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Systemkameras Canon 5D Mark II im RAW-Test

Wer liefert das bessere Bild? Im RAW-Test messen sich Canon 5D Mark II, Nikon D700 und das neue Flagschiff von Sigma - SD1.

Canon EOS 5D Mark II RAW

Hersteller
Canon
UVP
1900.00 €
Wertung
60.5 Punkte
Testverfahren
1.6
Auszeichnung
Testsieger ColorFoto 10/2011

Canon 5D Mark II
  • +Hochwertige Verarbeitung
  • +High-Definition-Videoauflösung
  • +Live-View-3-Zoll-Monitor

Die Sigma SD1 kostet 7400 Euro, und als Gegenwert erhält der Fotograf einen neu entwickelten Foveon-Sensor mit verdreifachter Auflösung: Foveon hat die Fläche des Sensors zudem auf das APS-C-Format vergößert und bringt nun auf den drei Schichten je 15 Millionen blaue, rote und grüne Pixel unter. Als Konkurrenzmodelle treten die beiden Vollformater Canon EOS 5D Mark II mit 21 Millionen Pixel und die Nikon D700 mit 12 Millionen Pixel an. Canon und Nikon setzen auf konventionelle Einschichtsensoren, bei denen die Hälfte der Pixel grünempfindlich sind und je ein Viertel hinter blauen oder roten Mikrofiltern sitzt.

Die fehlenden Farbwerte müssen die Kameras hinzu interpolieren, was die (Farb)-Auflösung drückt. Zwar sind die beiden Konkurrenzmodelle mit Preisen um 2000 Euro deutlich günstiger als die Sigma, doch ein Vergleich mit im Preis ähnlichen Mittelformatkameras hätte zu einem Vergleichstest mit sehr unterschiedlichen Sensorflächen geführt. Hinzu kommt, dass die Sigma bei variabler Schärfentie­fe konzeptbedingt (kleinere Sensorfläche) nicht mit dem Mittelformat konkurrieren kann.

Ausstattung

Allen drei Modellen gemeinsam ist die hochwertige Verarbeitung mit Magnesiumgehäuse. Auch sind alle drei gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Das sind gute Gründe, für Vielfotografierer, sich immer wieder gerne für die teurere Oberklasse zu entscheiden. Bei Canons Bestseller 5D Mk II kommt noch ein Grund hinzu: Sie avancierte im letzten Jahr zum Liebling der Video­filmer. Dazu hat sie volle High-Definition-Videoauflösung und den großen Live-View-3-Zoll-Monitor zur Bildbetrachtung bei der Aufnahme im Gepäck.

Allein der SD1 fehlt trotz 3-Zoll-Breitformat-Display die Live-View-Funktion. Als Sucher dient ausschließlich der optische Sucher. Das scheint zum Konzept des Sigma-Neuzugangs zu gehören. Die SD1 ist eine klassische, analog anmutende Kamera, die sich Mode-Features konsequent verweigert, allenfalls der Bildqualität förderliche Hilfsmittel zulässt, wie Histogramm und Überbelichtungswarnung bei der Wiedergabe, oder etwa die Voreinstellung von Kontrast, Schärfe oder Farbsättigung.

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Kurz vor Redeaktionsschluss hat Sigma zudem ein wichtiges Update noch für dieses Jahr angekündigt. Die Kamera erhält mit dem Update eine Remote-Camera-Control-Funktion. Studiofotografen können so vom PC aus arbeiten, die Sigma auslösen und erhalten die Bilder direkt in den Rechner, was die Einsatzmöglichkeiten der SD1 deutlich erweitert.

Bedienung

Klassisch funktioniert das Fotografieren mit der Sigma für alle, die es können: Modusring auf manuell stellen, am vorderen Drehring Blende einstellen, am oberen Rad die Zeit dazu, auslösen – fertig. Für Empfindlichkeit (ISO) und Belichtungsmessung gibt es eigene Knöpfe. Man kann auch Blende oder Zeit vorwählen oder die Voll-Programmautomatik bemühen, für die der Blenden-Arbeitspunkt einstellbar ist. Alles wie früher, da gibt es kein Vertun. Schade nur, dass das obere LC-Display fehlt, auf dem man bei Canon und Nikon auch ohne Blick durch den Sucher gleich die Einstellwerte kontrollieren kann. Und den Knopf für den Weißabgleich haben die Analogdesign-Puristen von Sigma ebenfalls vergessen. Für dessen Justage muss der Monitor bemüht werden.

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Während die Kollegen von Canon und Nikon sehr eindeutige Wege beschreiten, hat Sigma die Schnellzugriffe etwas doppelt gemoppelt. Es gibt ein schnelles Einstellmenü unter der Func-Taste und ein weiteres unter der QS-(Quickstart)-Taste mit je vier Funktionen auf zwei Ebenen. Gewöhnungsbedürftig ist auch ein anderer Aspekt: Wer etwa die ISO-Einstellung per QS wechseln will, kann nicht von ISO 400 auf ISO 100 zurückschalten, sondern muss die ISO-Werte bis zum Maximum durchblättern, um dann wieder unten bei niedrigen Stufen zu landen. Bei einer Korrektur über die ISO-Taste gibt es diese Einschränkung nicht.

Insgesamt bietet Sigma über Tasten sechs Direktzugriffe plus QS und Func, bei Canon sind es neun und bei Nikon acht. Hinzu kommen zwei Drehräder bei Canon inklusive dem waagerechten plus dem Joystick, zwei bei Nikon plus Wippe und ebenfalls zwei plus Wippe bei Sigma. Unter dem Strich bieten die Vollformater nicht mehr Zugriffe, doch sind deren Einstellmöglichkeiten schneller und intuitiver zu bedienen.

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Grundsätzlich setzt Sigma bei der Bedienung auf Verständlichkeit, doch bleiben
einige Umständlichkeiten in der Ausführung. Für die Belichtungsreihe (Bracketing) gibt es beispielsweise eine eigene Rasterstellung am Modusrad (AB) – nicht etwa in Menüs wie bei der Konkurrenz. Das ist klar verständlich. Die Ausführung ist dann eher umständlich: Es wird dreimal ausgelöst, wobei die Kamera jeweils ein Foto mit dem voreingestellten Belichtungsunterschied schießt. Egal, welchen Modus man danach am Rad einstellt, ob Serienbild, Selbstaus­löser oder Spiegelvorauslösung, die AB-Funktion bleibt erhalten, bis das Bracketing wieder manuell auf 0 gesetzt wird.   

Handhabung

Die SD1 ist  leichter als die Vollformater und schmiegt sich perfekt in die Hand. Sie hält sich wesentlich besser als die D700 mit ihrer etwas zu kleinen Griffausbuchtung. Die Drehknöpfe für Daumen und Zeigefinger sind bei der Nikon allerdings hervorragend verarbeitet, bei der SD1 dagegen zu klein und schwergängig. Canon belegt mit seiner Lösung eines großen Drehrads in der Aufnahme-Praktikabilität einen Mittelplatz. Da­­für ist das große Rad bei der Wiedergabesteuerung sehr hilfreich.

Ein Ärgernis ist bei der Nikon die weiche, unpräzise Vierrichtungswippe zur Menü­einstellung. Da ist die Sigma-Lösung mit den vier Einzeltasten um die OK-Taste deutlich sicherer. Vorbildlich, der kleine Joystick an der Canon.

Auf Schnappschüsse braucht der Sigma­-Fotograf nicht zu hoffen. Die Auslösebereitschaft wird erst nach mehreren Sekunden hergestellt – im Zweifelsfall also besser eingeschaltet lassen.

Einen Bildstabilisator bringt keine der drei Kameras mit, die Beruhigung überlassen sie entsprechend ausgestatteten Objektiven, auch der Sensorreiniger fehlt bei Sigma. Braucht sie auch nicht, der Foveon-Sensor wird von einem kleinen Glas-Scheibchen geschützt. Dieses kann zu Reinigungszwecken leicht getauscht werden. Ohne Pinzette gelang es uns freilich nicht, es ohne Fingerabdruck­­spuren erneut zu positionieren. Der potente Blitz in der Sigma mit Leitzahl 11 erfreut, dass er die Mastersteuerung für Sigma-Blitze in drei Gruppen übernimmt ebenfalls. Die Synchronzeit von 1/180 begeistert weniger, hier blitzen die Vollformater schneller.

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Sucher: Was unterscheidet eine Top-SLR von einer günstigen? Die Sensoren sind oft die gleichen, aber neben Einstellmöglichkeiten und Gehäusequalität ist der Sucher meist ein entscheidender Punkt: Ein kleines dunkles Loch im günstigen Modell; groß und hell in der Profikamera. Das klarste, und kontrastreichste Sucherbild liefert die Nikon, die Canon zaubert ein nicht ganz so brillantes, aber annähernd genauso großes Bild. Das Sucherbild der Sigma ist deutlich kleiner. Es ist jedoch für APS-C-Kameras gut gelungen und gehört in dieser APS-C-Klasse zu den besten, hat aber gegenüber den Vollformatern das Nachsehen.

AF- und Serienbildtempi: Die Serienschussfunktion der Sigma schafft sieben voll aufgelöste RAW-Bilder in 4 s. Dann muss die Kamera die enormen Datenmengen speichern. Genau wie bei Nikon und Canon, wird im Schnellgang zudem nicht nachfokussiert. Bei RAW-Serien kommt  die mit ähnlichem Tempo arbeitende Canon nach 14 Bildern ins Straucheln und braucht eine Pause zum Speichern. Nikon schafft deutlich längere und etwas schnellere Serien mit gut 5 Bildern /s. Bei ihr kommt man auch beim schnellen Nachschießen weiterer Serien kaum an speicherbedingte Grenzen. Allerdings sind auch die Datenmengen der Nikon die kleinsten.

Im Fall der Sigma ist die Speicherpause allerdings wesentlich störender als bei den Vollformatern: Eine blinkende rote LED zeigt, dass die Compact-Flash-Karte noch rund 20 s nach der Serie mit Speichern beschäftigt ist. Währenddessen ist zwar erneutes Auslösen möglich, aber nur einzelbildweise mit langsamer Frequenz. Nikon oder Canon kennen derartige Einschränkungen bei ihrer RAW-Serienfunktion nicht.

Zudem braucht die SD1 um die 4 s  bis ein RAW nach der Aufnahme auf dem Display erscheint und auf Schärfe kontrolliert werden kann. Ein weiteres Problem der Sigma ist ihr zu langsamer Autofokus, der sie in der Endabrechnung wertvolle Punkte kostet.

Bildqualität

Alle Testergebnisse basieren auf RAW-Bildern, da bei Sigmas Foveon-Sensor die Differenz der von der Kamera erzeugten JPEG-Bildern zu den am Rechner aus dem RAWs gerechneten TIFFs besonders groß ist. Im Fall von Canon und Nikon haben wir die RAW-Bilder mit Adobe Lightroom in TIFFs konvertiert und dann ausgewertet. Bei Sigma geht das nicht. Hier mussten wir auf den von uns bevorzugten einheitlichen Prozess verzichten und Sigmas eigenen RAW-Konverter einsetzen.Dieses Pro Photo ist jedoch ein vergleichsweise einfacher Konverter, der die RAW-Dateien in TIFF wandelt und nicht die Möglichkeiten von Lightroom bietet.

Bei der Auflösung erreichen Canon und Sigma den theoretischen Maximalwert entsprechend der Pixelzahl des jeweiligen Sensors. Die Nikon bleibt etwas drunter und hat zudem eh die geringste Nennauflösung. Trotz der sehr unterschiedlichen Pixelmaße kommen alle drei auf ähnliche Rausch­werte, bis die Sigma ab ISO 1600 etwas zurückfällt. Eine Domäne der Nikon und ihren großen Pixeln ist die Feinzeichnung mit den besten Texturwerten. Dagegen spielt der Foveon-Sensor seinen konstruktionsbedingten Vorteil in der Wiedergabe farbiger Strukturen aus. Messtechnisch spiegeln dies die DeadLeaves-Werte. Dabei handelt es sich um eine Auflösungsmessung auf farbigen Strukturen bei 50 Prozent Grenzkontrast: Eine klassische Auflösungsmessung betrachtet den Kontrast feiner SW-Strukturen, die als aufgelöst gelten, bis der Kon­trast im Bild unter 10 % sinkt.

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Die DL-Messung korreliert dagegen stärker mit dem Kontrasteindruck, da hier farbige Bildstrukturen ausgewertet werden und die Grenze bereits bei 50 % Kontrast­abfall liegt. Ein Problem des Foveon-Sensors ist dagegen die Farbwiedergabe: So neigt der automatische Weißabgleich zu schwankenden Ergebnissen, und bei höheren Empfindlichkeiten sinkt die Farbsättigung deutlich ab beziehungsweise erscheinen Farbflecken im Bild. Der Vorteil des Foveon-Sensors liegt also nicht in einer besonders exakten Farberfassung, sondern in der wesentlich besseren Farbauflösung.

Im Vergleich liefern Canon und Nikon über den gemessenen Empfindlichkeitsbereich ein relativ gleichmäßiges und nur langsam abfallendes Ergebnis. Das erleichtert die Nutzung höherer Empfindlichkeiten und die Kombination von Bildern, die  in einer Serie mit verschiedenen ISO-Werten aufgenommen wurden. Dagegen hat die Sigma bei den niedrigeren Empfindlichkeiten die Nase klar vorn, um dann stärker abzufallen. Ab ISO 1600 ziehen Canon und Nikon an der Sigma vorbei. Hinzu kommt, dass bei Sigma der sich deutlich ändernde Bildeindruck eine Kombination von Bildern, die mit niedrigen und hohen ISO-Werten fotografiert wurden, erschwert.

Mehr lesen

Zu Canon und Nikon finden Sie JPEG-Testergebnisse auf unserer Webseite. Auch im JPEG-Vergleich punktet die Canon mit der höheren Auflösung. Allerdings kommen die Vorteile der größeren Nikon -Pixel stärker zum Tragen, was gerade bei den Texturwerten (Feinzeichnung) positiv auffällt. Ab ISO 400 herrscht deswegen Einstand in der Punktewertung, und ab ISO 3200 liegt die Nikon vorn.

Fazit

Nach Punkten gewinnt die EOS 5D Mark II den Test vor der D700. Im Vergleich zur Nikon ist die höhere Auflösung der Canon entscheidend. Doch zeigen die besseren Texturwerte der Nikon, dass auch bei RAW-Bildern die Nikon-Signalverarbeitung besonders detailschonend arbeitet – dank doppelt so großer Pixel. Bei JPEG-Bildern verschiebt sich das Ergebnis zugunsten der Nikon, die bei höhe­ren Empfindlichkeiten die Nase vorn hat. Die SD1 verliert bei Ausstattung, Verarbeitungs- sowie Autofokusgeschwindigkeit entscheidende Punkte.

Nur die Canon bietet eine Videofunktion, während Nikon bei JPEGs und Serientempo punktet. Geht es dagegen um die Bildqualität steht die Sigma mit einem Top-Ergebnis und besonders plastisch wirkenden ISO-100-Bildern auf Platz 1. Erst ab ISO 1600 verdrängen Canon und Nikon sie auf den dritten Platz. Die Sigma erhält damit den Kauftipp Bildqualität. Sie ist die richtige Wahl, wenn hohe Empfindlichkeiten und Tempo keine Rolle spielen.

Alle Daten und Testergebnisse zum Canon EOS 5D Mark II RAW

 
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