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Test Canon EOS 600D im Test

Die beiden neuen Canon EOS-600D und Nikon D5100 haben das Zeug, eine führende Rolle in der Consumerklasse unter 1000 Euro einzunehmen: Beide sind gut ausgestattete Modelle mit 18 bzw. 16 Megapixeln, Schwenkmonitor und Full-HD-Video.

Canon EOS 600D

Hersteller
Canon
UVP
600.00 €
Wertung
48.5 Punkte
Testverfahren
1.6
Auszeichnung
Kauftipp Preis/Leistung ColorFoto 5/2011

Rund 850 Euro muss man für die EOS 600D mit 18–55-mm-Objektiv inklusive Bildstabilisator anlegen, 50 Euro mehr als für die Nikon D5100. Die 600D ersetzt keine andere Canon-Kamera, sondern erweitert das System und ist nun die vierte mit 18-Megapixel-Sensor.

Die Canon EOS 600D ist mit einem höher auflösenden Schwenkmonitor über der 550D positioniert, dem günstigsten 18-Megapixel-Modell, aber unter der 60D . Die bietet den kontrastreicheren Prismensucher und ein spritzwassergeschütztes Gehäuse. Topmodell der 18-Megapixelserie bleibt die se­miprofessionelle 7D mit 100-%-Sucher, zweitem Statusdisplay und Magnesiumgehäuse.

Gehäuse und Monitor

Beide Kameras sind Vertreter der SLR-Kompaktklasse und besitzen ordentlich verarbeitete, griffstabile Kunststoffgehäuse, deren Finish im Fall der Nikon etwas schöner (weil an Magnesium erinnernd) ist. Handgriff und Kontaktfläche des Daumens sind griffig beschichtet; die Canon liegt etwas besser in der Hand, weil das Gehäuse größer ist und der Daumen noch mehr Halt findet.

Anders als bei der D5000 schwenkt man den Monitor beim Ausklappen nicht nach un­ten, sondern nach links um maximal 180 Grad. Zudem lässt sich der Monitor um 270 Grad drehen, so dass auch Selbstporträts mit Sichtkontrolle möglich sind. Die gleiche Konstruktion findet sich bei der Canon EOS 600D. Deren Monitor ist mit 3 Zoll gleich groß und setzt mit einer Auflösung von 347.000 RGB-Pixeln noch ein kleines Stück an Qualität drauf. Gleichstand dagegen beim optischen Sucher mit 95 Prozent Bildfeldabdeckung und einer effektiven Vergrößerung um 0,5x.

Egal, ob man eine helle oder dunkle Bildschirmfarbe wählt: Die Monitoranzeige der EOS 600D ist von bestechender Klarheit. © canon
Egal, ob man eine helle oder dunkle Bildschirmfarbe wählt: Die Monitoranzeige der EOS 600D ist von bestechender Klarheit.

Einen eingebauten Infrarotempfänger für Fern­auslöser besitzen beide Modelle, die Nikon sogar in doppelter Ausführung vorne am Handgriff und hinten am Gehäuse neben der Menü-Taste; diese Anordnung soll für optimalen Empfang sorgen, unabhängig davon, ob man beim Auslösen nun vor oder hinter der Kamera steht.

Belichtung und Autofokus

Eine ordentliche Auswahl an Belichtungspro­grammen ist bei SLR-Kameras der Consumer­klasse obligatorisch. Neben den Standards wie Vollautomatik, Programm-, Zeit-, und Blendenautomatik sowie manueller Zeit-/Blendensteuerung findet sich eine Auswahl an typischen Motivprogrammen, bei Canon erweitert durch A-DEP (Spezialprogramm für maximale Schärfentiefe), Videomodus und CA, eine modifizierte Vollautomatik.

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Eine be­sonders große Auswahl an Motivprogrammen (5) bzw. Scenes (11) bietet die Nikon, zu­dem Effektprogramme wie High Key, Low Key, Silhouette, Selektive Farbe, Miniatureffekt, Farbzeichnung und Nachtsicht (Schwarz­weiß mit maximaler ISO-Einstellung).

Zur Belichtungsmessung stellt die EOS 600D vier Methoden bereit: Matrix, mittenbetont, selektiv (Suchermitte, ca. 9 % des Gesichtsfelds) und Spot (Suchermitte, ca. 4 % des Gesichtsfelds). Die Nikon bietet drei Methoden: Matrix, mittenbetont (75 % Gewichtung auf das mittlere Messfeld) und Spotmessung (2,5 % Bildfeldabdeckung in der Mitte des gewählten AF-Felds).

Beim Autofokussystem spielt sich die D5100 mit 11 AF-Punkten gegenüber 9 bei der EOS 600D einen leichten Vorteil heraus; beide ver­­fügen aber nur über einen zentralen Kreuzsensor.

Bei der Auslöseverzögerung mit AF-Zeit ist die Canon besser, 0,29/0,30 s gegenüber 0,42/0,59 s bei 1000/30 Lux – eine Ten­­denz, die sich wie ein roter Faden durch Vergleichstests zieht. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Nikon noch etwas mehr an dieser Schraube dreht.

Neu bei Canon sind die aufpoppenden Hilfstexte, die allerdings das Navigieren im Quick-Info-Menü etwas erschweren. Man kann sie aber abschalten. © canon
Neu bei Canon sind die aufpoppenden Hilfstexte, die allerdings das Navigieren im Quick-Info-Menü etwas erschweren. Man kann sie aber abschalten.

Live-View und Video

Beide Kameras bieten die Möglichkeit, den TFT-Monitor auch als Motivsucher zu verwenden (Live-View). Zum Aktivieren der Live-View-Funktion findet sich bei der EOS recht neben dem Suchereinblick eine kleine Taste, bei der Nikon ein Schnapphebel in Nähe des Auslösers.

Bei der EOS kann man neben Aufnahmedaten und Gitternetz (2 Typen) auch ein Live-Histogramm einblenden, was man bei der D5100 vermisst. Nur in Verbindung mit dem Live-Modus bietet die D5100 eine Motivautomatik, bei der die Kamera selbstständig zwischen verschiedenen Belich­tungsprogrammen wählt.

Die Effektprogram­me der D5100 können auch beim Filmen eingesetzt werden; vor allem „Miniaturwelt“ (mit Zeitraffer) und selektive Farbe führen dabei zu interessanten Ergebnissen. Zur automatischen Fokussierung im Live-View lässt die Canon dem Anwender die Wahl zwischen Phasen-AF mit Dunkelphase und Kontrast-AF, auch mit Gesichtserkennung (Porträt-AF). Die D5100 begnügt sich zwar mit Kontrast- bzw. Porträt-AF, da dieser aber deutlich schnel­ler arbeitet als bei der 600D, ist daran nichts auszusetzen. Eine Bildschirmlupe zum manuellen Fokussieren bieten beide Modelle.

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Beide erlauben das Filmen in Full-HD-Qualität (1920 x 1080 Pixel) mit maximal 30 Bildern pro Sekunde. Während man bei der Canon jedoch gezwungen ist, durch Druck auf den Auslöser nachzufokussieren, lässt sich die D5100 beim Filmen auf kontinuierlichen Autofokus schalten (dafür wird im Live-Modus die Einstellung AF-F gewählt).

Den Filmmodus muss man bei der Canon zuerst umständlich am Programmrad vorwählen, um dann mit der Rec-Taste (= Live-View-Taste) den Film zu starten. Bei der D5100 startet man den Film einfach aus dem Live-View-Modus heraus, was praktischer ist. Elementare Filmschnittfunktionen und Einzelbildspeicherung aus Filmsequenzen bieten beide Modelle.

Um die Tonqualität zu verbessern, erlauben 600D und D5100 den Anschluss eines externen Mikrofons. Die Eingangsempfindlichkeit kann bei der Nikon in drei Stufen variiert werden; die Canon erlaubt zudem das manuelle Aussteuern der Aufnahme alternativ zur Pegelautomatik. Der Aufnahmepegel wird fast über die volle Breite des Bildschirms mit 22 Segmenten für den linken und rechten Kanal angezeigt; gelb unterlegte Segmente signalisieren Spitzenpegel (Peaks). Das ist derzeit einmalig bei SLR-Kameras.

Die Möglichkeit, den Aufnahmepegel bei Filmaufnahmen manuell einzustellen, ist zu begrüßen. Die Anzeige ist mit 22 Segmenten gut aufgelöst, Peaks werden gelb angezeigt. © canon
Die Möglichkeit, den Aufnahmepegel bei Filmaufnahmen manuell einzustellen, ist zu begrüßen. Die Anzeige ist mit 22 Segmenten gut aufgelöst, Peaks werden gelb angezeigt.

Bedienkonzept

Wie in der SLR-Consumerklasse üblich, deckt der TFT-Monitor als Anzeigeinstrument alle Phasen der Aufnahme und Bildwiedergabe ab. Bei vergleichbarer Wiedergabequalität be­sticht die EOS-Anzeige durch besondere Klarheit und Übersichtlichkeit. Das gilt auch für die Menüstruktur mit acht horizontal angeordneten Karteireitern und maximal sieben Einträgen pro Seite, die man ohne Scrollen ablesen kann.

Über die Funktionsfelder des Quick-Info-Monitors kann man Werte oder Einstellungen direkt mittels Dreh­rad verändern oder das betreffende Untermenü auf­rufen. Letzteres ist auch bei der Nikon D5100 möglich, den direkten Zugriff per Drehrad aber vermisst man. Dafür lässt sich die Anzeige bei der D5100 besser ablesen, wenn man ins Hochformat wechselt, weil die Darstellung entsprechend angepasst wird; die Canon tut dies nicht.

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Während die Nikon – im Gegensatz zu ihren semiprofessionellen Schwestermodellen – spartanisch mit Bedientasten bestückt ist, hat die EOS 600D eine reiche Auswahl davon zu bieten. Direkte Zugriffe per Tastendruck hat man etwa auf ISO-Einstellung, Weißabgleich, Autofokus-Betriebsart, Bildstil (6 Presets, 3 be­nutzerdefinierte Varianten) und Betriebsart (Einzel-und Serienbild, Selbstauslöser bzw. Fernsteuerung). Auch den Tasten des 4-Wege-Schalters sind dafür im Aufnahmemodus Funk­tionen zugeordnet. Insgesamt erhält man mit der EOS das flexiblere Bedienkonzept.

 Im grafischen Weißabgleichsmenü lässt sich unter anderem auch die Spreizung für das WB-Bracketing (drei weiße Rechtecke) einstellen. © canon
Im grafischen Weißabgleichsmenü lässt sich unter anderem auch die Spreizung für das WB-Bracketing (drei weiße Rechtecke) einstellen.

Bildqualität

Bei der Bildqualität nach Punkten liegen beide Kameras auf vergleichbarem Niveau, wenn man den Durchschnitt über sämtliche ISO-Ein­stellungen errechnet. Bei näherem Hin­sehen zeigt sich, dass die EOS bis ISO 1600 vorne liegt, ab ISO 3200 die Führung aber an die Nikon abgibt.

Die Dead-Leaves-Messung bestä­tigt diese Tendenz. Die DL-Messung erfolgt auf farbigen Strukturen und ergänzt die Kurtosismessung. In beiden Fällen geht es um den Erhalt der Feinzeichnung – gut ist ein hoher DL- und ein niedriger Kurtosis-Wert (Details auf Seite 44). Zu den markanten Unterschieden gehört etwa die um mehr als 200 LP/BH höhere Auflösung der EOS 600D bei ISO 800/ 1600. Interessant auch der Anstieg der Kurtosis (Texturverlust) bei der Canon zwischen ISO 1600 und 6400 (von 1,0 auf 1,9) oder das erhöhte Rauschen bei ISO 6400 (VN 2,3) im Vergleich zur Nikon (VN 1,7).

Der sehr geringe Kurtosiswert der Canon bei ISO 12800 steht nicht für eine besonders gute Textur, sondern für ein so wei­­ches Bild, dass die Kurtosis-Messung nicht mehr sinnvoll einsetzbar ist. Genau an dieser Stelle gibt der niedrige DL-Wert den entschei­denden Hinweis auf die Interpretation des Kurtosis-Werts. Durchgän­gig bietet die Nikon D5100 leichte Vorteile bei der Dynamik.

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Der Topwert von 12 Blenden bei ISO 100 ist aber nur mit einem höheren als dem gemessenen Rauschen realisierbar: Die Dyna­mikmessung entsprechend der ISO-Standards er­fasst die maximale Dynamik bei potentiell aufgehellten Schatten. Eine derartige Schatten­aufhellung erhöht das Rauschen, doch ist es in manchen Situationen gut, noch Reserven zu haben. Da damit unsere Dynamikmessung grundsätzlich das gesamte Dynamikpotential erfasst, schalten wir die automatische Schattenaufhellung bei Nikon-Kameras aus, da dies Nachteile beim Rauschen, aber keinen noch besseren Dynamikwert bringt.

Ebenfalls aufschlussreich ist ein Vergleich mit den internen Schwestermodellen: In beiden Fällen punkten die Neulinge mit offensichtlich kontinuierlich verbesserter Firm­ware gegenüber den älteren Modellen mit gleichem Sensor (Canons 18-Megapixel-Serie, Nikon D7000).

Fazit

Die beiden Neuen von Canon und Nikon haben das Zeug, eine führende Rolle in der Consumerklasse unter 1.000 Euro einzunehmen. Dabei erfährt die D5100 noch immer starke Konkurrenz aus dem eigenen Hause mit der D90, die noch etwa ein Jahr lang auf dem Markt bleiben soll.

Dies gilt für die Bildqualität und die Gehäuseverarbeitung, nicht allerdings für die technische Ausstattung. In diesem Punkt sind EOS 600D und Nikon D5100 einfach eine Generation weiter – vor allem durch den Schwenk­monitor und Full-HD-Video mit AF-Unterstützung (kontinuierlich nur bei der D5100).

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Der Käufer hat die Qual der Wahl: Etwas mehr Bildqualität bis ISO 1600 (600D) oder bessere Ergebnisse in höheren ISO-Regionen (D5100). Angesichts des minimalen Unterschieds erhalten beide Modelle einen Kauftipp Preis/Leistung.

Alle Daten und Testergebnisse zum Canon EOS 600D

 
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