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ColorFoto


Horst Gottfried

4. März 2008
Ratgeber: Weißabgleich Bild vergrößern 937 627 http://img3.magnus.de/Aufmacher-Wei-abgleich-r937x627-C-2cf8a1c5-14320326.jpg
Ratgeber

Weißabgleich

Bei Sachaufnahmen fällt ein Farbstich ­unangenehm auf. Bei ­atmosphärisch stimmungsvollen Aufnahmen wie Sonnenuntergängen macht er den Reiz aus. Horst Gottfried erläutert, wie Sie mit dem Weiß­abgleich die Farb­stimmung steuern.

Licht hat viele Farben. Unsere Augen sehen zwar Helligkeitsunterschiede, Farbunterschiede des Lichts nimmt unser Gehirn aber meist gar nicht wahr. Es ist programmiert darauf, Weiß immer als Weiß zu sehen, egal, ob wir ein Buch am hellen Strand, im Schein der Sofaleuchte oder im kalten Leuchtstoffröhrenlicht ei­nes Warteraumes lesen. Wer aber mit Farbfilm unter solch wech­seln­den Bedingungen fotogra­fiert, erhält unterschiedlich farbstichige Bilder. Dieses Problem tritt bei Digitalkameras deutlich seltener auf als bei Analog-Kameras, denn der automatische Weißabgleich in Di­gitalkameras erledigt das, was beim Menschen das Gehirn macht. Er sorgt für eine neutrale, „richtige" Farbwiedergabe unter wechselnden Lichtquellen – zumindest theoretisch. Gemessen wird die Grundlage des Weißabgleichs, die Farbtemperatur in „K" = Kelvin auf dem Sensor. Dabei wird gewöhnlich nur der gewählte Motivausschnitt erfasst. Das kann bei monochromen Motiven zu Fehlergebnissen führen. Mit Motiverkennung steuern die Firmen gegen. Zusätzlich sind einige SLR-Kameras wie die neue Olympus E-3 mit einem separaten Sen­sor ausgestattet, der den Charakter des Umgebungslichtes unabhängig vom Motiv misst.Aber wie in anderen Fällen auch, trifft die Automatik die richtige Wahl meist nur, wenn keine besonderen Bedingungen herrschen. Und was die Automatik für richtig hält, muss dem Fotografen nicht unbedingt gefallen. Bei Mo­ti­ven und Szenen mit ungewöhnli­chen Licht­bedingungen kann der korrek­teste Weißabgleich schnell zum Stimmungskiller werden, et­wa wenn er einen spektakulä­ren Sonnenuntergang mit seinen typischen, warmen, orange-roten Farben zum blässlich weiß-gelben Allerweltsereignis macht.

Vergleich Weißabgleich 1,2
Bild vergrößern 703 1000 http://img4.magnus.de/Vergleich-Wei-abgleich-1-2-r703x1000-C-c49906b2-19373933.jpg

Darum ist es gut, dass die meisten Digitalkameras, nicht nur die SLR-Modelle, dem Fotografen wähl- und beeinfussbare Fest-Einstellungen für den Weißabgleich bieten. Festwerte werden oft durch Symbole wie Wolken, Glühlampe oder Leuchtstoffröhre charakterisiert. Manche Kameras bieten auch Kelvin-Werte wie 2500 oder 6600 K an. Bei anderen kann der Weißabgleich über eine Art Lichwaage fein justiert werden. Hinzu kommt häufig eine manuel­le Messung auf eine Ersatzfläche.

Vergleich Weißabgleich 3,4
Bild vergrößern 701 1000 http://img4.magnus.de/Vergleich-Wei-abgleich-3-4-r701x1000-C-3b60cb17-19373936.jpg

Wo Licht ist, ist auch SchattenWer sich bei Tageslicht auf den automatischen Weißabgleich verlässt, findet besonders um die Mit­tagszeit zu kühle Farben im Schatten einer Hauswand, graue Felsen im Gebirge oder an der Küsten wirken bläulich, grüne Wie­sen oder Laubwerk nicht mehr so natürlich. Ursache dafür ist die diffuse Aufhellung der Schatten durch reflektiertes blaues Himmelslicht. Die Farbtemperatur kann dabei 10 000 K und mehr betragen, weit mehr als bei direk­tem Sonnenlicht. Wenn Ihnen die­ser Effekt störend auffällt, ist die Einstellung des Weißabgleichs auf „Schatten" (ca. 7000 - 8000 K) oder „Wolke" (ca. 6000 K) das Mittel der Wahl.

Vergleich Weißabgleich 5,6
Bild vergrößern 937 1338 http://img2.magnus.de/Vergleich-Wei-abgleich-5-6--r937x1337-C-96df7db3-19373939.jpg

Damit verschwin­det der unschön kühle Farbstich zugunsten einer freundlicheren Stimmung. Von der etwas wärme­ren Farbstimmung profitiert meist auch die Hauttonwiedergabe, bei der Einstellung auf „Schatten" noch etwas stärker ausgeprägt als bei derjenigen auf „Wolke“.

Die Festeinstellungen „Tageslicht" oder treffender „Sonnenschein" (ca. 5200 K) und Blitzlicht (ca. 5500–6000 K) werden weniger als Korrektur benötigt, sondern eher wenn es darum geht, ganze Bildserien mit unveränderter Farbtemperatureinstellung unter den entsprechenden Bedingungen zu fotografieren.

Vergleich Weißabgleich 7
Bild vergrößern 937 665 http://img3.magnus.de/Vergleich-Wei-abgleich-7-r937x664-C-67ca0471-19373942.jpg Der Vergleich am selben Motiv zeigt Unterschiede und Ähnlichkeiten der einzelnen Weißabgleichseinstellungen. In dieser unkritischen Situation liefert „Auto“ (groß) das gleiche brauchbare Ergebnis wie die Tageslicht-Festeinstellung (1) und in dem Fall auch „manuell“ (7) und ähnlich „Blitz (6). Gefälliger, da weniger kühl, lässt die „Schatten“-Option (2) das Bild wirken, während „wolkig“ (3) hier wenig Unterschied macht. „Neon“ (4) nimmt Grün raus, „Glühlicht“ (5) macht Farben blauer.

Der Vergleich am selben Motiv zeigt Unterschiede und Ähnlichkeiten der einzelnen Weißabgleichseinstellungen. In dieser unkritischen Situation liefert „Auto“ (groß) das gleiche brauchbare Ergebnis wie die Tageslicht-Festeinstellung (1) und in dem Fall auch „manuell“ (7) und ähnlich „Blitz (6). Gefälliger, da weniger kühl, lässt die „Schatten“-Option (2) das Bild wirken, während „wolkig“ (3) hier wenig Unterschied macht. „Neon“ (4) nimmt Grün raus, „Glühlicht“ (5) macht Farben blauer.

In die Kritik gerät der automati­sche Weißabgleich bei Tests oft bei Kunstlicht wegen objektiv viel zu gelb- bis rötlicher Farbwiedergabe. Die Ursache dafür liegt aber weniger in fehlerhafter Technik als vielmehr in dem begrenzten Re­gelbereich der Automatik: Canon EOS 400D: auto 3000–7000 Kelvin, manuell 2000–10 000 K; Pentax K10D: auto 4000–8000 K, manuell 2500–10 000 K.

Hinzu kommt die Annahme der Konstrukteure, dass die meisten Menschen den warmen Charakter von Kunstlichtmotiven auch im Foto wiederfinden wollen. Dementsprechend stimmen sie den automatischen Weißabgleich mehr oder weniger praxisgerecht ab. Das Ergebnis ist Geschmackssache. Wenn es Ihnen nicht gefällt, wählen Sie für den Weißabgleich die durch das Symbol „Halogenstab" dargestellte Einstellung. Da­hinter steht meist eine Abstimmung auf die ca. 3200 K von Halo­genlicht. Das Licht konventionel­ler Glühlampen mit 2800 K erscheint damit immer noch wärmer. Daher bieten viele Kameras auch noch eine se­parate Einstellung „Glühlampe" .Zu den Spezialfällen gehören Leuchtstoffröhren. Sie entziehen sich dem Raster der üblichen Farb­temperaturen, da ihr Lichtspektrum Lücken aufweist. Die Folge ist ein eigenartiger Farbstich, der ins Grünliche geht, allerdings bei verschiedenen Ty­pen der Leuchtstoffröhren unterschiedlich. Die Canon EOS 400D bietet als Gegenmittel unter dem „Neon­röh­re“-Symbol eine Fest­ein­stellung auf 4000 K, die Pentax K10D ist mit weitergehenden Un­tereinstel­lungen für D (6500 K, Tageslichtröhre), N (5000 K, Licht­röhre neu­tral-weiß) und W (4200 K, Röhre warm-weiß) noch flexibler. Praktisch dabei ist die Kontroll­möglichkeit auf dem Monitor der K10D schon vor der Aufnahme.

Weißabgleich nach MaßWer den Weißabgleich unter einer bestimmten Lichtquelle – oder bei Mischlicht auch aus verschiede­nen Quellen – für sein Motiv op­ti­mal einstellen will, findet die Möglichkeit dazu meist unter dem Symbol „Waage“. Um den Weißabgleich individuell zu definieren, visiert man dann eine weiße oder graue, farblich neutrale Fläche an, die im Foto ohne Farbstich erscheinen soll und drückt dann den Auslöser (z. B. bei der Pentax K10D). Alternativ geht man ins Menü, sucht aus den gespeicherten Fotos eines heraus, das neutral erscheinen soll und drückt die SET-Taste (etwa bei der Canon EOS 40D). Der so bestimmte Wert bleibt dann unter dem Symbol der Waage gespeichert, bis er mit der geschilderten Prozedur erneut de­finiert wird. So können Sie die op­ti­male Einstellung für Ihr Wohnzimmer mit Beleuchtung durch einen Mix aus normalen und Halogen-Glühlampen definieren und ihn jederzeit schnell abrufen. Anspruchsvolle ak­­tuelle SLR-Kameras wie Canon EOS 1Ds Mark III, Nikon D3 und Olympus E-3 erlauben das Speichern mehrerer Voreinstellun­gen.

In der digitalen Fotopraxis kann, wie bei der Belichtung, auch beim Weißabgleich eine Bildserie mit unterschiedlichen Einstellungen hilfreich sein. Dafür bieten besser ausgestattete SLRs eine entsprechende Belichtungsreihen­au­to­ma­tik. Sie belichtet, ausgehend von der automatisch als „rich­tig" erkannten oder manuell gewählten festen Weißabgleichs­einstel­lung weitere Fotos mit nied­rigerer und höherer Farbtemperatur.

Viele SLR-Modelle erlauben eine Feinabstimmung des vorgewählten Weißabgleichs. In einer Art Koordinatenkreuz lässt sich unter dem jeweiligen Menüpunkt die Farbbalance auf den Achsen Blau/Gelb bzw. Magenta/Grün in feinen Abstufungen verschieben.

Manueller Weißabgleich
Bild vergrößern 937 627 http://img3.magnus.de/Manueller-Wei-abgleich-r937x627-C-b513a153-19373945.jpg Der manuelle Weißabgleich lädt zum Experimentieren ein. Eine kurze Messung auf ein blaues Mousepad wie vor dieser Auf­nahme, und schon sieht die Welt draußen ganz anders aus.

Der manuelle Weißabgleich lädt zum Experimentieren ein. Eine kurze Messung auf ein blaues Mousepad wie vor dieser Auf­nahme, und schon sieht die Welt draußen ganz anders aus.

UnmöglichesBei partiellen Farbstichen im Foto hilft kein Weißabgleich. Wenn ein Mensch im roten Gummiboot auf dem Foto eine rote Haut zeigt, liegt das ge­wöhnlich ebensowenig an einem fehlerhaften Weißabgleich wie ein grünlicher Schlei­er über dem weißen Brautkleid unter dem Baum auf einer grünen Wiese. Große Flächen mit intensiven Farben strahlen entsprechend auf andere Motivdetails ab, was sich vor allem in hellen Bereichen bemerkbar macht. In so einem Fall bleibt dem Fotografen nur die Wahl, sein Motiv anders zu platzieren oder die betroffenen Bereiche nachträglich im Bild­bearbeitungsprogramm zu korrigieren. Dafür wie auch für eine spä­tere Festlegung des endgültigen Weißabgleichs eignen sich im RAW-Format gespeicherte Fotos am besten.

Praktische AnregungenTesten Sie doch mal unter verschiedenen Lichtverhältnissen die unterschiedlichen Weißabgleichs­einstellungen. So gewinnen Sie ein Gefühl für die Möglichkeiten. Verwenden Sie für die manuelle Abstimmung als Referenz einen Bogen weißes Papier oder auch eine Neutral-Graukarte. Wenn diese Objekte farbrichtig wiedergegeben werden, stimmen auch die bunten Farben. Wer experimentieren will, misst auch mal auf farbige Flächen und erzielt mit dem Weißabgleichsergebnis teils surreal wirkende Ergebnisse. Unser spontanes Drei-Minuten-Expe­ri­ment lief so: Weißabgleich auf ein blaues Mousepad unter gemischtem Tages-/Neon-Licht, anschließend draußen Fotos, die mit ihrem Sepia-Grundton bei reduzierter Farbigkeit an die Früh­­zeit der Farbfotografie erinnern. Mit welcher Weißabgleichs­einstellung ein Foto jeweils gemacht wur­de, können Sie übrigens später in einem Bildbearbeitungsprogramm kontrollieren, das die entsprechenden Exif-Daten anzeigt.


Menü Weißabgleich Einstellung Neben der Automatik bieten SLR-Kameras eine Reihe von Fest­einstellungen und Korrekturmöglichkeiten für den Weißabgleich, die praktisch keine Wünsche offen lassen.
Menü Individueller Weißabgleich Ein individueller Weißabgleich ist schnell und einfach durch Ausrichtung des Objektivs einer weißen Fläche möglich und kann auch auf dem Monitorbild kontrolliert werden.
Menü Feinabstimmung Eine Feinabstimmung der fest voreingestellten Weißabgleichswerte kann in den Richtungen blau-gelb/orange und grün-magenta erfolgen, auch kombiniert. Im Zweifel ist eine Weißabgleichs-Belichtungsreihenautomatik praktisch.
Menü Manueller Weißabgleich Anspruchsvolle Kameras informieren detailliert über die gewählte Farbtemperatureinstellung nicht nur der Fest­werte, sondern auch eventuell manuell vorgenommer Feinkorrekturen. Im englischen Menü steht „A“ für Amber (Gelb), „G“ für Green (Grün).


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