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Testbericht Nikon D7000 im Test

Mit ihrem neuen 16-Megapixel-CMOS will die D7000 frischen Wind ins Nikon-System bringen. Theoretisch könnte sie D90 und D300s mit 12-Megapixel-Sensor gleichermaßen überholen. Im Test überzeugen Gehäusequalität und Ausstattung, doch bei der Bildqualität gibt es eine negative Überraschung.

Nikon D7000

Hersteller
Nikon
UVP
800.00 €
Wertung
47.0 Punkte
Testverfahren
1.6

Nikon D7000
  • +Gute Gehäusequalität
  • +Gute Ausstattung
  • -Bildqualität

Nikon trennt sich ungern von Kameramodellen. Und so ist derzeit keine Rede davon, dass die Nikon D7000 mit neuem 16-Megapixel-Sensor die bewährten Modelle Nikon D90 und Nikon D300s ablösen soll. Warum auch? Schließlich ist die D90 mit einem Gehäusepreis von weniger als 600 Euro derzeit ein Schnäppchen mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis. Schwieriger wird da für den potentiellen Interessenten schon die Entscheidung zwischen D7000 und D300s. Die Neue dürfte bereits zur Markteinführung gut 100 Euro weniger kosten, hat mehr Auflösung und obendrein Full-HD-Video zu bieten. Besitzt sie auch ein gleichwertiges Gehäuse, was eines der wichtigsten Argumente für die D300s ist?

Gehäuse und Sucher

Der erste Griff zur Nikon D7000 vermittelt ein ausgeprägtes Gefühl von Wertigkeit; die Kamera hat Masse und liegt gut in der Hand, wirkt aber keineswegs schwer oder gar klobig. Von der D90 hat die Neue die kompakteren Abmessungen, von der D300s den Kunststoff-Magnesium-Mix, der Semiprofessionalität signalisiert, während die äußere Hülle der D90 komplett aus Polycarbonat besteht.

Zum Speichern von Bildern und Videos lassen sich zwei SD-Karten parallel einsetzen. © Nikon
Zum Speichern von Bildern und Videos lassen sich zwei SD-Karten parallel einsetzen.

Allerdings wird bei der Nikon D7000 etwas weniger Magnesium verbaut als bei der D300s; so besteht beispielsweise nicht nur die Halterung des Popup-Blitzgeräts aus Kunststoff, sondern auch die Frontpartie, auf der das Objektivbajonett angesiedelt ist. Keine Unterschiede soll es laut Hersteller aber beim Staub- und Spritzwasserschutz geben; der sei bei beiden Modellen identisch. Auch das Nikon-typische Selbstreinigungssystem für den Bildsensor hat die Kamera an Bord.

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Der Pentaprismensucher der Nikon D7000 bietet 100 Prozent Bildfeldabdeckung und eine effektive Vergrößerung von 0,63, was auf dem Niveau der D300s liegt. Gitterlinien lassen sich in den Sucher einblenden. Das dafür nötige LCD-Element im Strahlengang ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass es im Sucher der D7000 ziemlich duster ist, wenn sich kein geladener Akku zur Stromversorgung in der Kamera befindet – eine Eigenheit, die man auch von anderen Nikon-Modellen kennt.

AF-System mit 39 Messfeldern

Im Vergleich zur D90 hat die D7000 beim Autofokussystem nachgelegt, das jetzt mit 39 Messfeldern, darunter 9 Kreuzsensoren, arbeitet. Die D90 bringt’s auf 11 Messfelder (1 Kreuzsensor), die D300s auf 51 AF-Sensoren (15 Kreuzssensoren).

© Nikon

Bei der Auslöse­verzögerung inklusive AF-Zeit bewegt sich die D7000 im Rahmen des bei Nikon Üblichen: 0,46/0,53 s bei 3000/30 Lux. Für die AF-Einstellungen haben sich die Nikon-Kon­strukteure etwas Neues einfallen lassen. Der AF-/MF-Wahlschalter un­terhalb der Objektiv-Entriegelungstaste be­sitzt jetzt einen Druckknopf, den man anfangs glatt übersehen könnte.

© Nikon

Während man den Knopf gedrückt hält, kann man über die beiden Drehräder für Zeigefinger und Daumen AF-Feld-Konfiguration und AF-Modus einstellen. Überprüfen lassen sich die Einstellungen am oberen LC-Display, das wie bei D90/D300s den TFT-Monitor als Anzeigeinstrument ergänzt.

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Zur Matrixmessung („3D-Color-Matrix II“) kann die Kamera nun auf einen doppelt so hoch auflösenden Sensor mit 2016 Pixeln zurückgreifen; ob und inwieweit sich diese Zahlenspiele statistisch in noch mehr Treffern als bisher niederschlagen, werden wir wahrscheinlich nie wissen. Von noch höherem praktischen Wert dürfte sein, dass die D7000 mit einer kürzesten Belichtungszeit von 1/8000 s und 1/250 s Blitzsynchronzeit jetzt auf Augenhöhe mit der D300s ist.

Am Info-Monitor lassen sich Funktionsfelder an­­wäh­len; eingestellt wird über das Untermenü. © Nikon
Am Info-Monitor lassen sich Funktionsfelder an­­wäh­len; eingestellt wird über das Untermenü.

Live-View und Video

Was man bereits von der Nikon D3100 kennt, ist die Hebel-/Tastenkombination an der Gehäuserückseite, mit der man zum einen den Live-View-Modus aktiviert (Hebel nach rechts) und zum anderen eine Video­sequenz startet (Taste drücken). In das Live-Bild lassen sich Aufnahmedaten, ein Gitter und eine Wasserwaage (künstlicher Horizont) einblenden.

Die Wasserwaage (künstlicher Horizont) lässt sich auch ins Live-Bild einblenden. © Nikon
Die Wasserwaage (künstlicher Horizont) lässt sich auch ins Live-Bild einblenden.

Die zuvor erwähnte Einstelltaste für den Autofokus funktioniert übrigens auch im Live-View. Dort wird allerdings ausschließlich mittels Kontrast-AF mit zuschaltbarer Gesichtserkennung fokus­siert. Das im Live-Bild angezeigt AF-Messfeld lässt sich frei verschieben und in seiner Größe variieren. Was man vergebens sucht, ist ein Live-Histogramm.

Bewegte Bilder nimmt die D7000 in Full-HD-Auflösung (1920 x 1080) und mit 24 Bil­dern pro Sekunde im MOV-Dateiformat auf; komprimiert wird nach H.264/MPEG-4 AVC. Auch hier ist der Kontrast-AF aktiv und führt die Schärfe auf Wunsch kontinuierlich nach. Als Zugaben für Videofans bietet die Kamera elementare Schnittfunktionen und die Möglichkeit, JPEGs zu extrahieren. Anstelle des eingebauten Mikrofons, das mono­phone Aufnahmen erlaubt, lässt sich bei Bedarf ein Stereomikrofon anschließen.

Für die manuelle Korrektur des Weißabgleichs gibt es ein grafisches Einstellmenü. © Nikon
Für die manuelle Korrektur des Weißabgleichs gibt es ein grafisches Einstellmenü.

Da gerade beim Filmen größere Datenmengen erzeugt werden, sind die zwei verfügba­ren Steckplätze für SDHC/SDXC-Karten sinn­­voll. Wer die zweite Karte nicht als "Überlauf" nutzen möchte, kann Bilder und Videos parallel in verschiedenen Formaten speichern und von Karte zu Karte Daten kopieren.

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Der TFT-Monitor mit 3 Zoll Diagonale verfügt über eine hohe Auflösung von 307 000 RGB-Bildpunkten, was sowohl dem Live-View als auch der Bildwiedergabe zugute kommt – vor allem, wenn man in ein Bild hineinzoomt. Auf diese Weise kann man im Live-View auch präzise manuell scharfstellen.

Flexible Bedienung

Das Bedienkonzept der Nikon D7000 ruht auf mehreren Säulen. Zum einen gibt es Direktzugriffstasten auf häufig gebrauchte Einstellungen wie Bildqualität, Weißabgleich, ISO-Zahl, AF-Konfiguration und Belichtungskorrektur. Man drückt die betreffende Taste, um dann mit einem der beiden Drehräder das Gewünschte am LC-Display einzustellen. Ebenfalls willkommen ist die frei konfigurierbare Funktionstaste.

Bildausschnitt JPEG ISO100 © colorfoto
Bildausschnitt JPEG ISO100

Zudem hat man auf die wichtigsten Parameter über den Info-Bildschirm Zugriff. Die dort sichtbaren Funktionsfelder lassen sich einzeln anwählen; mit der Bestätigungstaste (OK) gelangt man dann in das jeweilige Untermenü. Direkt am Info-Bildschirm lassen sich Werte allerdings nicht verändern.

Bildausschnitt JPEG ISO400 © colorfoto
Bildausschnitt JPEG ISO400

Anders als bei der D90 gibt es zwei Speicherplätze für die individuelle Konfiguration der Kamera (U1/U2), anwählbar über das Modusrad für die Belichtungsprogramme. Zur Wahl stehen die Standards wie Auto, P, A, S, M und 19 Motivprogramme, die sich über das Einstellrad an der Rückseite (Daumenrad) anwählen lassen. Die Auswahl der Motivprogramme ist grafisch hübsch gelöst, weil neben einem Wählrad auch Beispiel-bilder im Monitor eingeblendet werden. Eine Verbesserung wäre es allerdings, wenn man das Modusrad gegen unbeabsichtigtes Verstellen verriegeln könnte, wie man es etwa von der EOS 60D kennt.

Direktzugriffstasten für ISO, Weißabgleich und Qualität er­leichtern die Bedienung ebenso wie der Live-View-Einstellhebel mit integrierter Starttaste (rot) für Vi­deosequenzen. © Nikon
Direktzugriffstasten für ISO, Weißabgleich und Qualität er­leichtern die Bedienung ebenso wie der Live-View-Einstellhebel mit integrierter Starttaste (rot) für Vi­deosequenzen.

Erweitert wurde bei der Nikon D7000 das Bildbearbeitungsmenü mit insgesamt 18 Einträgen, darunter ein RAW-Konverter, Verzeichnungskorrektur, verschiedene Filtereffekte oder D-Lighting (Kontrastausgleich). Letzteres bietet die D7000 auch als "Active D-Lighting" direkt bei der Aufnahme an, das zum einen noch effektiver arbeitet und in 4 Stufen und einem automatischen Modus verfügbar ist. Wird Active D-Lighting nicht benötigt, sollte man es abschalten, um keinen Anstieg des Rauschens zu provozieren.

Abstriche bei der Bildqualität

Im Labortest hinterließ der neue 16-Megapixel-Sensor von Nikon einen zwiespältigen Eindruck: Vor allem verliert er den direkten Vergleich mit dem 12-Megapixel-Sensor der D90. Bei der Grenzauflösung startet die D7000 mit 1413 LP/BH zwar hoch im Vergleich zur D90 (1215 LP/BH). Dafür fällt die Grenzauflösung mit steigender ISO-Zahl aber auch stärker ab und erreicht nur noch 1160 LP/BH bei ISO 1600 (D90: 1132 LP/BH).

Bildausschnitt JPEG ISO800 © colorfoto
Bildausschnitt JPEG ISO800

Statt 10 Blenden an maximaler Dynamik wie bei der D90 werden nur etwa 9 Blenden erreicht. Beim Rauschen sind die beiden Modelle fast ebenbürtig, was Nikon bei der D7000 aber ganz offenbar durch ein aktiveres Rauschfilter erkauft: Von den sehr guten Kurtosiswerten der D90 mit maximal 0,3 über den gemessenen Bereich oder einer Pentax K-5 ist die D7000 ein ganzes Stück entfernt (zwischen 0,7 und 1,0).

Bildausschnitt JPEG ISO1600 © colorfoto
Bildausschnitt JPEG ISO1600

Zudem ist die Bildqualität zwischen 100 und 1600 Euro längst nicht mehr so konstant wie bei Nikons 12-Megapixel-Modellen. Man mag das "Meckern auf hohem Niveau" nen­nen, ein teilweiser Rückschritt ist es dennoch.

Testfazit

In Gehäusequalität und Ausstattung ist die Nikon D7000 ein gelungener Kompromiss zwischen der semiprofessionellen D300s und dem hoch­wertigen Consumermodell D90 – abgesehen vom fehlenden Schwenkmonitor eine ebenbürtige Konkurrenz zur Canon EOS 60D.

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Einen deutlichen Zugewinn an messba­rer Auflösung bringt die Nikon D7000 aber nur bei niedrigen ISO-Einstellun­gen. Höchst unerfreulich ist der im Vergleich zum 12-Megapixel-CMOS durchgän­gig höhe­re Texturverlust. Die D90 liefert eine gleich­mäßigere Bildqualität von ISO 100 bis 1600 und erhält die Feinzeichnung besser. Zudem hat die D90 beim Objektkontrast die Nase vorn.

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Das bessere Gehäuse und das Plus an Ausstattung rechtfertigen zwar einen höhe­ren Preis der Nikon D7000, doch bei der Bildqualität stehen der höheren Auflösung zu viele Kritikpunkte gegenüber. Unsere Empfehlung geht damit an die lediglich halb so teure Nikon D90 (49,5 Punkte im Test) .

Alle Daten und Testergebnisse zum Nikon D7000

 
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