann explizit die Rede sein, wenn dies aus Gründen der Abgrenzung nötig ist.

Ausstattung

D700 und D800 sind weitläufig verwandt mit der D300s. Dazu gehört unter anderem das eingebaute Blitzgerät, das auch als Master für externe Systemblitzgeräte verwendet werden kann. Die mit einem Chassis aus Magnesiumlegierung versehenen und gegen Spritzwasser abgedichteten Gehäuse wirken stattlich, aber nicht klobig. Wer will, ergänzt das Gehäuse durch den Batteriehandgriff MB-D12 (D800) bzw. MB-D10 (D700) mit einem zweiten Satz an Bedien­­elementen für Hochformataufnahmen.

Ds beleuchtete LCD unterhalb des Monitors ist ein typisches Merkmal der Profigehäuse von Nikon und Canon.

Die Vollprofis D3x und D4 kommen mit eingebautem Batteriehandgriff und geben sich noch ein Stück robuster als die Schwestermodelle D700/D800 – mit Magnesiumgehäusen, die wie aus dem Vollen gefräst wirken. Ein Ausklappblitz wäre da eine poten­tielle „Sollbruchstelle“, deshalb gibt es eben keinen.

Der SLR-Sucher der Vollformat­modelle ermöglicht mit einer effektiven Vergrößerung von 0,7fach ein angenehm großes Sucherbild mit 95 Prozent Bildfeldabdeckung bei der D700 und 100 Prozent bei den anderen Modellen. Gitterlinien lassen sich bei allen Modellen außer der D3x einblenden, die dafür eine auswechselbare Einstellscheibe hat.

Die verbauten Monitore sind zwischen 3 Zoll (D700/D3X) und 3,2 Zoll (D800/D4) groß; die Auflösung beträgt unisono 307 000 RGB-Bildpunkte. Zum Fokussieren im Live-View hat der Anwender bei der D3x die Wahl zwischen Phasen- und Sensor-AF; D800 und D4 begnügen sich mit Sensor-AF. Ein Live-Histogramm findet sich nur bei der D800 und D4.

Zum Speichern von Bildern steht bei der D700 und D3x jeweils ein Schacht für CF-Karten bereit; die D800 bietet die Wahl zwischen CF und SD, die D4 zwischen CF und dem neuen Kartentyp XQD.

Aufnahmefunktionen

Alle Vollformatkameras von Nikon stellen ein nahezu identisches Repertoire an Belichtungsprogrammen (P, A, S, M) und Messfunktionen bereit, wobei Nikon bei der D800 und D4 das hauseigene Motiverkennungssystem weiterentwickelt hat: In der aktuellen Version wird dafür ein RGB-Sensor mit 91.000 Pixeln verwendet, der nicht nur für eine optimale Belichtung und Farbwiedergabe sorgen, sondern auch eine präzise Gesichtserkennung ermöglichen soll – selbst dann, wenn man mit dem SLR-Sucher (und nicht im Live-View-Modus) fotografiert.

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Zur automatischen Fokussierung kommt bei allen Vollformatmodellen das AF-Modul Multi-CAM 3500 FX zum Einsatz. Es arbeitet mit maximal 51 Mess­feldern, darunter 15 Kreuzsensoren, und soll bei den neueren Modellen D800 und D4 nochmal verbessert worden sein. Bei der Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit haben die D800 mit 0,19/0,29 s und die D4 mit 0,24/0,26 bei 1000/30 Lux die Nase im Vergleich zu den beiden anderen Modellen vorn.

Die Möglichkeit, den Mikrofonpegel beim Filmen manuell einzustellen, findet man bei den Nikon-Modellen D800 und D4.
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© ColorFoto
Die Möglichkeit, den Mikrofonpegel beim Filmen manuell einzustellen, findet man bei den Nikon-Modellen D800 und D4.

Noch mehr jedoch scheiden sich die Geister bei der Videofunktion: Komplette Fehlanzeige bei den älteren Modellen D3x und D700, Full-HD mit 30 Vollbildern pro Sekunden dagegen bei D800 und D4.

Bedienkonzept

Im Bedienkonzept ähneln sich die Vollformat­modelle von Nikon so sehr, dass man beim Umstieg kaum Denkarbeit investieren muss. Typisch dafür ist etwa die Mode-Taste, die in Verbindung mit dem vorderen Dreh­rad das Umschalten der Belichtungsprogramme erlaubt.

Auch der Multifunktionsschalter links vom Sucherprisma gehört dazu, wenngleich Anzahl und Belegung der Tasten von Modell zu Modell etwas unterschiedlich sind. Ergänzend zum LC-Display an der Oberseite besitzen D4/D3x das klassentypische zweite LC-Display unterhalb des TFT-Monitors zur Anzeige der eingestellten ISO-Zahl, Bildqualitätsstufe und Weißabgleichsmethode.

Über die drei zugeordneten Tasten in Kombination mit dem hinteren Einstellrad lassen sich Werte schnell und einfach verändern. D800 und D4 besitzen zudem einen Drehschalter zum Wechsel zwischen Video- und Foto-Live-Betrieb. Eine Spezialität der D4 sind dagegen die beiden zusätzlichen Joysticks, die der Fotograf z.B. für die Wahl des AF-Messfelds nutzen kann.

Bildqualität

Noch nie war Nikon beim Thema Vollformatkamera so breit aufgestellt wie in diesem Systemtest: 12, 16, 24 und 36 Megapixel – da sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein.

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Das Vollformat-Einstiegsmodell D700 (12 MP) ist zwar bei der Grenzauflösung mit einem Maximalwert von 1233 LP/BH weit abgeschlagen, gefällt im Vergleich zur D3x (24 MP) aber durch den geringeren Rückgang bei den Dead-Leaves-Werten und die niedrigeren Kurtosiswerte bis ISO 1600. Gleichstand dagegen bei der Dynamik (7 bis 10 Blenden).

Die D4 (16 MP) kann trotz geringerer Grenzauflösung bei der Bildqualität in Vergleich zur D3x noch etwas drauflegen, vor allem wegen der konstant hohen Dead-Leaves-Werte. Bei ISO 25 600 (H1) sind immer noch eine Grenzauflösung von 1191 LP/BH und ein Dead-Leaves-Wert von 451 LP/BH drin, allerdings dann bei einem relativ hohen Kurtosiswert von 2,8.

Nikon D700

Die 700 ist Nikons günstiges, semiprofessionelles Einstiegsmodell in die Vollformat-Familie.

Als Nummer 1 bei der Bild­qualität profiliert sich die D800E, knapp gefolgt von der D800 (mehr zum Vergleich unter Schwestern im Themenkasten). Das liegt natürlich vorrangig an der enorm hohen Auflösung der D800/E in Einklang mit ebenfalls hohen Dead-Leaves-Werten und relativ geringem Rauschen. Geringere Kurtosiswerte, zumindest bis ISO 3200, schafft indes die D4.

Fazit

Bei den Vollformatkameras hat der Nikonianer die Qual der Wahl: Günstig einsteigen mit der D700? Das bedeutet hohe Bildqualität über alle ISO-Stufen und Detailtreue dank niedrigerer Kurtosiswerte. Unter den Nikons mit Vollformatsensor gebührt der D700 somit ebenfalls das Prädikat „Preis-Leistung“. Die Frage ist nur: Lassen sich mit 12 Megapixel alle Aufgaben der nächsten Jahre lösen? Viel Spielraum für Bildausschnitte oder Posterformate bleibt da jedenfalls nicht.

Ganz anders bei der D800 und D800E mit ihrem 36-MP-CMOS. Was man hier an Grenzauflösung und Dead-Leaves-Werten geboten bekommt, ist durchaus ein Faszinosum. Und Bildausschnit­te sind kein Thema mehr, wenn sich in Photoshop eine Datei mit mehr als 60 x 40 cm bei 300 dpi öffnet. Mit erhöhten Kurtosiswerten lässt es sich da in den meisten Fällen gut leben.

Trotz besserer Kurtosiswerte hat die D3x im Vergleich dazu schlechte Karten: Zu groß die Differenz bei Grenzauflösung und noch mehr bei Dead-Leaves, von der Preisdifferenz ganz zu schweigen. Wenn es um Auflösung geht, ist die D800 (und erst recht die D800E) das Maß der Dinge, was nicht ohne Einfluss auf die Punktebilanz bei der Bildqualität bleibt. Das heißt: Kauftipp „Bildqualität“ für die D800.

Und die D4? Sie ist das Mittel der Wahl, wenn hohe Bildqualität in ein robustes, langlebiges Profigehäuse verpackt sein soll. Mit 16 MP erreicht die D4 im Schnitt rund 200 LP/BH mehr als die D700, aber eben keine Rekordwerte. Ihre Stärke sind harmonisch abgestimmte Bild­ergebnisse über alle ISO-Stufen mit moderaten Kurtosiswerten, vor allem bis ISO 3.200.

Für eine Entscheidung zwischen D800 und D4 sollte man sich also genügend Zeit nehmen, Bildergebnisse, Ausstattung und Handling in Ruhe vergleichen. Ob man 3.000 Euro mehr für ein Profigehäuse à la D4 ausgibt, entscheidet sich letztlich daran, wie stark die Kamera auf Dauer mechanisch beansprucht werden soll.

 
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