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Testbericht Nikon 1 V1 im Test

Nikon 1 V1 ist das momentane Top-Modell des Nikon 1-Systems. Sie zeichnet Bilder mit einem nur 13,2 x 8,8 mm großen 10-Megapixel-CMOS (Crop-Faktor 2,7) auf. Was bieten die Neulinge an Technik und Ausstattung? Und wie steht’s um die Bildqualität?

Nikon 1 V1

Hersteller
Nikon
UVP
400.00 €
Wertung
40.5 Punkte
Testverfahren
1.6

Nikon 1 V1
  • +Kompakte Bauform
  • +Wechselobjektive
  • +Zweigleisig beim AF-System
  • +Extrem schnelle Bildverarbeitung

Per Bajo­nettadapter (FT1) sollen sich aber auch alle AF-S- und AF-I-Nikkore verwenden lassen – inklusive AF-Funktion, wobei noch Unklarheit darüber herrscht, wie präzise die Scharfstellung nach einer Adap­tion tatsächlich funktioniert. Vom Start weg werden vier Objektive mit Bildstabilisator speziell für das neue System angeboten, ein Pancake 2,8/10 mm und drei Zooms, wobei das 4,5–5,6/ 10–100 mm mit leisem Fokusmotor für Videoaufnahmen optimiert sein soll.

Zwei Kameramodelle stehen in den Start­löchern: die J1 (550 Euro) als besonders kom­pakte Variante mit eingebautem Ausklappblitzgerät und die V1 (820 Euro) mit elek­tro­­­­­nischem Sucher, ohne eingebauten Blitz, dafür aber mit einem Multifunktionsanschluss versehen. Über diesen lässt sich das optional erhältliche Blitzgerät SB-N5 anschließen, das sich zum indirekten Blitzen auch verschwenken lässt. Alternativ zum Blitzgerät erlaubt die V1 den Anschluss eines GPS-Empfängers zum Geotagging von Bildern; für jede Aufnahme werden Längen- und Breitengrad, Höhe und Uhrzeit in den Exif-Daten gespeichert.

Bildaufzeichnung mit CX-Sensor

Besondere Erwartungen weckte der Bildsensor, mit dem Nikon sein neues Kamera­system an den Start schicken würde. Das gewählte Format dürfte allerdings manchen ernüchtern: Mit einem 13,2 x 8,8 mm kleinen CMOS bewegt sich Nikon deutlich unterhalb des APS-C-Formats; der Crop-Faktor des CX genannten Bildsensors beträgt 2,7. Zum Vergleich: Das unter anspruchsvollen Anwendern nicht unumstrittene Micro-Four-Thirds-System arbeitet mit 17,3 x 13 mm großen Sensoren (Crop-Faktor 2,0), rechnerisch die doppelte Fläche im Vergleich zum CX-Sensor. Ein APS-C-Format-Sensor, wie ihn Sony bei den NEX-Modellen (23,4 x 15,6 mm, Crop-Faktor 1,5) einsetzt, bietet sogar ein Dreifaches der Fläche.

Es darf spekuliert werden, warum Nikon nicht beim APS-C-Sensor geblieben ist, um auch eingefleischte SLR-Anwender durch kompro­misslose Bildqualität für das neue spiegellose System zu gewinnen. Offenbar wollte man ein neues System oberhalb der Kompaktkameraklasse etablieren, ohne die Spiegelreflexkameras des Hauses obsolet zu machen. Bei der Nikon 1 handelt es sich also weniger um eine Alternative zu SLR-Kameras als um eine solche zu Kompaktkameras mit gegenüber Kompakten deutlich größerem Sensor und eben mit Wechselobjektiven.

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Die Packungsdichte der Pixel auf dem Sensor entspricht etwa einem DX-Sensor mit etwas über 30 Megapixeln. Damit liegt die förderliche Blende bei 5,6, was Abblenden bei den meisten Objektiven nur noch in engen Grenzen erlaubt, bevor die Beugung die Auflösung reduziert. Die Empfindlichkeit lässt sich zwischen ISO 100 und 3200 einstellen, im erweiterten Modus um eine zusätzliche EV-Stufe nach oben (entspricht ISO 6400).

Extrem schnelle Bildverarbeitung

Der neue Expeed-3-Bildprozessor biete, so der Hersteller, „eine nie dagewesene Geschwindigkeit und Leistung“. Mit der Power von zwei Engines werden Bilddaten mit 600 MP/s verarbeitet. Expeed 3 ermöglicht Bildraten bis 60 Bilder/s bei voller Auflösung als RAW oder JPEG, aber ohne Autofokus, was derzeit keine Profi-SLR beherrscht. Allerdings können beide nur 30 Bilder in Folge aufzeich­nen, so dass die maximale Bildrate nur über eine Zeitspanne von einer halben Sekunde aufrechterhalten werden kann.

Neben schnellen Bildfolgen erlaubt Expeed 3 auch spezielle Aufnahmefunktionen wie „Smart Photo Select“ oder „Bewegter Schnappschuss“. Bei Smart Photo Select löst die Kamera bereits vor dem Durchdrücken des Auslösers – beim Anvisieren des Motivs und Antippen des Auslösers – mehrmals aus und nach dem Auslösen ebenfalls („Pre-Post-Capture“). Insgesamt werden 20 Aufnahmen geschossen, davon die fünf besten aufgezeichnet und die insgesamt beste angezeigt.

Ihre Wahl trifft die Kamera auf Grundlage einer komplexen Matrix, die nicht nur technische Gesichtspunkte wie Schärfe, sondern auch gestalterische berücksichtigt – z. B. Symmetrie, Gesichtsausdruck oder den Blick in die Kamera. Der „Bewegte Schnappschuss“ (Video mit 1920 x 1080 Bildpunkten und 60 B/s) ist dagegen eine kurze Bildsequenz, die parallel zu einem Standbild (8 Megapixel) gespeichert wird – wohlgemerkt durch Druck auf den Kameraauslöser und nicht durch Starten einer Filmsequenz. Ansonsten verfügt die Kamera über das übliche Arsenal an Belichtungsprogrammen (P, S, A, M plus Motiv­automatik).

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Zur Belichtungsmessung stehen Matrix- und mittenbetonte Messung, ergänzt durch Spotmessung (2-mm-Kreis in der Mitte des gewählten Fokusfelds) bereit. Videos zeichnet die Kamera in Full-HD (1980 x 1080) mit 60 Halbbildern/s als MOV-Dateien mit H-264-Kompression (MPEG-4) auf. Zum Starten einer Filmsequenz gibt es einen eigenen Auslöser (mit rotem Punkt) an der Oberseite neben dem Kameraauslöser. Drückt man Letz­teren wiederum während einer Filmsequenz, wird ein hochauflösendes Foto aufgezeichnet, allerdings im 16:9-Format.

Gehäuse und Bedienung

Beide Modelle wirken durch ihre strenge Linienführung sehr klar. Teile des Gehäuses, etwa die vordere Abdeckung und das Oberteil, bestehen aus Magnesium. Von vorne präsentiert sich die J1 als rechteckiger Block, den bei der V1 die Auswölbung des elektronischen Suchers unterbricht. Der Sucher bietet eine hohe Auflösung von 480 000 RGB-Bildpunkten und 100 % Bildfeldabdeckung. Der TFT-Monitor hat bei beiden Modellen eine Größe von 3 Zoll (7,5 cm Diagonale), löst bei der V1 mit 307 000 RGB-Pixeln aber doppelt so hoch auf wie bei der J1.

Bei der V1 wird der Monitor sensorgesteuert abgeschaltet, wenn sich das Auge dem Suchereinblick nähert. Mit ihren wenigen Bedienelementen erinnert die V1 ein wenig an Sonys NEX-Modelle. Zwar sind den Richtungstasten des 4-Wege-Schalters (mit integriertem Dreh-rad) Aufnahmefunktionen wie Belichtungskorrektur oder AF-Modus-Wahl zugewiesen, trotzdem muss man aber häufig in die Menüs wechseln, um das Gewünschte zu finden und einzustellen.

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Eigentlich würde man sich bei einer Systemkamera eine eher üppige Ausstattung mit Bedienelementen wünschen wie sie z.B. die Nikon Coolpix P7100 vorzuweisen hat. Die Bedienung beider Modelle ist fast gleich, wenn man von dem eingebauten Blitz der J1 inklusive Funktion auf dem 4-Wege-Schalter absieht. Auffäl­liger ist die unterschiedliche Haptik: Die leicht rauhe Beschichtung des Magnesiumsgehäuses der V1 fühlt sich wertiger an. Laut Nikon ermöglich der stärkere V1-Akku zudem fast doppelt so viele Bilder wie der J1-Akku.

Zweigleisig beim AF-System

Beim AF-System fährt Nikon zweigleisig: V1 und J1 kombinieren einen Phasen-AF-mit 73 Messpunkten und einen Kontrast-AF mit 135 Messfeldern. Auch den Phasen-AF realisiert Nikon wie den Kontrast-AF auf dem Aufnahmesensor und verzichtet auf einen speziellen Phasen-Sensor wie in SLRs üblich. Zum Zusammenspiel beider Systeme heißt es bei Nikon: Bei unbeweglichen Motiven oder schwacher Beleuchtung wähle die Kamera den Kontrast-AF, bei glänzenden oder sich bewegenden Motiven den Phasen-AF. Zudem stehe der Phasen-AF auch während des Filmens zur Verfügung. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit liegt bei beiden Modellen auf SLR-Niveau – zumindest bei ausreichend Licht (rund 0,30 s bei 1000 Lux). Bei wenig Licht (30 Lux) muss man etwas länger warten: 0,61 s bei der V1 und 0,70 s bei der J1. Da arbeiten Olympus Pen E-PL3 oder Panasonic Lumix G3 schneller – um 0,4 s.

Zwei Verschlusstypen an Bord

Die J1 ist mit einem elektronischen Verschluss versehen, der Belichtungszeiten zwischen 1/16 000 und 30 s ermöglicht. Eine Erklärung warum die Blitzsynchronisationszeit lahme 1/60 s beträgt, steht noch aus. Die V1 bietet neben dem elektronischen Verschluss einen mechanischen mit Zeiten zwischen 1/4000 und 30 s; Blitze lassen sich dabei mit 1/250 s synchronisieren. Zum Umschalten dient die prominente Funktionstaste rechts neben dem Suchereinblick. Wirklich notwendig ist der elektronische Verschluss nur bei hohen Bildfrequenzen, ansonsten empfehlen wir den mechanischen. Schließlich ist beim elektronischen Verschluss  der Sensor mehr oder wenig dauerhaft dem Licht ausgesetzt, was Blooming-Effekte (stark ausgewaschene Lichter) oder Smearing (unerwünschte bunte Streifen) hervorrufen kann. Wie anfällig die V1 dafür ist, konnten wir  in der Kürze der Zeit nicht klären.

Gute Arbeit am Sensor

Bedenkt man, dass der 10-Mega­pixel-CMOS der V1/J1 nur halb so groß wie ein 4/3-Sensor ist, hatten die Nikon-Ingenieure keinen leichten Job, haben aber ausgezeichnete Arbeit geleistet: Im Bereich von ISO 100 bis 400 ist das Rauschen etwas höher als bei 4/3-Kameras (max. VN 1,6), bleibt bis ISO 1600 (max. VN 1,8) im Rahmen und auch noch bei ISO 3200 (max. 2,4) akzeptabel. Der Texturverlust hält sich mit Werten zwischen 0,6 und 1,9 (bis ISO 3200) in Grenzen, und die Dynamik sinkt nie unter 8 Blenden. Damit schlägt Nikon einige ältere 4/3-Kameras, erreicht aber nicht das Testergebnis aktueller Top-Four-Thirds wie Panasonic G3. Insgesamt überzeugt die Bildqualität bis ISO 800.

Fazit

Die beiden Nikon 1-Modelle erweisen sich als janusköpfig. Welches Gesicht erscheint, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab: Betrachtet man sie als Alternative zu Kompaktkameras, sind sie dank überlegener Bildqualität sowie Wechselobjektiven das Beste, was man derzeit bekommen kann. Im Umfeld von Systemkameras mit Four-Thirds- oder gar APS-C-Format-Sensoren aber weht ein anderer Wind, was Ausstattung, Bedienkonzept und Bildqualität anbelangt.

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Hier müssen die neuen Nikons den Konkurrenten den Vortritt lassen. Eine echte Alternative zu etablierten SLR-Kameras soll das Nikon-1-System aber eben auch nicht sein. Viele SLR-Fotografen nutzen parallel noch eine Kompakte für Schnappschüsse. Besonders beliebt sind die Topkompakten mit dem größeren 1/1,7- Zoll-Sensor

Hier ist die Nikon 1 eine Alternative mit der besseren Leistung sowie Wechselobjektiven. Eine zweite Käufergruppe dürfte direkt von den Kompakten kommen: unzufrieden mit der Kompaktkamera-Bildqualität, aber nicht bereit eine SLR-Ausrüstung zu tragen. Ihnen bietet die 1 eine Alternative mit einem deutlichen Leistungsplus in einem immer noch kompakten Gehäuse.

Alle Daten und Testergebnisse zum Nikon 1 V1

 
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