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Blitz-Tipps Weihnachtsmarkt fotografieren: Farbfilter schafft Atmosphäre

Maximilian Weinzierl war auf dem Weihnachtsmarkt und zeigt am Beispiel von Kinderporträts, wie Sie mit farbgefiltertem Blitzlicht die Stimmung einfangen.
Farbfilter schafft Atmosphäre © Maximilian Weinzierl

Die Zeit der Weihnachtsmärkte ist da. Besonders bei Dunkelheit, wenn die Lichtersterne leuchten und sich in den Christbaumkugeln spiegeln, und wenn es nach Glühwein und Lebkuchen duftet, kann sich kaum jemand der Stimmung entziehen. Das nostalgische Karussell mit den Holzfiguren lässt Kindheitserinnerungen wach werden. Zauber und Glanz, Holzbuden und Weihnachtshandwerk machen Lust zum Bummeln und zum Schauen – und zum Fotografieren.

Vorweihnachtliche Lichterstimmung

Diese vorweihnachtliche Lichterstimmung gilt es diesmal einzufangen. Es wäre tödlich für die Stimmung, einfach ein Blitzlicht einzusetzen. Bilder, in denen der Vordergrund angeblitzt wird, mit sonst dunklem oder gar nachtschwarzem Hintergrund, eignen sich eher für  Dokumentationszwecke, die Stimmung kommt dabei nicht rüber. Auch Aufnahmen ausschließlich bei vorhandenem Licht sind meist unbefriedigend, weil sich in den von der Lichtquelle abgewandten Seiten (z.B. bei Gesichtern) tiefe Schatten bilden.

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Am besten ist eine Kombination aus beidem: vorhandenem Licht und vorsichtig dosiertem Blitzlicht. Langzeitblitzen heißt die Devise.  Da­­ bei wird die ISO-Einstellung an der Kamera soweit erhöht, dass der mit vorhandenem Licht ausgeleuchtete Hintergrund bei gerade noch haltbarer Belichtungszeit richtig belichtet wird; hier waren es ISO 800 und ISO 1250, für etwa 1/20 s. Die Belichtungsregelung kann der Kameraautomatik überlassen werden, sofern diese für Blitz-Langzeitbelichtungen eingerichtet ist und die längste verfüg­bare Belichtungszeit dabei so begrenzt werden kann, dass sie nicht in den Sekundenbereich abdriftet.

Farbetemperatur selbst bestimmen

Tipps für stimungsvolle Blitzaufnahmen
  • ISO-Einstellung: 800 oder höher Langzeitblitzaufnahmen mit festgelegter längster Verschlusszeit
  • tageslichtähnliches Blitzlicht einfärben, an das Umgebungslicht anpassen
  • Farbfilter - oder bequemer - eingefärbten Aufsatzdiffusor verwenden
  • Kälteschutz: Ersatzakku am Körper warmhalten. Die Kamera lässt sich auch mit dünnen Lederhandschuhen bedienen.

Da das Umgebungslicht aber in Grenzen gleich bleibt, kann die Belichtung des Hintergrunds auch manuell geregelt und per eingebauter Lichtwaage ganz gut kontrolliert werden. Bei den gezeigten Bildern habe ich die Kamera auf manuell gestellt, die Blende beträgt um 5,6, die Belichtungszeit um die 1/30 s. Die Regelung der Blitzlichtzugabe für den Vordergrund wird der Kameraautomatik überlassen. Am besten per TTL Aufhellblitz und mit Matrixmessung.

Bei diesen Aufnahmen habe ich zusätzlich, damit das frontale Blitzlicht weniger dominiert, am Blitzgerät einen Korrekturwert von minus 1/3 EV eingestellt. Die Einstellung des Weißabgleichs ist eigentlich nebensächlich, da ich in RAW fotografiere und die Lichtfarbe bei der Öffnung der Datei im RAW-Konverter festgelegt wird. Ansonsten: „Kunstlicht“.

Filter schaffen harmonische Lichtverhältnisse

Ein Problem ist jedoch die sehr unterschiedliche Farbtemperatur der beiden Lichtquellen. Die Lösung: Das tageslichtähnliche Blitzlicht wird ähnlich eingefärbt wie das vorhandene Glühlampenlicht. Das geschieht mittels Filterfolie, die es als Zubehör zum Blitzgerät gibt, die man sich aber auch selber preisgünstiger aus einer Filter­folie (z.B. Lee-Filters) zurechtschneiden und mit Klebeband befestigen kann. Bewährt hat sich, weil stabil und schnell anzubringen, ein eingefärbter Aufsatzdiffusor.

© Maximilian Weinzierl

Sind die Lichtquellen annähernd auf gleiche Farbtemperatur gebracht, kann das Bild durch Einstellen von „Autoweißabgleich“ beim Entwickeln im RAW-Konverter insgesamt „neu­tral“ wiederge­geben werden. Allerdings sollte der Rotstich (warmes Licht) aus Stimmungsgründen nicht ganz egalisiert werden. Tipp: die Autokorrektur teilweise wieder zurücknehmen.

Kommentar von Maximilian Weinzierl (Fotograf und Bildbearbeitungsexperte):

Weihnachstmärkte liefern eine Fülle von Moti­ven. Vorschlag: Den Markt mehrmals aufsuchen und jeweils ein bestimmtes Motto verfolgen – Kinder, Spiegelungen, Lichterglanz, Makro, Food, Bewegung etc. Auf eine kreative Vorweihnachtszeit!

Anspruchsvoller wird die Nachbearbeitung, wenn noch weitere unterschiedliche Lichttemperaturen im Bild vorkommen: rötliches Glühlampen-Umgebungslicht, Blitz­­licht, grünliches Neonlicht im Schaufenster und das bläulich-kühle Fern­se­h­bild. Hier hilft nur, im Bildbearbeitungsprogramm „Auswahlen“ festzulegen und die Lichtfarbe dann partiell einzustellen.

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