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Testbericht

Nikon D700

Testergebnis
55.0 Punkte
2000 EUR
Testverfahren: 1.6

ColorFoto


Karl Stechl

18. August 2008

Die D700 ergänzt das Nikon-System sinnvoll um eine weitere Vollformat-DSLR, die dem rund 1600 Euro teureren Topmodell D3 im Preis-Leistungs-Verhältnis überlegen ist. Bei gleicher Bildqualität wie bei der D3 erhält der Käufer ein semiprofessionelles Gehäuse mit eingebautem Blitz, der beim Aufhellen von Porträts gute Dienste leistet. Anspruchsvolle Amateure sollten sich allerdings überlegen, ob sie unbedingt das Vollformat brauchen, weil sie beim Kauf einer ebenfalls sehr guten D300 mit APS-C-Format-Sensor nochmal rund 1100 Euro sparen können. Profis, die aus verschiedenen Gründen auf die D3 schwören, werden die D700 als Zweitkamera in Betracht ziehen.

Die zweite Vollformat-DSLR im Nikon-System schließt eine Preislücke: Rund 1500 Euro kostet ein D300-Body, rund 4200 Euro muss man für eine D3 anlegen. Die D700 kommt dagegen mit einem Einstiegspreis von 2600 Euro, ist also ein ganzes Stück günstiger als die D3. Beide verwenden zur Bildaufzeichnung einen CMOS im Vollformat (hier 36 x 23,9 mm) mit einer nominalen Auflösung von 12 Megapixeln. Die Pixelgröße beträgt 8,5 µm, deutlich mehr als bei der D300 (5,5 µm).

Nikon D700 Rückseite
Bild vergrößern 775 666 http://img1.magnus.de/Nikon-D700-R-ckseite-r775x666-C-48a8fb2b-25004053.jpg Der voluminöse Pentaprismensucher outet die D700 auf Anhieb als Vollformat-DSLR. Im Bedienkonzept erkennt man viele Parallelen zu D3 und D300.

Der voluminöse Pentaprismensucher outet die D700 auf Anhieb als Vollformat-DSLR. Im Bedienkonzept erkennt man viele Parallelen zu D3 und D300.

Der bei der D3 verwendete CMOS besitzt eine sehr hohe Empfindlichkeit bis ISO 6400, die um zwei Stufen bis 25 600 verstärkt werden kann. Der untere Eckwert ist mit ISO 200 angegeben, wobei sich die Empfindlichkeit um einen weiteren Lichtwert (entsprechend ISO 100) absenken lässt. Im Unterschied zur D3 wollte Nikon bei der D700, trotz der Größe des CMOS, nicht auf ein Sensorreinigungssystem verzichten. Wie bei der D300 soll dabei mit hochfrequenten Rüttelbewegungen gearbeitet werden, was beim Stand der Technik als Garant für gute Reinigungsergebnisse gilt.

Nikon D700 Seitenansicht
Bild vergrößern 910 1000 http://img2.magnus.de/Nikon-D700-Seitenansicht-r910x1000-C-a73c05a7-25004056.jpg Die Nikon D700 ist die erste Vollformat-DSLR mit eingebautem Blitzgerät – was sicher auch manchem Profi entgegenkommen wird.

Die Nikon D700 ist die erste Vollformat-DSLR mit eingebautem Blitzgerät – was sicher auch manchem Profi entgegenkommen wird.

Von Seiten des Herstellers wurde bei der D700-Vorstellung kein Hehl daraus gemacht, dass D3 und D700 mit dem gleichen Sensor und Expeed-Bildprozessor ausgestattet sind – was sich durch die Laborergebnisse auch einwandfrei belegen lässt. Die Werte für die Grenzauflösung liegen, jeweils bezogen auf den gesamten gemessenen ISO-Bereich von 100 bis 1600, zwischen 1233 und 1194 LP/BH, der Objektkontrast zwischen 10 und 9 Blenden, das Rauschen zwischen 0,6 und 1,0 und der Kurtosiswert (Wiedergabe kontrastarmer Strukturen) durchgängig bei 0,2 – ein hervorragendes Ergebnis.

Im Gesamtergebnis platziert sich die D700 mit 57/57/56/53 Punkten bei ISO 100/400/800/1600 sogar noch ein wenig vor der D3 (56,5/ 55,5/54,5/52,5 Punkte), was man in der Praxis aber vernachlässigen kann. Einen erwähnenswerten Pluspunkt in Sachen Bildqualität kann die D700 allerdings beim Weißabgleich verbuchen. Bei der Farbwiedergabe fiel auf, dass bei Einstellung auf „Neutral" (mit etwas zurückgenommener Farbsättigung) mit 7,5 DeltaE ein bes­seres Ergebnis erzielt wird, als bei Standardeinstellung mit 10,3 DeltaE. Man darf vermuten, dass dies auch für die D3 gilt. Die genannten Einstellungen finden sich unter „Bildoptimierung konfigurieren“.Zum Aufzeichnen von Bildern steht bei der D700 ein Slot für CompactFlash-Karten bereit; einen zweiten Kartenschacht wie bei der D3 sucht man vergebens. Zudem hat Nikon auf den für die höheren Modelle sonst typischen Entriegelungshebel für das Kartenfach an der Rückseite verzichtet. Stattdessen schiebt man, wie bei D40, D60 und D80, die Speicherfachabdeckung etwas zur Seite, um sie dann aufschnappen zu lassen. Das mag weniger elegant wirken als die Lösung mit dem Entriegelungshebel, funktioniert aber nicht weniger gut und schließt das latente Problem einer versehentlichen Hebelbetätigung aus.

Akku
Bild vergrößern 937 703 http://img3.magnus.de/Akku-r937x703-C-b52bfee6-25004059.jpg Der optional erhältliche Akkuhandgriff MB-D10 lässt sich wahlweise mit 8 Mig­nonzellen oder mit dem Lithium-Ionen-Akku EN-EL4a der D3 betreiben; damit soll die Kamera ihre maximale Bild­frequenz von 8 B/s erreichen.

Der optional erhältliche Akkuhandgriff MB-D10 lässt sich wahlweise mit 8 Mig­nonzellen oder mit dem Lithium-Ionen-Akku EN-EL4a der D3 betreiben; damit soll die Kamera ihre maximale Bild­frequenz von 8 B/s erreichen.

Die D700 ähnelt stark der D300, ist aber etwas größer und etwa 160 g schwerer – eine solide Mischung aus Magnesium- und Kunststoffkomponenten inklusive eingebautem Pop-up-Blitz, der dem Profigehäuse der D3 fehlt. Zu dessen typischen Merkmalen gehört wiederum der integrierte Akkuhandgriff mit Bedienelementen für das Fotografieren im Hochformat. Dieses Konstruktionsmerkmal sucht man bei der D700 vergebens; ergänzt man jedoch den optional erhältlichen Akkuhandgriff MB-D10 (der auch an die D300 passt), erreicht die D700 locker die Dimensionen einer D3. Mit dem MB-D10 inklusive D3-Akku (EN-EL4a) oder acht Mignonzellen soll die D700 ihre maximale Bildfrequenz von 8 B/s erreichen. Mit dem Standard-akku EN-EL3e sind laut Messung 5 Bilder pro Sekunde drin. Zum Vergleich: die D300 erreicht 6 B/s, die D3 schafft 9 B/s.

Die Kameratechnik der D700 kennt man auch von den Schwes­termodellen D300 und D3. Dazu gehört das AF-Modul Multi-CAM 3500DX mit 51 Messfeldern, darunter 15 Kreuzsensoren, und einem Messbereich von LW -1 bis 19 (ISO 100 bei 20° C). Der 3-Zoll-Monitor ist mit 307 000 Pixel extrem hochauflösend, dabei farbneutral und aus jedem Winkel gut abzulesen. Live-View ist möglich, auch mit AF-Unterstützung, wobei Phasen- und Kontrast-AF alternativ zur Verfügung stehen. Bei der Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit ist die D700 eine Spur träger als ihre größere Schwester D3: 0,30/0,54 s bei 3000/30 Lux gegenüber 0,23/ 0,44 s.

Transmitter
Bild vergrößern 750 1000 http://img3.magnus.de/Transmitter-r750x1000-C-becf9550-25004062.jpg Der adaptierbare Wireless-LAN-Transmitter WT-4 ermöglicht die drahtlose Weitergabe von Bilddateien – wichtig für Bildjournalisten.

Der adaptierbare Wireless-LAN-Transmitter WT-4 ermöglicht die drahtlose Weitergabe von Bilddateien – wichtig für Bildjournalisten.

Der optische Sucher der D700 ist eine Pentaprismenkonstruktion mit einer Suchervergrößerung von 0,72x, in diesem Punkt der D3 ebenbürtig – was im Vergleich zur D300 durch das deutlich größere Dachkantprisma deutlich wird. Die Bildfeldabdeckung beträgt bei der D700 jedoch nicht 100 Prozent wie beim Profimodell, sondern nur 95 Prozent wie bei den meisten anderen SLR-Modellen.

Wie bei der D3 lässt sich das Bildfeld bei der D700 vom Vollformat (FX) auf das APS-C-Format (DX) umschalten. Bei der D3 findet sich für diesen Fall eine aufwändige elektronische Suchermaskierung, während bei der D700 nur ein passender Bildrahmen eingeblendet wird. Im Gegenzug bietet die D700 aber in den Sucher einblendbare Gitterlinien, wie man das auch von anderen Nikon-Modellen kennt. Bei der D3 muss man dafür die Sucherscheibe tauschen – was bei der D700 wiederum nicht möglich ist. Ebenfalls verzichten muss man auf das Aufzeichnen von gesprochenen Kommentaren zu einzelnen Bildern – das geht nur bei der D3.

Bei beiden Modellen lässt sich ein künstlicher Horizont einblenden, um die Kamera am Stativ exakt in der Waagerechten auszurichten. Die dazugehörige Grafik kann bei der D700 auch in das Live-View-Bild eingeblendet werden; bei der D3 hat man diese Möglichkeit erst dann, wenn das Firmware-Update 2.0 aufgespielt wurde.

Menü AF-Messfeldauswahl Das AF-System stellt maximal 51 Mess­felder bereit, die sich auch auf 11 reduzieren lassen, wenn die Situation es erfordert.
Menü Feinabst. der Bel.-Messung Die Feineinstellung der Belichtungsmessung in Sechstelblendenstufen ist für verschiedene Belichtungsprogramme möglich.
Menü ISO-Empfindlichkeits-Einstellung Der Automatik-Bereich für die ISO-Einstellung lässt sich frei definieren, wobei auch ein Verschlusszeit-Limit festgelegt werden kann.
Menü Brillant Die aktuelle Einstellung der Bildparameter wie Schärfung, Kontrast oder Farbsättigung lässt sich auch in einer Gittergrafik anzeigen.



Technische Daten und Testergebnisse

Bildsensor/Datei  
Auflösung (nicht interpoliert) 4256 x 2832 Pixel
Pixelgröße (Pixelpitch), förderliche Blende 8,5 μm, f13,9
Sensorgröße, Bildwinkelfaktor 36,0 x 23,9 mm, 1,0x
Sensortyp, Sensorreinigung, Bildstabilisator CMOS, Sensorreinigung, –
Dateiformat JPEG, RAW, RAW + JPEG, TIFF
Aufnahmesteuerung  
AF-Felder, davon Kreuzsensoren, man. Fokus 51 AF-Sensoren,15 Kreuzs., man.
Verschlusszeiten, kürzeste Blitzsync., B 1/8000–30 s, Blitz 1/250 s, B
Belichtungsmessung: mittenbetont, Spot, Matrix mittenbetont, Spot, Matrix
Progr.-, Blenden-, Zeitautom., Man (P, Av, Tv, M) P mit Programmshift, Av, Tv, M
Belichtungskorrektur, Blitzbelichtungskorrektur ±5 Blenden, +1/-3 Blenden
Belichtungsreihe, Blitzbelichtungsreihe Belichtungsreihe, Blitz-Bel.-Reihe
Empfindlichkeitswahl: ISO-Autobereich variabel man., Reihe ISO-Auto einstellbar, 100–25600, –
Weißabgleich auto, messen, Presets, Kelvinwerte, manuelle Korrektur, Reihe
Farbräume sRGB, Adobe RGB
steuerbare Einstellungen Schärfe, Kontrast, Sättigung, Rauschfilter
Sucher/Monitor/Display  
Sucher (Typ, einblendbares Gitter, Gesichtsfeld, Vergrößerung, effektive Sucherbildgröße, auswechselbare Mattscheiben) SLR-Sucher, Gitter, 95 %, 0,72 , eff. 0,68, –
Monitor: Größe, Touchscreen, Auflösung, verstellbar 3,0", –, 307000 RGB-Bildpunkte, –
Monitor als Sucher nutzbar, Sensor-AF, Phasen-AF, Lupe für MF, Histogramm, Über-, Unterbelichtungswarnung LiveView, Sensor-AF, Phasen-AF, Lupe, –,
–, –
Bildwiedergabe: Histogramm, Über- und Unterbelichtungswarnung Histogramm, Lichterwarnung
Anschlüsse und weitere Ausstattung  
Bajonett, Speicher, Akku Nikon F, CF, Li-Ion
int. Blitz, Anschluss ext. Blitz (Buchse, Blitzschuh) int. Blitz, Kabelbuchse, Blitzschuh
Schnittstellen USB 2.0, TV, WLAN optional, HDMI
Video: Format, max. Auflösung, Bildfrequenz, max. Länge, AF-Funktion
Spiegelvorauslösung, Spritzwasserschutz Spiegelvorauslösung, Spritzwasserschutz
Maße (B x H x T), Gewicht mit Batterie 147 x 123 x 77 mm, 1080 g
Testergebnisse  
Bildqualität
Objektiv für Auflösungs-/
AF-Messung
Nikon AF-S 2,8/60/
Nikon AF-S 2,8/24-70
DCRaw Auflösung ISO100/400/800/1600/
3200/6400/12800 (LP/BH)
– / – / – / – /
– / – / –
DCRaw DL ISO100/400/800/1600/
3200/6400/12800 (LP/BH)
– / – / – / – /
– / – / –
LP/BH / LP/BH / – / V/N / Ble
ISO100 Auflösung/DL/Kurtosis/Rauschen/Dynamik 1233 / 848 / 0,2 / 0,7 / 10,0
ISO400 Auflösung/DL/Kurtosis/Rauschen/Dynamik 1224 / 809 / 0,2 / 0,7 / 10,0
ISO800 Auflösung/DL/Kurtosis/Rauschen/Dynamik 1220 / 799 / 0,2 / 0,8 / 9,5
ISO1600 Auflösung/DL/Kurtosis/Rauschen/Dynamik 1194 / 752 / 0,2 / 1,0 / 9,0
ISO3200 Auflösung/DL/Kurtosis/Rauschen/Dynamik 1181 / 635 / 0,2 / 1,1 / 8,5
ISO6400 Auflösung/DL/Kurtosis/Rauschen/Dynamik 1110 / 604 / 0,6 / 1,5 / 7,5
ISO12800 Auflösung/DL/Kurtosis/Rauschen/Dynamik 1067 / 283 / 0,3 / 3,3 / 7,0
Farbgenauigkeit (DeltaE) ISO100/400/1600/6400 10,0 / 10,0 / 10,2 / 10,3
Weißabgleich Tageslicht/Blitz 5 DeltaRGB / LZ 8
Bildqualität ISO100/400/800/1600/
3200/6400
33,5 / 33 / 30,5 / 26,5 /
23,5 / 16,5 Punkte
Bedienung/Performance  
mögliche Bildserie bei max. Auflösung JPG 5,0 B/s, 46 Bilder in Serie
mögliche Bildserie bei max. Auflösung RAW
Einschaltverzögerung 0,2 s
AF Zeit bei 1000/30 Lux/Live-View (max. 10 Punkte) / / s 6 Punkte
Ausstattung/Lieferumfang (max. 15 Punkte) 11,5 Punkte
Ausstattung/Performance (max. 25 Punkte) 17,5 Punkte
Gesamtpunktzahl (max. 100 Punkte) 55 Punkte
10,5 Pkt. über Durchschnitt

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