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Profi-DSLR Nikon D4 im Test: Edelauslese

Die vierte Generation von Nikons Profikameras kommt mit nun 16 Megapixeln für 6000 Euro. Sie löst die Nikon D3s ab, während die D3x mit 24 Megapixeln im Programm bleibt.

Nikon D4

Hersteller
Nikon
UVP
6000.00 €
Wertung
56.5 Punkte
Testverfahren
1.6

Nikon D4
  • +schneller Autofokus
  • +Serienbildgeschwindigkeit
  • +großer Sucher
  • +Full-HD-Videos
  • +hohe Bildqualität

Das neue Topmodell von Nikon mit Vollformatsensor, rasantem Tempo und Fokus auf den klassischen Nikon-Profi, der mit Reportage- sowie Sportbildern sein Geld verdient, heißt D4. Dementsprechend hat Nikon die Auflösung nur maßvoll auf 16 Megapixel erhöht und stattdessen den Entwicklungsschwerpunkt auf einen schnellen Autofokus, perfekte Bedienbarkeit und hohe Bildqualität bei wenig Licht bis ISO 204 800 gelegt.

Neben dem Steckplatz für Compact-Flash gibt es einen Slot für den neuen Speicherkartentyp XQD. © Nikon
Neben dem Steckplatz für Compact-Flash gibt es einen Slot für den neuen Speicherkartentyp XQD.

Der erste Eindruck

Das konsequent abgedichtete, tadellos verarbeitete Magnesiumgehäuse der G3-Serie wurde nur leicht modifiziert. Unter anderem spendiert Nikon der D4 zusätzliche Bedienelemente, beispielsweise einen Video­auslöser. Der integrierte Hochformathandgriff ist wie üblich mit einem zweiten Tastensatz ausgestattet. Hinter dem rückseitigen, durch einen verdeckten Entriegelungsknopf gesicherten Springdeckel verborgen liegen zwei Steckplätze, einer wie gehabt für Compact-Flash, einer für den neuen Speicherkartentyp XQD.

Der neue LAN-Kabelanschluss zur schnellen Datenübertragung © Nikon
Der neue LAN-Kabelanschluss zur schnellen Datenübertragung

Momentan ist die Auswahl an XQD-Medien noch übersichtlich: Sony bietet eine Variante mit 16 und eine mit 32 GB an; Kostenpunkt: 200 bis 300 Euro. Schön, dass Nikon der D4 zumindest während der Einführungsphase eine XQD-Karte mit 16 GB und den Kartenleser beilegt. Zu den nützlichen Neuerungen gehören auch die Tastenbeleuchtung, der eingebaute LAN-Kabelanschluss und der zur D4 passende optionale WLAN-Adapter WT-5 (rund 650 Euro), der den Master/Slave-Betrieb beherrscht.

Reportagetauglich

Die Serienbildgeschwindigkeit gehört zu den Argumenten, mit denen sich die D4 als die Top-Kamera für Reportage- wie Sportfotografen qualifiziert. Im Labor konnte die D4 bei voller Auflösung bis zu 62 JPEG- oder 56 RAW-Bilder in Serie mit einem Durchsatz von 10,1 bis 10,2 B/s verarbeiten. Zum Vergleich: Die D3s schafft 8,8, die D3x nur 5,0 B/s. Ein ordentlicher Temposchub also, zu dem womöglich neben dem neuen Expeed-3-Prozessor auch die Mehrkanalauslesung des Sensors und die neu kons­truierte Spiegel- und Verschlussmechanik beitragen. Der Schlitzverschluss ist nach wie vor aus Kevlar-Kohlefaser gefertigt und für 400.000 Auslösungen ausgelegt. Bei der Sen­sorempfindlichkeit reichen die Stan­dard­­einstellungen von ISO 100 bis 12.800. Für Studioaufnahmen mit leistungsstarker Blitz­anlage lässt sich die Empfindlichkeit wie beim Canon-Pendant 1D X auf ISO 50 absenken, für schlechte Licht­ver­hältnisse auf  ISO 204.800 verstärken.

Belichtung und Autofokus

Die Belichtungsmessung erfolgt über einen RGB-Sensor mit 91.000 statt 1005 (D3s, D3x) Pixeln und ist mit dem Autofokussystem gekoppelt. In der Regel legt die Kamera also bei der Belichtungsmessung ihren Schwerpunkt genau auf den Bildbereich, auf den sie scharfstellt. Das AF-Modul 3500FX greift wie gehabt auf 51 AF-, darunter 15 Kreuzsensoren zu, wurde aber grundlegend überarbeitet. Im Fokus stand dabei eine höhere Empfindlichkeit für mehr Spielraum beim Einsatz von Telekonvertern. Dazu hat Nikon die Empfindlichkeit einer Reihe von AF-Messfeldern über die bisherige Grenze der Mindestlichtstärke von 1:5,6 hinaus erweitert. Bei 1:8 stehen nun der zen­trale Kreuzsensor und zehn weitere Zeilensensoren zur Verfügung. Bei Lichtstärken zwischen 1:5,6 und 1:8 sind es neun Kreuzsensoren plus sechs Zeilensensoren. Auch das AF-Tempo konnte Nikon spürbar an­heben, insbesondere bei schwachem Licht: Die Auslöseverzögerung inklusive AF lag bei 0,24 (30 Lux) und 0,26 s (1000 Lux).

Die D4 zeigt nicht nur die horizontale, sondern auch die vertikale Neigung an.
Die D4 zeigt nicht nur die horizontale, sondern auch die vertikale Neigung an.

Sucher und Monitor

Nikon verbaut wieder einen großen 100%-Sucher mit effektiv 0,7-facher Vergrö­ßerung. Im Gegensatz zu D3s und D3x kann die D4 Gitterlinien einblenden, verzichtet aber auf die auswechselbare Mattscheibe. Links befindet sich der klassenübliche Okularverschluss. Der rückseitige Monitor ist von 3 auf 3,2 Zoll gewachsen. Die Auflösung bleibt mit 307 000 RGB-Pixeln unverändert, die Anzeigequalität auf hohem Niveau. Im Live-View arbeitet die D4 mit Kontrastautofokus. Den Live-View-Modus Freihand, in dem die D3-Modelle noch vor dem Umklappen des Spiegels den schnelleren Phasen-AF verwenden, gibt es in der D4 nicht. Nikon begründet dies mit dem gestiegenen Tempo des Kontrastautofokus. Allerdings arbeitet der Kontrast-AF der Nikon wesentlich langsamer als Kontrast-AFs moderner Systemkameras wie der in der Olympus OM-D EM-5.

Videofunktion

Nachdem die D3x keine Videos und die D3s maximal HD-Filme aufnehmen kann, geht Nikon nun in die Vollen: Mit der D4 ließen sich, so heißt es, „sendefähige“ Full-HD-Filme mit 30, 25 oder 24 B/s aufzeichnen. Die Sampling-Rate soll unverändert bei 4:2:2 liegen, sich aber anheben lassen, indem man das unkomprimierte HDMI-Signal abgreift und ein externes Aufnahmegerät verwendet. Bildeinstellungen wie ISO, Schärfe, Kontrast und Sättigung werden auch beim Filmen wirksam. Ebenso bleiben die manuellen Aufnahmemodi im Videomodus aktiv. Die Funktion zum Messen des Weißabgleichs funktioniert dagegen nicht. Und der kontinuierliche Autofokus zieht allenfalls bei guten Lichtverhältnissen die Schärfe einigermaßen treffsicher nach. Die Tonaufnahme erfolgt entweder über das interne oder ein externes Stereomikrofon. Im direkten Vergleich zur Canon EOS 5D Mark II liefert die D4 eine gleichwertige, teils sogar noch bessere Video­bildqualität. In satt himmelblauen Flächen zeigten sicheine Spur weniger Rauschen und Artefakte, gelegentlich aber wellenförmige Störungen.

Bedienkonzept

Für diejenigen, die schon einmal mit Nikons digitalen Profikameras gearbeitet ha­ben, birgt das Bedienkonzept der D4 keine großen Überraschungen. Dennoch wirken sich einige kleinere Modifikationen durchaus positiv auf den Bedienkomfort aus. So lässt sich die Belichtungsmessung jetzt bequem per Taste links des Sucherdoms ändern; praktisch auch die beiden zusätzlichen, definierbaren Joysticks, die der Fotograf beispielsweise für die Wahl des AF-Messfelds nutzen kann. Einer ist bei Quer- der andere bei Hochkantaufnahmen bestens erreichbar für den rechten Daumen. Außerdem gibt es einen Drehschalter zum Wechsel zwischen Video- und Foto-Live-View-Betrieb. In dem kann die D4 übrigens nahezu geräuschlos auslösen – einfach im Menü unter Live-View-Foto „Still“ aktivieren, und der Spiegel bleibt hochgeklappt der mechanische Verschluss geöffnet. Stattdessen kommt ein elektronischer Verschluss zum Einsatz, wodurch unter Umständen Überblendeffekte verstärkt auftreten können (Blooming). Unterhalb des zweiten, in dieser Klasse obligatorischen Einstell-Displays auf der Rückseite befinden sich wie gewohnt die ihm zugeordneten Funktionstasten für ISO (ohne ISO-Auto), Weißabgleich und Qualität, zusätzlich eine zur Aufnahme von Sprachnotizen.

Bildqualität

Obwohl schon die D3-Generation eine sehr gute Bildqualität liefert, kann die D4 deren Niveau bei höheren Empfindlichkeiten ab ISO 800 noch einmal steigern. Laut Nikon wurde die Rauschunterdrückung verbessert – eine Aussage, die unsere Messergebnisse bestätigen: Die D4 erzielt sehr gute VN-Werte zwischen 0,4 (ISO 100) und 2,3 VN (ISO 12 800). Bis ISO 1600 bleibt das Rauschen unter 1 VN.

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Ebenfalls top sind die Ergebnisse des Dead-Leaves-Tests: Je höher die Empfindlichkeit desto weiter kann die D4 ihren Vorsprung ausbauen. Bis ISO 800 liegen ihre DL-Werte über 1000 LP/BH, bis ISO 3200 satt über 900 LP/BH, und selbst bei ISO 12 800 sind noch 588 LP/BH drin.

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Mit einer Grenzauflösung von 1449 (ISO 100) bis 1282 LP/BH (ISO 12 800) kommt die D4 zwar erwartungsgemäß nicht gegen D3x (24,4 MP) und EOS 1Ds Mark III (21 MP) an, übertrifft aber D3s und EOS 1D Mark IV um Längen. Bei den Texturverlusten erreicht sie nicht ganz das Niveau der in diesem Punkt herausragenden D3s, die auch den größeren Objektkontrast darstellen kann. Die Aufnahmen bleiben bis in hohe ISO-Sphären, genauer gesagt bis zur H2-Einstellung, recht ansehnlich. Ab H3 nimmt das Farb- und Luminanzrauschen sprunghaft zu, und ab H4 (ISO 204 800) könnte man beinahe meinen, die schemenhaften Bilder seien das Werk eines Artfilters.                           

Fazit

Nikon setzt mit der D4 einen neuen Maßstab, wenn es um die Bildqualität bei höchsten Empfindlichkeiten geht. Topwerte bei DeadLeaves und Rauschen überzeugen. Hinzu kommen beindruckende Tempi sowohl beim Autofokus als auch bei den Serienbildern.

Lediglich der Kontrastautofokus kann beim Filmen nicht punkten. Höchste Auflösung ist ebenfalls nicht Sache der D4, aber eben auch nicht das Thema der in erster Linie angesprochenen Reportage- und Sportfotografen. Um so gespannter warten wir nun auf Canons 1D X.

www.nikon.de

Alle Daten und Testergebnisse zum Nikon D4

 
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