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Digitalkamera Leica X2 im Test

16 Megapixel, APS-C-Sensor und ein 24-mm-Weitwinkel für 1750 Euro. Das sind die Eckdaten des X1-Nachfolgers, der die Tradition der kompakten Leica mit Top-Bildqualität fortsetzen soll.

Leica X2

Hersteller
Leica
UVP
1750.00 €
Wertung
42.5 Punkte
Testverfahren
1.6

Kameras ohne Spiegel haben bei Leica Tradition: Das M-System war schon immer spiegellos, ob analog oder digital, und auch die deutlich kompakteren X-Modelle kommen ohne Spiegel aus. Mit der X2 bringt Leica nun deren zweites Modell, das einen CMOS-Sensor im APS-C-Format (23,6 x 15,7 mm) mit einem fest eingebauten Objektiv, dem Leica Elmarit 2,8/24 mm Asph. (36 mm KB-Äquivalent), verbindet.

Bei Design und Ausstattung bleibt Leica der eigenen Linie und dem Vorgängermodell X1 treu: eine Kamera, die konsequent auf „Rand“-Funktionen wie Video, Motivprogramme und Effektfilter verzichtet und stattdessen auf eine präzise, hochwertige Verarbeitung und ein effizientes Bedienkonzept setzt.



Gegenüber der X1 sind nur wenige, dafür umso wichtigere Änderungen zu verzeichnen: Das Autofokusmodul, die größte Schwäche der X1, arbeitet nun schneller (siehe „Belichtung und Autofokus“). Der Sensor kann auf 16 statt auf 12 Megapixel zugreifen und mit höheren Empfindlich­keiten bis ISO 12 500 betrieben werden; außerdem lässt sich über den Zubehörschuh nicht nur wie gehabt ein optischer, sondern auch ein elektronischer 100%-Sucher mit 466 667 RGB-Pixeln, 1,15facher Vergrößerung und 90-Grad-Klappscharnier (EVF2) anschließen. Der kostet allerdings rund 400 Euro extra.

Das schmerzt, zumal auch der Preis für die Kamera um 200 auf 1750 Euro gestiegen ist – 150 Euro mehr als die direkte Konkurrentin Fujifilm X-Pro 1 mit drei entscheidenden Trümpfen auf ihrer Seite: dem Bajonett zum Objektivwechsel, dem integrierten Hybridsucher und einer Bildqualität, die Leica selbst mit der neuen X2 nicht zu toppen vermag. Das Angebot, dass regis­trierte X2-Kunden den RAW-Konverter Adobe Lightroom im Gegenwert von rund 130 Euro kostenlos von der Leice-Website herunterladen können, ist vor diesem Hintergrund erfreulich, aber nicht für alle Käufer wirklich interessant.

Die neue X2 bietet die Möglichkeit, am Zubehörschuh einen elektronischen hochauflösenden Klappsucher anzuschließen.

Gehäuse und Ausstattung

Selten haben wir ein derart sauber verarbeitetes Kameragehäuse gesehen. Es besteht rundum aus solidem Metall, zum Teil mit ansprechendem, tadellos eingepasstem Lederbesatz. Bestnote also für die Haptik, obwohl man die 344 g schwere, 136 x 69 x 50 mm kompakte Kamera ohne ausgeformten Griff besser mit zwei Händen hält und Dichtungen zum Spritzwasserschutz fehlen.

Das Metallstativgewinde befindet sich rechts der optischen Achse direkt neben dem Kombifach für LiIon-Akku und SDHC/SDXC-Karte, die deshalb bei aufgeschraubter Stativplatte nicht zugänglich sind. Der oben links eingebaute Blitz klappt weit aus, erreicht aber nur LZ 4. Zur Bildstabilisierung muss eine digitale Lösung vorhalten, eine Sensorreinigung entfällt, und einen integrierten Sucher gibt es nicht. Auch das für heutige Verhältnisse kleine, gering auflösende 2,7-Zoll-Display passt nicht zum Leica-Preis. Doch was der Monitor letztlich zeigt, nämlich ein farblich ausgeglichenes, bemerkenswert rauscharmes Bild, kann sich mit so manchem vermeintlich „besseren“ Display messen.

Im Menü kann der Anwender die für bestimmte Fotosituationen optimalen Kameraeinstellungen in drei Profilen speichern und abrufen.
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© ColorFoto
Im Menü kann der Anwender die für bestimmte Fotosituationen optimalen Kameraeinstellungen in drei Profilen speichern und abrufen.

Belichtung und Autofokus

Bei der Leica X2 erfolgt die Belichtungsmessung durch Auslesen verschiedener Bereiche des Sensors, je nach Belichtungsmethode mit unterschiedlicher Gewichtung. Neben den (teil)manuellen Modi steht eine Programmautomatik zur Verfügung. Der 11-Punkt-Kontrastautofokus lässt sich bei Bedarf mit einer Gesichtserkennung koppeln. Zum Scharfstellen und Auslösen braucht die Leica X2 durchschnittlich 0,77/0,78 s bei 1000/30 Lux – das ist immer noch deutlich zu langsam, aber eine eklatante Steigerung gegenüber den  1,16/2,02 s der X1. Zum Vergleich: schnelle Systemkameras liegen aktuell unter 0,3 s. Ein Tempo-Plus erzielt Leica bei der Serienfunktion: Die Leica X2 schafft 4,5 statt 3,3 B/s, kann aber nur 8 Aufnahmen pro Serie verarbeiten.

Die X2 arbeitet mit Programmautomatik, wenn die beiden Wahlräder für Belichtungszeit und Blende auf „A“ (Auto) stehen.

Handhabung

Am ebenso einfachen wie einleuchtenden Bedienkonzept hat sich so gut wie nichts geändert: Oben befinden sich zwei solide Wahlräder, eines zum Einstellen der Belichtungszeit, eines für die Blende. Stehen beide Räder auf Position „A“, arbeitet die Kamera mit Programmautomatik. Links des Monitors reihen sich fünf Schnellzugriffstasten etwa für Weißabgleich, ISO und AF-Modus, rechts weitere Direktzugriffe für Belichtungskorrektur, Blitz und Selbstaus­löser, zudem zwei Drehräder, mit denen man zügig und komfortabel im übersichtlichen Menü navigieren kann.

Der Monitor ist zwar relativ klein, liefert aber ein farblich neutrales Bild. Außerdem lässt sich die Anzeige gegebenenfalls anpassen.
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© ColorFoto
Der Monitor ist zwar relativ klein, liefert aber ein farblich neutrales Bild. Außerdem lässt sich die Anzeige gegebenenfalls anpassen.

Bildqualität

Wie erwartet erreicht die Leica X2 mit 16 statt 12 MP eine höhere Grenzauflösung als ihre Vorgängerin: Bei ISO 100 kann sie 1406 LP/BH darstellen, bis ISO 3200 sinkt der Wert kaum. Zwar wird bei offener Blende ein leichter Randabfall erkennbar, abgeblendet sind die Leistungen jedoch über das gesamte Bild bemerkenswert homogen. Der maximal gemessene Objektkontrast beträgt 12 Blenden, mit ISO 1600 sind es noch 8 Blenden. Allerdings greift auch bei Leica die Signalverarbeitung ins Bild ein, was zu Lasten der Textur geht. Außerdem führt die deutliche Farbkontrastanhebung nicht nur zu besseren Dead-Leaves-Werten, sondern auch zu unerwünschten Effekten und Abbildungsfehlern wie überbetonten Kanten.

Das Rauschen wird erst ab ISO 1600 störend. Randabschattung und Vignettierung sind schwach, die chromatische Aberration bleibt ebenfalls im grünen Bereich. Alles in allem erringt die Leica X2 6,5 Punkte mehr als die X1. Doch besonders bei höheren Empfindlichkeiten erreicht sie nicht das hohe Niveau der Fujiflm X-Pro 1 (Test) .

Testfazit

Mit der präzisen Verarbeitung hebt sich Leicas X2 von zahlreichen Konkurrenten ab. Der puristische Funktionsumfang kommt Fotografen entgegen, die weniger auf Auto­matikfunktionen als auf manuelle Einstellmöglichkeiten und eine effiziente Handhabung Wert legen.

Für eine Leica X3 bleiben Wechseloptik, ein integrierter elektronischer Sucher und ein schneller Autofokus auf der Wunschliste. Doch wer eine kompakte Kamera für die Reise sucht, ist mit dem 24-mm-Objektiv der Leica gut bedient.

Ein Blick auf unsere Systemkameratests zeigt zudem: Mag auch die Fuji X-Pro 1 noch etwas besser sein, mit Canon 7D und Nikon D300s kann die Leica bei der Bildqualität sehr gut mithalten. Hauptproblem: der zu hohe Preis.

Alle Daten und Testergebnisse zum Leica X2

 
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