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Testbericht Olympus E-420

Mit der E-420 entwickelt Olympus seine kompakte Einsteiger-SLR sinnvoll wei­ter und feilt an Details, statt die Megapixel-Zahl zu erhöhen. Bildqualität und Ausstattung passen. Einzig ein Bildstabilisator fehlt, aber der bleibt offensichtlich weiterhin der 5er-Baureihe vorbehalten. Im Vergleich zum Vorgängermodell fällt besonders der verbesserte Live-View und die optimierte in­terne Bildverarbeitung positiv auf. Trotzdem ist auch die ältere E-410 eine Überlegung wert, da im Internt immer mehr Händler E-410-Gehäuse für 300 Euro anbieten.

Olympus E-420

Hersteller
Olympus
UVP
260.00 €
Wertung
55.5 Punkte
Testverfahren
1.5
Auszeichnung

Nach einem Jahr Laufzeit löst die Olympus E-420 die E-410 als FourThirds-Einstiegsmodell ab. Zugleich bleibt Olympus dem Kon­zept der Vorgängermodelle E-400 und E-410 treu und kombiniert einfache Bedienung mit einem be­sonders kleinen und leichten Gehäuse. Die E-420 sieht ihren Vorgängermodellen zum Verwechseln ähnlich. Wichtigste Neuerungen sind ein verbesserter Live-View-Autofokus und eine mo­­difizierte interne Bildverarbeitung.

Rückseite
Rückseite

Die unverändert mit einem 10- Megapixel-Sensor bestückte E-420 wirkt trotz ihres günstiges Einstiegspreises von 450 Euro wertig, bedingt durch die matt strukturierte Gehäuseoberfläche und grif­fige Gummiarmierungen vorne sowie hinten. Allerdings kann die Gummiarmierung den fehlenden Haltegriff rechts nicht ausgleichen – was so auch schon für die Vorgängermodelle galt. Dies ist die Kehrseite des nur 130 x 91 x 53 mm großen und 380 g leichten Gehäuses. Ein weiterer Nachteil des kompakten Konzeptes ist der vergleichsweise kleine Suchereinblick mit einer effektiven Vergößerung von 0,44.

Besonderes Vergnügen beim Fotografieren bereitet der verbesserte Live-View-Modus, zumindest solange die Sonne nicht zu hell auf das Display scheint. Hier profitiert die E-420 von einem größeren 69-mm/2,7“-LCD-Monitor sowie vom neuen Kontrast-AF-System, dem größten Fortschritt gegenüber der E-410. Es bezieht seine Fokussierinformation direkt vom Sensor, ohne dass der Spiegel zuvor aus dem Strahlengang geschwenkt wer­den müss­te. So entfällt der bei der E-410 noch nötige Druck auf die AEL/AFL-Taste und der läs­ti­ge, verzögernde Spiegelschlag mit Blackout der ersten Live-View-Ge­neration. Der Kontrast-AF nutzt 11 Messfelder, die über die OK- und die 4-Richtungs-Tasten auch ma­nu­ell einzeln angewählt werden kön­nen. Ist die neue, zuschaltbare Ge­sichts­erkennung aktiviert, sorgt der Kontrast-AF dafür, dass sich die Scharfstellung auf die Gesich­ter im Bild konzentriert. Der Kon­trast-AF funktioniert in vollem Um­fang aber nur mit den 3,5–5,6/ 14-42-mm- und 4,0-5,6/40-150-mm-Zooms sowie dem neuen 2,8/25-mm-Objektiv. Bei älteren Ob­jekti­ven ist ein Firmware-Update nö­tig, das auf der Olympus-Website kostenlos zur Verfügung steht.

Für den normalen Reflex-Betrieb gibt es zur Autofokussierung nach wie vor das konventionelle TTL-Phasendetektionssystem mit 3- Feld-Messung und zentralem Kreuz­sensor. Damit kam die E-420 im Labortest auf eine Auslöseverzögerung von 0,29 s, ein durchschnittlicher Wert. Mit Live-View-AF kann es beim Entfernungswechsel von 1 m auf unendlich aber auch schon mal 1 s bis zum Auslösen dauern. Als zusätzliche Lösung erlaubt die E-420 noch die Vorwahl „Hybrid AF2“, bei der das Phasendetektionssystem die schnelle Grobfokus­sierung übernimmt und der Kontrast-AF auf dem Sensor anschlie­ßend die Feinjustierung. Praktisch beim Fotografieren mit Live-View ist die Einblendmöglichkeit wahlweise von Gitternetz, „Goldener-Schnitt“-Linien oder skaliertem Koordinatenkreuz. Und nicht nur die Helligkeit des Live-View-Mo­nitors, sondern auch die Farbe kann man justieren.

Dieser Größenvergleich macht deutlich, wie klein die Olympus E-420 ist. Schön zu sehen auch der große Bajonettdurchmesser im Vergleich zum Spiegel.
Dieser Größenvergleich macht deutlich, wie klein die Olympus E-420 ist. Schön zu sehen auch der große Bajonettdurchmesser im Vergleich zum Spiegel.

Viele bewährte Merkmale hat die E-420 von der E-410 geerbt. Dazu gehören der Super-Sonic-Wave-Filter, eines der wirkungsvollsten Anti-Staub-Systeme, das Staub- und andere Dreckpartikel mittels Ultraschall vom Sensor schüttelt. Dieser Prozess läuft beim Einschal­ten der Kamera automatisch ab, was zu leicht verlängerter Einschaltverzögerung führt. Sie ist aber mit 0,8 s bei der E-420 die kürzeste aller E-Modelle. Mit Serienbelichtungen von bis zu 3,4 B/s ist die E-420 für ein Einsteigermodell recht flott, und auch 22 JPEG-Bilder in Serie sollten meist reichen. Bei RAW-Aufnahmen ist allerdings schon nach acht Fotos Schluss.

Die E-420 ist mit den gängigen automatischen und manuellen Belichtungsmessmethoden ausgestattet, wobei 5 Belichtungs-, 5 Kre­ativ- und 18 Motivprogramme zur Verfügung stehen. Unter dem Menüpunkt „Gradation" lässt sich bei der E-420 eine automatische variable Helligkeitsanpassung oder manuell wählbare Lichter- oder Schatten-Orientierung aktivieren. Dazu analysiert der Bildprozessor das Motiv und teilt es in verschiedene Helligkeitsbereiche auf, deren Durchzeichnung jeweils individuell optimiert wird. Die Ka­mera biegt die Gradationskurve zurecht und sorgt so für mehr Zeichnung in Lichtern und Schatten – eine praktische Lösung für jeden, der sich eine aufwendige Bildbearbeitung ersparen möchte. Wer lieber selber Hand an die Gradationskurve legt, sollte bei kritischen Motiven vom JPEG- in den RAW-Modus wechseln, um so Zugriff auf die von der Kamera-automatik genutzten Reserven zu erhalten. Der Effekt der automatischen Helligkeitsanpassung bleibt moderat, ist aber sichtbar. Deutlicher fallen die Unterschiede bei der manuell eingestellten Licht- oder Schatten-Orientierung aus. Wer hier reproduzierbare Resultate er­zielen will, sollte von Mehrfeld- auf mittenbetonte oder Spot-Mes­sung umschalten. Als weitere neue Funktion ist noch die Möglichkeit zum kabellos TTL-gesteuerten Blitzen mit bis zu drei Gruppen von Blitzgeräten des Typs FL-36R und FL-50R zu erwähnen.

Wer andere Kameras gewohnt ist, stolpert eventuell zuerst über die eigenwillige Menüstruktur, die Olympus pflegt. Nach kurzer Eingewöhnungsphase erweist sie sich jedoch als praxisgerecht.

Nur über die „Fn“-Funktionstaste sollte Olym­pus noch mal nachdenken. Auf die linke der vier Richtungs-tasten lässt sich nur eine von fünf Funktionen legen, während die restlichen drei Tasten ungenutzt bleiben. Erst nach Drücken der OK-Taste lässt sich damit komfortabel durch das grafische Menü-Puzzle navigieren: Wie die ande-ren Olympus-Modelle zeigt auch die E-420 alle wichtigen Einstellung auf dem Monitor. Will man einen Wert verändern, steuert man ihn an und korrigiert – einfach, schnell und übersichtlich.

Die leuchtende blaue LED signalisiert die Aktivität des „SSWF“ (Super Sonic Wave Filter) – das mit Ultra­schallvibrationen arbeitende Staubschutzsystem.
Die leuchtende blaue LED signalisiert die Aktivität des „SSWF“ (Super Sonic Wave Filter) – das mit Ultra­schallvibrationen arbeitende Staubschutzsystem.

Was die Bildqualität angeht, so be­­stätigt die E-420 bei der Auflösung mit 1148 Lp/Bh bei ISO 100 und 1132 Lp/Bh bei ISO 400 das klassen­üblich gute Niveau, das auch schon E-410 und E-510 zeig­ten. Bei ISO 800 oder 1600 geht die Auflösung nur geringfügig auf 1065 bzw. 1025 Lp/Bh zurück. Das Rauschen hat die E-420 mit V/N-Werten von 0,8 und 1,5 bei ISO 100 und ISO 400 mit der Standard-Einstellung der beiden Rauschfilter inzwischen gut im Griff. Bei höheren Empfindlichkeiten steigt das Rauschen jedoch stärker an als bei der Konkurrenz von Canon und Nikon. Die allgemeine und im Vergleich zur E-410 bes­ser abgestimmte Rauschunterdrückung ist normalerweise immer aktiv und kann je nach Bedarf noch auf „Weniger" reduziert oder „Stark" angehoben werden. Die Rausch­min­derung lässt sich für Langzeitaufnahmen automatisch oder ma­nuell aktivieren. Sie analysiert nicht wie üblich das Farb- und Helligkeitsrauschen nach dem Auslesen des Bildes im Signalweg hinter dem Sensor, sondern fotografiert nach der Aufnahme in einem zweiten „Schwarzfoto" mit der gleichen Belichtungszeit quasi ihr eigenes Sensorrauschen, um die Störun­gen dann durch Subtrahieren der Störsignale aus dem eigentlichen Foto herauszurechnen, so dass ein möglichst reines Nutzsignal übrig bleibt.

Die Dynamik der E-420 zeigt sich leicht verbessert, kann aber ebenfalls nicht ganz das Niveau der Canon- oder Nikon-Konkurrenz erreichen. 8,5 Blenden bei ISO 100 bedeutet eine Blende weniger als Nikon D60 oder Pentax K200D. Positiv fällt das Wirken des Bildprozessors der E-420 bei Farbgenauigkeit und Weißabgleich auf. Hier zeigt die E-420 mit Abweichungen von 7 ∆E (Farbe) und nur 2 ∆RGB (Weißabgleich) klassen­übergreifend überdurchschnittlich gute Werte. So fährt die E-420 in der Bildqualität mit 57 (ISO 100) und 54,5 (ISO 400) Punkten ein sehr ordentliches Ergebnis ein. Dabei sind aus FourThirds-Sicht besonders die 54,5 Punkte bei ISO 400 erfreulich, mit denen die Kamera Anschluss an die APS-C-Konkurrenz findet.

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$umbruch$ Beurteilung nach neuen Testkriterien

Olympus E-420

10 Megapixel-Kamera, Nachfolgemodell der E-410, mit zusätzlichen Funktionen wie der Gesichtserkennung für Portraitfotos. Liefert eine gute Bildqualität bei ISO 100, lässt aber bei höherer Empfindlichkeit nach, kommt bei ISO 800 über einen mittelmäßigen Wert nicht hinaus und rangiert bei ISO 1600 gar in den unteren Rängen, was an stark zunehmendem Bildrauschen liegt. Positiv fällt der hervorragende Wert in punkto Farbgenauigkeit auf. Schneidet unter den drei Olympus-Modellen in dieser Kategorie am Besten ab, weist auch die geringere Auslöseverzögerung auf.

Menü Gesichtserkennung Olympus E-420 Schneller als mit der üblichen Menü-Taste erreicht man wichtige Einstellungen durch Drücken der OK-Taste. Hier lässt sich auch die Gesichtserkennung für den Autofokus aktivieren.
Menü Gradation Olympus E-420 Über das Gradations-Menü kann die Tonwertabstufung motivgerecht angepasst werden.
Menü Farb­a­npassung Olympus E-420 Ungewöhnlich, aber praktisch: die kombinierte Helligkeits- und Farb­a­npassung des 2,7“-LCD-Monitors.

Alle Daten und Testergebnisse zum Olympus E-420

 
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