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Testbericht Canon 550D vs. Nikon D90 - 18 gegen 12

18 Megapixel und Full-HD Videoaufzeichnung (1080 p) sind die Argumente der Canon EOS 550D gegen eine der am besten abgestimmten Kameras des Marktes: Nikon D90 mit 12 Megapixel – beide um 750 Euro.

Canon EOS 550D

Hersteller
Canon
UVP
550.00 €
Wertung
46.5 Punkte
Testverfahren
1.6
Auszeichnung
Kauftipp Video ColorFoto 5/2010

Canon dreht an der Megapixel-Schraube: Das neue Topmodell der Einsteigerlinie er­hält den modifizierten 18-Megapixel-CMOS des Mittelklassemodells EOS 7D im überarbeiteten Gehäuse der EOS 500D. Nikon geht mit der Linie D5000/D90/D300s einen ähnlichen Weg und setzt seinen 12-Megapixel-Sensor gleich in drei Gehäusen ein. Zum Vergleich tritt von Nikon die D90 als Top-Modell der Einsteigerlinie an mit einem ebenfalls aus der höheren Klasse abgeleiteten Sensor.

346 666 Pixel Auflösung bietet der  3 Zoll große Live-View-Monitor. Das  Konzept erinnert an die EOS 500D, die teils vergrößerten Tasten erleichtern die Be-dienung. Neu: Die Quick-Taste für Schnellzugriff auf primäre Einstellungen.
346 666 Pixel Auflösung bietet der 3 Zoll große Live-View-Monitor. Das Konzept erinnert an die EOS 500D, die teils vergrößerten Tasten erleichtern die Be-dienung. Neu: Die Quick-Taste für Schnellzugriff auf primäre Einstellungen.

Ein Blick auf die technischen Details der 550D offenbart viele Details, die man aus der 500D kennt: bei der Ausstattung etwa das 9-Feld-Autofokusmodul, ein 3-Zoll-TFT-Monitor, Live-View-Funktion und Full-HD-Videoaufzeichnung, bei der Bedienung das große Programmwahlrad  rechts, die Vierrichtungswippe, aber auch der Verzicht auf den zweiten Monitor. Zu den Standards gehören halb- und voll- manuelle Belichtungssteuerung, Fern­steu­e­rung vom Rechner, Abblendfunktion zur Schär­fentiefevorschau und Sensorreinigungs­funktion. Features der Canon 7D sind dagegen das neue iFLC-Belichtungsmesssystem mit Farbanalyse und der verbesserte Videomodus mit 30 statt 20 B/s bei voller 1920 x 1080er-Auflösung. Da kann die Nikon D90, immerhin die erste SLR mit Video, nicht mehr mithalten: 1280 x 720 Bildpunkte bei 24 Bildern pro Sekunden im AVI-Format ist halt nur die Hälfte. Doch punktet die Nikon mit zwei statt einem Einstellrad, dem größeren Sucher und einem Zusatzdisplay oben, das über aufnahmerelevante Daten informiert. Canon besitzt dagegen eine HDR-Funktion für besonders kontrastreiche Motive.

Gehäuse und Bedienung Äußerlich sieht die neue 550D der 500D zum Verwechseln ähnlich: Ganz wie von einer Canon-Kamera der Einstiegsklasse gewohnt, ist sie aus schwarzem Glasfaser-Kunststoff. Die Abmessungen wurden exakt beibehalten, womit die 550D insgesamt kompakter, vor allem aber um knapp 200 g leichter ist als die Nikon D90. Auch diese ist in Kunststoff gefertigt, vermittelt in puncto Solidität und Haptik aber das wertigere Gefühl.

Dem einfachen Bedienkonzept der 500D bleibt die 550D treu: Das übersichtliche Menü kennt man vom Vorgänger, Bedienelemente und Knöpfe befinden sich an den bekannten Stellen. Mit teils vergrößerten Tasten an der 550D ist Canon nun dem Wunsch vieler Fotografen gefolgt. Als sehr vorteilhaft erweisen sich die verschiedenen Direktzugriffe auf häufig gebrauchte Einstellungen. So sind die Tasten des 4-Wege-Schalters im Aufnahmemodus auf die wichtigsten Einstellmenüs konfiguriert. Praktisch ist ferner die neue Quick-Control-Taste rechts neben dem Display, die auf häufig genutzte Funktionen zugreift. Auch Nikon setzt auf Direktzugriffs-tasten für alle wichtigen Funktionen, ob ISO-Einstellung, Belichtungskorrektur oder Weiß­abgleich. Zudem kann der Geübte manche Funktion wie AF-Messfeldsteuerung und Belichtungsmethode mit dem zweiten Einstellrad schneller korrigieren. Ob Canon- oder Nikon-Menü bleibt Geschmackssache, aber wegen einiger eher professioneller Features wie zweitem Rad und Zusatzmonitor entscheidet die Nikon dieses Kapitel knapp für sich.

Monitor und SucherBeide Kameras sind mit einem 3-Zoll-Monitor mit Live-View ausgestattet, doch löst der Canon-Monitor gut 10 Prozent höher auf. Allerdings bietet keiner der Testkandidaten einen Schwenkmonitor. Beim Sucher hat dann die Nikon ihre Nase vorn mit einer effektiven Suchervergrößerung von 0,6 statt 0,52 und einem einblendbaren Gitter – und so geht auch dieses Kapitel an Nikon.

BelichtungsmessungNeben der 7D ist die 550D die zweite Canon-Kamera mit neuem iFCL-AE-Messsystem (intelligent Focus Colour Luminance): Ein Dual-Layer-Sensor analysiert Schärfe, Farbe und Helligkeit des Motivs in 63 Zonen, um so eine möglichst präzise und gleichmäßi­ge Belichtung sicherzustellen. Den ISO-Be­reich kann man von ISO 100 bis – wie auch bei der D90 –  ISO 6400, im erweiterten Modus aber sogar bis 12 800 einstellen, bei der D90 ist bei ISO 6400 Schluss. Zudem lässt sich nun auch bei der 550D in der Auto-Einstellung ein maximaler ISO-Wert festlegen.

Bei der Belichtungsmessung ist die D90 der 550D ebenbürtig. Zur Wahl stehen Matrix-, mittenbetonte und Spotmessung (Suchermit­te, ca. 4 % des Gesichtsfelds). Canon bietet zudem eine „selektive Messung" (Suchermit­te, ca. 9 % des Gesichtsfelds). Die Feinabstimmung der Belichtungsmes­sung be­herrscht die D90 in 1/6-Blendenstufen, die Canon in 1/2-  oder 1/3-Stufen. Die Belichtung kann bei beiden Kameras  um + 5 EV, die Blitz­belichtung um + 2 EV korrigiert werden. Als kürzeste Verschlusszeit findet man je 1/4000 s sowie 1/200 s Blitzsynchronzeit. Gleichstand.

AF-System und SerienbilderDie Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit ist bei beiden Kameras schnell, aber mit 0,31 s und 0,30 s bei 3000 Lux nicht sensationell. Zudem lässt sich der Nikon-AF bei 30 Lux Licht die doppelte Zeit und kommt auf 0,60 s, während die 550D ihr Tempo beibehält. Das AF-System der Nikon D90 arbeitet mit 11 AF-Sensoren, darunter ein Kreuzsensor. Die Canon kommt mit neun Messsensoren und einem mittig sitzenden Kreuzsensor aus, der bis F2,8 arbeitet. Trotz sehr guter Werte der Canon bei der Bildfolgezeit (im Test 3,4  Bilder/s) und der geringen Einschaltverzögerung von nur 0,4 s ist die Nikon hier mit nur 0,2 s Startup und 4,4 Bildern/s vorn – insgesamt  Vorsprung Canon.

Video in Full-HD mit Stereo-TonInzwischen gehört eine Videofunktion zum SLR-Standard. Bei der Nikon D90 war dieses Feature vor anderthalb Jahren noch ein Novum. Canon hat nun viele Videofunktionen direkt von der 7D übernommen: Gefilmt wird im Full-HD, die Belichtung ist dabei manuell einstellbar (Zeit, Blende, ISO). Die 550D zeichnet Bilder mit maximal 1920 x 1080 Pixeln (Full-HD) im .mov-Format mit 30 Bildern/s auf, während die Nikon D90 nur 1280 x 720 Pixel (HD) im .avi-Format mit 24 Bildern/s schafft. Zudem bietet nur die Canon AF-Unterstützung im Videomodus: Man kann während der Aufzeichnung durch Drücken der AE-Speichertaste nachfokussieren. Allerdings ruckelt der AF-Motor so stark, dass er den Port unbrauchbar macht. Zudem sollte man ein externes Mikrofon benutzen – ein Stereomikrofonanschluss existiert – sonst werden die AF-Geräusche über das interne Mikrofon mit aufgenommen. Nikon bietet dagegen nur Mono-Ton, und auch die HDMI-Schnittstelle findet der Fotograf nur bei Canon. Das Videokapitel entscheidet Canon damit klar für sich.

BildqualitätWas bringen 18 gegen 12 Megapixel? Bei der Grenzauflösung liegt die Canon deutlich vorn mit 1540 LP/BH, die bis ISO 1600 um 100 LP/BH abfallen. Der Abfall beträgt auch bei Nikon 100 LP/BH, allerdings geht es erst bei 1215 LP/BH los. Wahre Traumwerte erreicht die Nikon in puncto Texturverlust: konstant 0,1 bis  ISO 1600. Im Vergleich greift der Ca­non-Rauschfilter etwas stärker ein, was meist zum Nachteil besonders feiner Details ist. Beim Rauschen, hat dann die Nikon mit ihren größeren Pixeln bei ISO 1600 die Nase vorn: Nikon 1,1 gegen Canon 1,4 VN. Unterm Strich holen beide Modelle bis ISO 800 annähernd die gleiche Punktzahl, doch bei ISO 1600 liegt die Nikon 2,5 Punkte vorn – eine Nasenlänge Vorsprung für den Underdog.

Fazit: Mit der neuen EOS 550D offeriert Canon ein technisch attraktives Einsteigermodell, das für 750 Euro eine Top-Ausstattung plus höchste Auflösung von 18 Megapixeln bietet. Wen knappe 200 Gramm mehr an Gewicht nicht stören, der bekommt mit der Nikon D90 das etwas solidere Gehäuse plus professionellerem Bedienkonzept. Im Vergleich gewinnt die Nikon drei Kapitel und die  Canon zwei. Vom Videokapitel abgesehen, das Canon mit Full-HD klar gewinnt, sind alle anderen Entscheidungen jedoch sehr knapp. Überraschend: Trotz 18 gegen 12 Megapixel kann die Canon das Kapitel Bildqualität nicht dominieren. In der Schlussrechnung steht bei Nikon ein Pünktchen mehr als bei Canon, und damit bekommen beide einen Kauftipp: Nikon für die Bildqualität bei hohen Empfindlichkeiten, Canon für die Videofunktion.



Alle Daten und Testergebnisse zum Canon EOS 550D

 
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