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Testbericht Leica M-E im Test: Graue Eminenz

Deckkappe und Bodenplatte in Anthrazitgrau grenzen die Leica M-E auf Anhieb von ihren Schwestermodellen in Schwarz und Silber ab. Zudem ist die Neue von Leica erheblich günstiger als das Topmodell M. Wie bewährt sich die „Volks-Leica“ in der Praxis?

Leica M-E

Hersteller
Leica
UVP
4800.00 €
Wertung
35.5 Punkte
Testverfahren
1.6

Leica  M-E
  • +hervorragende Verarbeitung
  • +einfache Bedienung

  • -kleiner Monitor
  • -kein Autofokus

Als „Quintessenz der Messsucherfotografie“ tituliert Hersteller Leica die neue M-E. Etwas profaner könnte man sie als „Volks-Leica“ bezeichnen, denn das neue Einsteigermodell der M-Serie ist rund 1.400 Euro günsti­ger als das Flaggschiff M – kostet aber immer noch 4.800 Euro. Das bleibt ein stolzer Preis, zumal schon das günstigste Leica-M-Objektiv (Summarit-M 2,5/50 mm) rund 1.200 Euro kostet.

Als Nachfolgerin der M9 verwendet die M-E den Kodak-Bild­sensor KAF-18500, einen RGB-CCD im 36 x 24-mm-Format mit 18 Megapixel Nennauflösung. Der neue 24-Mega­pixel-CMOS bleibt der Leica M vor­ behalten, die zudem Live-View und Video beherrscht. Auf beides muss man bei der M-E verzichten. Dies gilt auch für den USB-Anschluss der M9.

In der Draufsicht zeigt sich das puristische Design der Leica von seiner schönsten Seite. Blitzschuh, Zeitenrad (mit A-Position für Zeitautomatik) sowie der Auslöser mit Drehschalter in Silber kontrastieren zum dunklen Gehäuse. Am Objektiv fällt die Schärfentiefenskala ins Auge.

Klassisch solides Gehäuse

Das Metallgehäuse fühlt sich so robust an, wie man das von einer Vertreterin der M-Familie erwartet. Die Belederung ist griffig, kann das Fehlen eines Handgriffs aber nicht kompensieren. Andererseits will man sich einen Handgriff an einer M aus Designgründen gar nicht vorstellen. Weniger ist hier eben mehr.

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Deckkappe und Bodenplatte sind anthrazitfarben lackiert, was der Kamera einen spröden Charme verleiht. Neben den Objektiven ist es gerade diese Gehäusequalität, die makellose Verarbeitung und das puristische Design, was die Faszination von Leica ausmacht. Um so bedauerlicher, dass nur die M gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet ist, die M-E aber nicht.

Beim Erstkontakt mit einer digitalen Leica M macht man sich unweigerlich auf die Suche nach dem Speicherkartenfach. Kenner wiederum wissen, dass sich das Gesuchte unter der abnehmbaren Bodenplatte befindet – dort, wo man zu Analogzeiten den Film eingelegt hat. Abnehmen lässt sich die Bodenplatte nach Ausklappen eines kleinen Bügels an der Entriegelungsschraube; eine Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn reicht. Die darunter liegende Kunststoffabdeckung birgt den Steckplatz für SDHC-Karten ebenso wie den Schacht für den Lithium-Ionen-Akku (1860 Ah).

Praktisches Detail: Der Edelstahlsockel mit dem Stativgewinde ist nicht an der Kamera selbst, sondern an der Bodenplatte be­festigt. Sitzt die Kamera auf einem Stativ, muss man sie zum Wechseln der Speicherkarte nicht abschrauben, sondern nur von der Bodenplatte trennen – was nur dann funktioniert, wenn die Entriegelungsschraube nach dem Befestigen am Stativkopf zugänglich bleibt.

Ein exaktes Abbild der M9

In Art und Anordnung der Bedienelemente ist die M-E ein exaktes Abbild der M9. Zentrales Bedienelement an der Oberseite ist das in halben EV-Stufen rastende Verschlusszeitenrad. Der mechanische Schlitzverschluss er­möglicht Belichtungszeiten von 1/4.000 s bis 8 s (im B-Modus bis 240 s). Rot hervorgehoben sind die Einstellposition für die Blitzsynchronzeit (1/180 s) und der Buchstabe „A“ für Zeitautomatik mit Blendenvorwahl. Die Arbeitsblende wird am Blendenring des Objektivs ein­ gestellt, in vollen oder halben EV-Stufen.

Die einzig verfügbare Belichtungsmessmethode ist – so der Hersteller – „stark mittenbetont“. Durch halbes Durchdrücken des Auslösers wird die Messwertspeicherung aktiviert. Wird der Auslöser dagegen auf „Weich“ umgestellt, entfällt die Messwertspeicherung; ausgelöst wird bereits beim ersten Druckpunkt. Bei Einstellung auf „Diskret“ wird der mechanische Verschluss erst dann wieder gespannt, wenn man den Auslöser loslässt.

Der Auslöseknopf ist von einem in vier Stufen rastenden Drehschalter umgeben, der die Wahl zwischen S (Einzelbilder), C (Serienbilder, max. 2,1 B/s), Selbstauslöser (wahlweise 2 oder 12 s) und „Off“ (Ausschalten) erlaubt. Ein Blitzschuh komplementiert das Instrumentarium an der Kameraoberseite.

Übersichtlich und gut erkennbar: Kamerainfos auf dem 2,5-Zoll-Display der Leica M-E.

Monitor mit 2,5 Zoll zu klein

Kein Schmuckstück ist der nach heutigen Maßstäben zu kleine rückseitige Monitor (2,5 Zoll) mit einer mageren Auflösung von nur 76.000 Bildpunkten – angesichts des Gehäusepreises nur schwer zu akzeptieren. Rechts vom Monitor findet sich ein 4-Wege-Schalter mit umgebendem Drehrad, darüber die Menü­taste. Fünf weitere, relativ kleine Tasten ortet man links vom Monitor.

Wie bei den M-Modellen üblich, zeigen Leuchtrahmen im Sucher den Bildausschnitt für verschiedene Objektive an, wobei man in der Regel mehr zu sehen bekommt als den eigentlichen Motivausschnitt – was aber kein Nachteil ist.

Auf Autofokus muss man verzichten; beim manuellen Fokussieren hilft ein Mischbild-Entfernungsmesser, erkennbar durch ein helles rechteckiges Feld im Sucherzentrum. In diesem Feld bringt man durch Drehen am Fokussierring zwei identische Bildausschnitte zur Deckung. Bei markanten Motivdetails funktioniert das gut; bei kleinteiligen, sich wiederholenden Strukturen (Blätterwald) aber wird das Scharfstellen schwierig.

Dann hilft das Einstellen nach Schärfentiefenskala am Objektiv, um einen definierten Aufnahmebereich von nah bis Unendlich scharf abzubilden. Ebenfalls im Sucher sichtbar ist die aktuelle Verschlusszeit oder – bei manueller Einstellung von Zeit und Blende – eine Nachführanzeige nach dem Lichtwaagen-Prinzip.

Nur nicht mit Technik belasten

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Unverkennbar ist, dass die Leica M-E an die Adresse einer Klientel geht, die sich mit der Technik der digitalen Bildaufzeichnung nur wenig belasten will. Drückt man etwa die ISO-Taste (und hält sie dann gedrückt), kann man mittels Drehrad den gewünschten ISO-Wert zwischen 80 und 2.500 einstellen; bestätigen ist unnötig, der Monitor erlischt automatisch mit dem gewählten Wert.

Die Info-Taste ruft ein Fenster auf, das Akku- und Speicherkartenkapazität grafisch anzeigt, ergänzt durch den angesetzten Objektivtyp und die aktuelle Verschlusszeit (manuell eingestellt oder in Zeit­automatik ermittelt). Mehr nicht? Mehr nicht.

Ähnlich spartanisch zeigt sich das Einstellmenü nach Drücken der Set-Taste mit nur sechs Einträgen: Weißabgleich, Kompression, Auflösung, Belichtungskorrektur, Belichtungs­ reihe und Benutzerprofil. Beim Weißabgleich (Auto, Presets, Kelvin-Werte, WB-Messung) vermisst man eine manuelle Feinkorrektur.

RAW-Bilder zeichnet die Kamera in der universellen DNG-Variante (wahlweise mit und ohne Komprimierung) auf, JPEGs in zwei Kompressionsstufen; auch DNG und RAW parallel sind möglich. Belichtungsreihen gibt es nur in Form von EV-Stufen, immerhin aber mit 3, 5 und 7 Bildern zwischen 0,5 und 2 EV- Stufen. Vier Benutzerprofile lassen sich speichern, ergänzend steht ein „Schnappschuss-Profil“ bereit.

Über die Menütaste gelangt man ins Hauptmenü, das insgesamt 27 Einträge aufweist, die allesamt auf einer Ebene angesiedelt sind. Zum Navigieren verwendet man wahlweise die Richtungstasten oder das Drehrad. Im Hauptmenü finden sich unter anderem Einstellmöglichkeiten für Auto-ISO, Objektiv­er­kennung (automatisch/manuell), JPEG-Parameter (Schärfen, Kontrast, Farbsättigung) oder „Auto Slow Sync“ für die Langzeitsynchronisation beim Blitzen. Keine Einstellmög­lich­keiten gibt es dagegen für das Rauschfilter oder die Grada­tionskurve.

Bei JPEGs direkt aus der Kamera sind Lichter- und Schattenzeichnung ein wenig flau.
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© Karl Stechl
Bei JPEGs direkt aus der Kamera sind Lichter- und Schattenzeichnung ein wenig flau.

Durch das Verarbeiten von RAW-(DNG-)Dateien in Photoshop/Elements oder Lightroom lässt sich ein gutes Stück mehr an Lichter- und Schattenzeichnung aus den Bildern holen als bei JPEGs direkt aus der Kamera. Den Dynamikvorteil kann man auch an den dazugehörigen Histogrammen eindeutig ablesen.
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© Karl Stechl
Durch das Verarbeiten von RAW-(DNG-)Dateien in Photoshop/Elements oder Lightroom lässt sich ein gutes Stück mehr an Lichter- und Schattenzeichnung aus den Bildern holen als bei JPEGs direkt aus der Kamera. Den Dynamikvorteil kann man auch an den dazugehörigen Histogrammen eindeutig ablesen.

DNG-Modus dringend empfohlen

Die Bildergebnisse der M-E zeichnen sich durch eine konstante Auflösung und hohe DL-Werte bis ISO 1.600 aus. Das Rauschen bleibt bis ISO 800 moderat, die Dynamik ist jedoch gering – vor allem bei JPEGs aus der Kamera. Tipp: Bessere Lichter- und Schattenzeichnung ermöglicht der DNG-Modus.

Fazit

Leidenschaftslos betrachtet, ist die Leica M-E eine nicht mehr ganz zeitgemäße Vollformatkamera zu einem stolzen Preis, die bei ISO 100 sehr gute, bis ISO 800 gute und bei ISO 1600 zufriedenstellende Bildergebnisse produziert. Verzichten muss der Anwender auf Live-View, Videomodus und Autofokus; auch der zu kleine Monitor mit geringer Auflösung weckt keine Begeisterung.

Doch muss man die Perspektive nur kurz wechseln, um die Kamera mit anderen Augen zu sehen: das schwere Metallgehäuse, das aus einer anderen Zeit zu stammen scheint, die schnörkellose Bedienung, das sanfte Geräusch des mechanischen Auslösers, den spielfrei laufenden Fokussierring des mitgelieferten Testobjektivs Summilux M 1,4/35 mm Aspherical.

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Pragmatiker und kühle Rechner werden diese Argumente kaum gelten lassen – aber für sie ist die Leica M-E eben auch nicht gebaut. Die niedrige Gesamtpunktzahl hat bei Leica einen besonderen Grund: Mangels Auto­fokus und ISO-6400-Einstellung kommt die M-E in gleich zwei Disziplinen auf 0 Punkte.

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