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Kompaktkamera mit Android Samsung Galaxy Camera (EK-GC100) im Test

Seit der Erfindung der digitalen Kompaktkamera ging kaum ein Modell mit derartigen Vorschusslorbeeren an den Start wie die Samsung EK-GC100 – landläufig Galaxy Camera genannt. Im harten Praxistest entpuppte sie sich leider eher als Trainingsweltmeister ohne Wettkampfglück.

Samsung Galaxy Camera EK-GZ100

Hersteller
Samsung
UVP
600.00 €
Wertung
41.5 Punkte
Testverfahren
1.6

Samsung Galaxy Camera
  • +Großes Display
  • +Sehr gute Konnektivität

  • +Viele Apps
  • -Mäßige Bildqualität

Als Kameratester vertrauen wir nur den objektiven Fakten. Aber wir leben deswegen nicht auf dem Mond. Und wenn Gott und die Welt ein Gerät besprechen, nimmt man das natürlich auch zur Kenntnis und unterbewusst macht es irgendwie Eindruck. So ging es uns mit der Samsung Galaxy Camera, die eigentlich EK-GC100 heißt.

Smartphone mit Kamera

Als die Samsung Galaxy Camera auf der IFA 2012 vorgestellt wurde, berichteten sogar die Webseiten populärer Nachrichtenmagazine darüber. Wir meinten: Aha, ein Android-Smartphone mit besserer Kamera. Als sie von den CHIP-Kollegen auf der Photokina 2012 als „Innovation des Jahres“ ausgezeichnet wurde, schauten wir uns schon tief in die Augen und fragten uns: Smartphone mit Megazoom oder wirklich Edelknipse mit Android? Schließlich kürte sie auch noch unserer Redaktionskollege Horst Gottfried zu seinem persönlichen Produkt des Jahres

© Erich Baier

Seine Argumente sind unstrittig: Der große 4,8-Zoll-Amoled-Monitor, das moderne Android-Betriebssystem (im Gegensatz zur Nikon Coolpix 800c ein aktuelles Jelly Bean) und die „smarten“ Kommunikationsmöglichkeiten per WLAN und Mobilfunk zeigen, wohin der Weg führt.

Bei der Suche nach Fakt und Fiktion fangen wir auch bei der Galaxy Camera zunächst mit den harten Fakten Größe und Gewicht an. 130 x 70 x 35 mm und 300 Gramm sind ungeeignet für die Jackentasche – zu groß und zu schwer. Andererseits: Einen Trageriemen zum Umhängen gibt es nicht, nur eine Befestigungsöse für die mitgelieferte Handschlaufe. Zum Baumeln am Handgelenk ist sie jedoch wieder zu schwer, vor allem wenn sich der Transport über längere Zeit hinzieht.

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Das heißt in der Praxis: Entweder ist die Kamera in Gebrauch, also in der Hand, oder in einer Tasche oder im Rucksack verstaut. Eine bequeme Bereitschaftsposition gibt es nicht. Das ist unpraktisch, denn das Gezerre und Gemache, bis die Kamera wieder einsatzbereit ist, dauert zu lange.

Diese Kamera hört aufs Wort

Der Kamerabody ist elegant geformt, aber nicht gut zu halten. Was wie ein Griff an der rechten Kameraseite aussieht ist unserer Meinung nach etwas „flach" und zu stark abgerundet. Die Oberfläche in diesem Bereich ist zwar fein strukturiert, aber materialbedingt dennoch rutschig. Mit dem Daumen kann man jedenfalls an der glatten Kamerarückseite keinen Gegendruck aufbauen und so will  sich kein gutes Haltegefühl einstellen. Größe, Form und Gewicht ergeben in der Summe keine angenehme Haptik.

Die Samsung Galaxy Camera hat vier mechanische Bedienelemente: Ein/Aus, Auslöser, Zoomwippe und Blitz ausfahren. Alle anderen Funktionen werden über Tippen, Ziehen, Wischen am Display eingestellt und abgerufen. Einige Funktionen können zudem per Sprache ausgelöst werden, was mehr als nur ein Gag ist. Auch damit zeigt Samsung den Weg in die Zukunft.

© Erich Baier

Wird aus dem Hauptmenü die Kamerafunktion aktiviert, erscheint an der rechten Displayseite ein Modusrad, hinter dem sich die Modi Auto, Intelligent und Experte verbergen. Auto und Intelligent sind Automatikfunktionen. Die Funktion Experte eröffnet die bekannten Modi P, A, S, M und manuelle Videokamera. Bei Programm-, Zeit-, und Blendenautomatik sowie bei der Manuell-Einstellung werden die jeweiligen Werte an einer Objektivabbildung am Display per Touch/Tipp eingestellt, eine gute Lösung. Auch das Menü ist schlicht und übersichtlich, die Symbole und Texte ausreichend groß und gut zu erkennen.

Großes Kino

Das sagenhafte 4,8 Zoll große Display der Samsung Galaxy Camera mit einer Auflösung von ca. 300.000 RGB-Bildpunkten ist nicht nur einfach gut, es ist richtig großes Kino. Ein 3-Zoll-Display kommt einem daneben vor wie ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Die Abbildungen sind gestochen scharf und die Farben perfekt. Auch extreme Betrachtungswinkel ändern daran nichts. Allein bei Sonnenschein und starken Lichtern aus wechselnden Richtungen ist auch hier Schluss mit lustig. Da wünscht man sich einen Sucher.

© Samsung

Die Brennweite der Samsung Galaxy Camera reicht von 23 bis 483 mm (KB), damit ist man auch bei Reisen für alle Fälle gerüstet. Makroaufnahmen sind ab 5 cm möglich. Die Lichtstärke beginnt bei 2,8 im Weitwinkel und fällt ab auf 5,9 im Tele ab. Das ist aber nicht ungewöhnlich, bei einer so langen Brennweite muss man diese Kröte schlucken. Der kleine Blitz ist versenkt und der Gehäuseform angepasst. Wurde er nicht per Tastendruck ausgefahren, hat man keinen Zugriff auf Blitzfunktionen. Nach Gebrauch wird er wieder zurückgeschoben.

Kaufberatung Kompaktkameras: So finden Sie die richtige Digitalkamera

Insgesamt ist die Verarbeitung der Samsung Galaxy Camera solide. Der Deckel des Akkufachs ist passgenau und auch noch gefedert. Das Stativgewinde ist mittig angeordnet. Nur die Abdeckung für den USB-Steckanschluss ist ein lieblos gefertigter Kunststofflappen, der nicht für häufige Verwendung konzipiert ist. Der Akku kann an einer USB-Schnittstelle oder mittels Adapter an der 220-Volt-Steckdose geladen werden. Werden Funktionen wie GPS-Dienste aktiviert, kann der Stromverbrauch überproportional hoch sein.

Ein echtes Kommunikationswunder

In Sachen Kommunikation bleiben keine Wünsche offen. Die EK-GC100 funkt Daten via WLAN, Bluetooth, UMTS, LTE und im GSM-Netz. Für den schnellen Fotoversand kann man auf einen von Samsung gesponserten 50GB großen Dropbox-Account zugreifen oder die Bilder ohne Cloud per E-Mail oder Wi-Fi weiterleiten. Eine Telefonfunktion fehlt noch, aber Telefonie über Skype, E-Mail und SMS sind  überall dort möglich, wo es WLAN oder UMTS hat.

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Nach vielen Plus- und einigen Kritikpunkten bleibt als Königsdisziplin die Bildqualität. Und da muss man leider sagen: Über biederen Durchschnitt kommt die EK-GC100 nicht hinaus, die Qualität anderer 600-Euro-Modelle ist Lichtjahre entfernt.

Die Mittenauflösung bei ISO 100 und ISO400 im Weitwinkel ist OK (1530 bzw. 1325 LP/BH), der Randabfall mit 550 bzw. 575 LP/BH aber brutal. Das liest sich nicht nur im Messprotokoll unvorteilhaft, sondern stört auch ganz praktisch im Bild. Zudem ist auch bei diesen niedrigen Empfindlichkeiten das Rauschen schon deutlich sichtbar. Ab ISO 800 geht die Bildqualität dann ganz auf Schussfahrt, ISO 1.600 und 3.200 sind unbrauchbar.

Fazit

Die Samsung Galaxy Camera (EK-GC100) ist eine echte Kamera mit Smartphone-Technik – kein Smartphone mit Knipse. Der Ansatz ist faszinierend, doch die Bildqualität kann nicht überzeugen. Wir warten lieber auf das Nachfolgemodell.

Alle Daten und Testergebnisse zum Samsung Galaxy Camera EK-GZ100

 
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