Testbericht

Canon EOS 7D

Testergebnis


Karl Stechl

23. Oktober 2009
Testsieger 11/2009

Schubladendenken nach Zahlen kann bei der EOS 7D  (1650 Euro) schnell in die Irre führen. Denn man könnte annehmen, die Neue sei eine Vollformat-SLR oberhalb der EOS 5D Mark II. Tatsächlich ist die EOS 7D aber Canons neue Leitfigur in der APS-C-Abteilung. Sie toppt die EOS 50D und tritt als direkte Konkurrenz der Nikon D300s an. Im Vergleich zu dieser hat die EOS ein Stück mehr an nomineller Auflösung zu bieten:  18 Megapixel im Vergleich zu 12.

Magnesiumgehäuse mit Spritwasserschutz

Das Gehäuse der EOS 7D besteht in weiten Teilen aus Magnesium und ist besonders effektiv gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. In ihren Dimensionen erinnert die Kamera an die 5D Mark II, ist aber zusätzlich mit einem Pop-up-Blitzgerät aus­gestattet, das Brennweiten bis 15 mm (24 mm KB-äquivalent) aus­leuchten kann und auch manuell steuerbar ist. Zudem verfügt die 7D als erste EOS über einen eingebauten Speedlite-Transmitter, um mehrere Speedlite-System­blitzgeräte drahtlos zu steuern.

Der SLR-Sucher bietet 100 Prozent Bildfeldabdeckung und eine effektive Vergrößerung von 0,63x, der Nikon D300s vergleichbar. Bestandteil des Suchersystems ist, erstmals bei Canon, ein lichtdurchlässiges LCD, mit dem sich z. B. Gitterlinien in den Sucher einblenden lassen.

Der 3-Zoll-Monitor glänzt mit einer hohen Auflösung von 306 700 RGB-Bildpunkten und 160 Grad Betrachtungswinkel (horizontal/vertikal). Zudem wurde er mit Blick auf die Ablesbarkeit bei hoher Umgebungshelligkeit optimiert. Canon hat dafür laut eigener Aussage den Luft­spalt zwischen LCD-Schutzab­deckung und Flüssigkristall­fläche eliminiert, was Reflexionen vermindern und die Ablesbarkeit verbessern soll. Zudem existiert ein Umgebungslichtsensor, der das Display situationskonform in seiner Helligkeit regelt; sieben Stufen sind möglich.

Im Live-View-Modus lässt die Kamera dem Anwender die Wahl zwischen Phasen- und Kontrast-AF, Letzterer mit zuschaltbarer Gesichtserkennung. Im Live-View werden eine Reihe von Informationen ins Bild eingeblendet, auf Wunsch auch ein Live-Histogramm und die elektronische, in zwei Ebenen arbeitende Wasserwaage (Dual Axis Electronic Level). Belichtungssimulation ist möglich, aber auch abschaltbar. Das manuelle Fokussieren wird durch eine Bildschirmlupe (5-/ 10-fach) unterstützt.


Bild vergrößern 631 673 http://img3.magnus.de/image-r631x425-C-6a3e9812-25131104.jpg Die Start-Stop-Taste erleichtert das Fil- men und den schnellen Wechsel zwischen Video- und Standbild.

Die Start-Stop-Taste erleichtert das Fil- men und den schnellen Wechsel zwischen Video- und Standbild.

Full-HD-Video mit flexiblen Bildwiederholraten

Vom Live-View ist es nur ein kleiner Schritt zur Videofunktion. Dank der Movie-Taste kann man direkt vom Einzelbild- in den Filmmodus wechseln. Die maximale Auflösung beträgt Full-HD (1920 x 1080), die Bildwiederholrate ist variabel (30, 25, 24 B/s). Als Speichercontainer verwendet die Kamera MOV (Quicktime), kodiert wird nach H.264, einem MPEG4-Derivat.

Das neue AF-System der EOS 7D verwendet 19 Kreuzsensoren und lässt sich vielfältig konfigurieren – von der automatischen Messfeldwahl über Einzelfeld- bis Zonen-AF mit fünf Messberei­chen. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit ist mit 0,33/0,44 gut; einige andere Canon-Modelle sind in diesem Punkt aber besser. Was die beiden Digic-4-Bildprozessoren an Tempo mobilisieren können, zeigt sich allerdings bei Serienbildern: 7,5 B/s bei maximaler Bildauflösung sind für eine 18-Megapixel-Kamera ziemlich gut.


Bild vergrößern 704 751 http://img3.magnus.de/image-r704x529-C-ba59456e-25131109.jpg Zwei Digic-4-Prozessoren machen Tempo bei der EOS 7D: 7,5 Bilder pro Sekunde bei maximaler Auflösung sind möglich.

Zwei Digic-4-Prozessoren machen Tempo bei der EOS 7D: 7,5 Bilder pro Sekunde bei maximaler Auflösung sind möglich.

Neues Belichtungssystem mit Dual-Layer-Sensor

Neu ist auch das Belichtungsmess­system iFCL, das neben Helligkeit und Objektfarbe auch die Entfernung zum Motiv berücksichtigt. Der dazugehörige Dual-Layer-Sensor mit einer rot- und blauempfindlichen Schicht soll ebenfalls die Präzision der Messung erhöhen. Die Auswahl an Belichtungsmessmethoden lässt keine Wünsche offen: Neben Mehrfeld- und Integralmessung (mittenbetont) stehen Selektivmessung (9,4 Prozent des Bildfelds) und Spotmessung (2,3 Prozent) bereit.

Auf eine eingebaute HDR-Funktion wie bei der Pentax K7 und Sony Alpha 550 muss man zwar verzichten, doch bietet der Bracketing-Modus (Belichtungsreihen) mit einer Spreizung von bis zu drei Blendenstufen eine gute Voraussetzung für HDR-Bild­serien, die man mit einer geeigneten Software später am Computer überlagert.


Bild vergrößern 706 753 http://img1.magnus.de/image-r706x532-C-8a82ad3a-25131107.jpg Erstmals bei Canon lässt sich das eingebaute Blitzgerät auch zum Steuern externer Systemblitze verwenden.

Erstmals bei Canon lässt sich das eingebaute Blitzgerät auch zum Steuern externer Systemblitze verwenden.

Beim Bedienkonzept der Kamera treffen sich zwei Welten. Im Mittelpunkt der einen steht das klassische Daten-LCD an der Oberseite mit zugeordneten Tas­ten, die in Verbindung mit einem der beiden Drehräder das Einstellen aufnahmerelevanter Parameter erlauben. Die andere Welt erschließt sich nach Druck auf die Q-Taste unterhalb des Moduswahlrads für die Belichtungsprogramme. Dann verwandelt sich der 3-Zoll-TFT in einen Datenmonitor mit verschiedenen Funktionsfeldern. Nach Anwählen eines Feldes mit dem Joystick kann man dort direkt mit dem Daumenrad Werte verändern oder in das betreffende Untermenü wechseln.

Nach diesem Muster lassen sich z. B. Bildstil, AF-Modus, Belichtungsmessmethode, Weißabgleich oder Automatische Belichtungsoptimierung (Kontrastausgleich) einstellen. Für benutzerdefinierte Einstellungen stellt die Kamera drei Speicher bereit, die über die Rastpositionen C1/2/3 am Moduswahlrad un­bürokratisch angewählt werden können.


Bild vergrößern 706 753 http://img4.magnus.de/image-r706x532-C-c8681420-25131113.jpg Für die eingebaute Vignettierungskorrektur sind im Speicher Werte für eine ganze Reihe von Objektiven hinterlegt.

Für die eingebaute Vignettierungskorrektur sind im Speicher Werte für eine ganze Reihe von Objektiven hinterlegt.

Hohe Bildqualität, aber Durchschnitt beim Texturverlust

Im Vergleich zum Vorserienmodell (getestet in ColorFoto 11/2009) lieferte die EOS 7D in der endgültigen Fassung eine geringfügig schwächere Auflösung (1469/ 1330 LP/BH bei ISO 100/1600). Das moderate Rauschen (0,7/1,5 VN bei ISO 100/1600) entspricht dem hohen Nikon-Niveau. Auch bei höheren Empfindlichkeiten (maximal 12 800 ISO) kommen noch vorzeigbare Bilder zustande. Die Dynamik ist mit 9,5 Blenden bis ISO 800 und 9 Blenden bei ISO 1600 hoch, der Texturverlust mit Werten zwischen 1,1 und 0,8 nur Durchschnitt.

Das (leider etwas kleine) Helligkeits­histogramm lässt sich bei Bedarf auch in ein RGB-Histogramm verwandeln.
Neu ist der Zonen-AF, bei dem die vorhandenen Messfelder auf unterschiedliche Weise gebündelt werden können.
ISO 400
ISO 1600
ISO 6400
ISO 400
ISO 1600
ISO 6400

Technische Daten und Testergebnisse

Bildsensor/Datei  
Auflösung (nicht interpoliert) 5184 x 3456 Pixel
Pixelgrösse (Pixelpich), Förderliche Blende 4,3 μm, f7
Sensorgröße, Bildwinkelfaktor 22,3 x 14,9 mm, 1,6x
Sensortyp, Sensorreinigung, Bildstabilisator CMOS, Sensorreinigung, –
Dateiformat JPEG, RAW, RAW + JPEG
Aufnahmesteuerung  
AF-Felder, davon Kreuzsensoren, man. Fokus 19 AF-Sensoren, 19 Kreuzs., man.
Verschlusszeiten, kürzeste Blitzsync., B 1/8000–30 s, Blitz 1/250 s, B
Belichtungsmessung: mittenbetont Spot, Matrix mittenbetont, Spot, Matrix mit 63 Feldern
Progr.-, Blenden-, Zeitautom., Man (P, Av, Tv, M) P mit Programmshift, Av, Tv, M
Belichtungskorrektur, Blitzbelichtungskorrektur ±5 Blenden, ±3 Blenden
Belichtungsreihe, Blitzbelichtungsreihe Belichtungsreihe, –
Empfindlichkeitswahl: ISO-Autobereich variabel man., Reihe ISO-Auto, 100–12800, –
Weißabgleich: auto, messen, Presets, Kelvinwerte, manuelle Korrektur, Reihe auto, messen, Presets, Kelvinwerte, manuelle Korrektur, Reihe
Farbräume sRGB, Adobe RGB
Steuerbare Grundeinstellungen: Schärfe, Kontrast, Farbsättigung, Gradationskurve, Rauschfilter Schärfe, Kontrast, Sättigung, Lichter-/Schattenkorrektur, Rauschfilter
Sucher/Monitor/Display  
Sucher (Typ, einblendbares Gitter;Gesichtsfeld, Vergrößerung, effektive Sucherbildgröße, auswechselbare Mattscheiben) SLR-Sucher, Gitter, 100 %, 1,00 , eff. 0,63,–
Monitor: Größe, Auflösung, verstellbar 3,0", 306700 RGB-Bildpunkte, –
Monitor als Sucher nutzbar, Sensor-AF, Phasen-AF, Lupe für MF, Histogramm, Über-, Unterbelichtungswarnung LiveView, Sensor-AF, Phasen-AF, Lupe, Histogramm,
–, –
Bildwiedergabe: Histogramm, Über- und Unterbelichtungswarnung Histogramm, Lichterwarnung
Anschlüsse und weitere Ausstattung  
Bajonett, Speicher, Akku Canon EF, CF, Li-Ion
int. Blitz, Anschluss ext. Blitz (Buchse, Blitzschuh) int. Blitz, Kabelbuchse, Blitzschuh
Schnittstellen USB 2.0, TV, WLAN optional
Video: Format, max. Auflösung, Bildfrequenz, max. Länge, AF-Funktion MOV (H.264), 1920 x 1080 Px, 30 Vollbilder/s, 30 min, AF
Spiegelvorauslösung, Spritzwasserschutz Spiegelvorauslösung, Spritzwasserschutz
Maße (Bx H x T), Gewicht mit Batterie 148 x 111 x 74 mm, 910 g
Testergebnisse  
Bildqualität  
Objektiv für Auflösungs- / AF-Messung Sigma EX 2,8/50/Canon EF 2,8/24-70
Grenzauflösung ISO 100/ 400/ 800/ 1600 1469/1451/1403/1330 LP/BH
Punkte Grenzauflösung (max. 20 Punkte) 10,5/10,5/10/9,5 Punkte
Texturverlust ISO 100 1,1/1,3/0,9/0,8
Punkte Texturverlust (max. 15 Punkte) 11/10,5/12/12 Punkte
Rauschen ISO 100/400/800/1600 0,7/1,0/1,2/1,5 V/N
Punkte Rauschen (max. 20 Punkte) 18/16,5/15,5/14 Punkte
Objektkontrast ISO 100/400/800/1600 9,5/9,5/9,5/9,0 Blenden
Punkte Objektkontrast (max. 10 Punkte) 8/8/8/7 Punkte
Farbgenauigkeit (max. 6 Punkte) 6,9 DeltaE 5 Punkte
Weißabgleich Tageslicht (max. 4 Punkte) 1 DeltaRGB 4 Punkte
Pixelfehler (Abwertung ab 0,001% bis 1,5 Punkte) 0 Pixel
Blitz (Leitzahl) LZ 9
Bildqualität ISO 100 / 400 / 800 / 1600 (max. 75 Punkte) 56,5/54,5/54,5/51,5 Punkte
Bedienung/Performance  
mögliche Bildserie bei max. Auflösung 7,5 B/s, bis Karte voll
Einschaltverzögerung 0,3 Sekunden
AF Zeit + Auslöseverzögerung bei 3000/30 Lux(max. 10 Punkte) 0,44/0,33 Sekunden 6 Punkte
Ausstattung/Lieferumfang (max. 15 Punkte) 11,5 Punkte
Ausstattung/Performance (max. 25 Punkte) 17,5 Punkte
Gesamtpunktzahl (max. 100 Punkte) 72 Punkte
17,5 % über Durchschnitt

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