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Fotopraxis Makrofotografie im Aquarium - so geht's

Maximilian Weinzierl erklärt, wie Sie trotz der problematischen Glasscheibe zwischen Motiv und Kamera perfekte Makrobilder von kleinen Tieren im Aquarium aufnehmen können.

Makrofotografie im Aquarium © Maximilian Weinzierl

Winzige Tiere im großen, eingerichteten Schauaquarium zu fotografieren ist fast unmöglich; in der Regel verstecken sie sich, oder, wenn sie denn auftauchen, bewegen sie sich gerade an einem ungünstig zur Kamera gelegenen Ort. Auch ist hier der Abstand zwischen Motiv und Kamera meist viel zu groß, um formatfüllend abbilden zu können.

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Viel erfolgversprechender ist es daher, für das perfekte Ablichten von Mini-Unterwasserwesen neben dem großen Aquarium ein kleines Fotografierbecken einzurichten. Dabei ist unbedingt darauf zu achten (vor allem bei empfindlichen Meerwassertieren), dass im Fotografierbecken genau die gleichen Umweltbedingungen wie im Aquarium herrschen (Filtersystem, Wasserchemie, Heizung etc.). Dann können sich die Darsteller, wenn sie fürs Fotografieren umgesetzt werden, schnell eingewöhnen und ihr natürliches Verhaltensrepertoire zeigen.

Ein Problem stellt die Frontglasscheibe des Fotografierbeckens dar, und zwar in mehrfacher Hinsicht: Zum einen wirkt das Glas, je nach Stärke, wie eine zusätzliche (schlechte) Linse, welche die optische Qualität des Makroobjektivs vermindert; zum anderen kann es durch anlagernde Verschmutzungen wie ein Weichzeichnerfilter wirken und das Bild flau erscheinen lassen. Und drittens muss man ständig auf Lichtreflexe und Spiegelungen achten.

Glasscheibe auswechseln

Abhilfe: Als erstes wird die 4 mm starke Frontscheibe des handelsüblichen Aquariums durch eine nur 1,5-mm-Bilderglasscheibe ersetzt. Das kann man mit Spezial-Silikonkleber selber machen. Achtung: Das System ist dann nicht mehr so stabil, wie vorher (Bruchgefahr, Wasserschäden). Die Kanten werden auch nicht besonders schön, das sieht man aber im späteren Foto nicht.

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Als nächstes ist darauf zu achten, dass die Frontscheibe des eingerichteten Aquariums peinlich sauber gehalten wird. Auf der Innenseite lagert sich schon nach wenigen Tagen ein „Aufwuchs“ an, der mit einem Magnet-Scheibenreiniger jeweils vor dem Fotografieren entfernt werden sollte. Außen gibt es oft Kalk- oder Salzränder. Diese sind unbedingt mittels Glasreiniger und fuselfreiem Tuch oder Linsenpapier zu entfernen.

Verzerrungen vermeiden

Die Kamera darf niemals schräg zur Glasscheibe ausgerichtet sein, sonst treten Verzerrungen aller Art auf. Die besten Ergebnisse erzielt man, wenn das Objektiv planparallel zur Frontglasscheibe steht.

Ich richte dazu die Kamera, die auf einem Kreuzschlittensystem (Novoflex Castel Q zur Feinjustierung oben, Cullmann CT 77 zur Schnellverstellung unten) montiert ist, mittels Kugelkopf und kurbelbarer Stativsäule so aus, dass die Sonnenblende des Makroobjektivs an der Glasscheibe bündig ansteht. Damit ist die Planparallelität gegeben. Die Sonnenblende entferne ich dann zum Fotografieren wieder.

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Zur Verfolgung der Motive wird die Kamera nur noch – parallel zur Frontscheibe stehend – bewegt: mit der oberen Schiene vor und zurück, mit der unteren Schiene nach links und rechts und mit der Kurbel auf und ab. Die Anordnung der Blitzgeräte lässt sich auf Manfrotto-Magic-Armen sehr genau justieren, sodass die zwangsläufig im Glas auftretenden Reflexe gut kontrolliert und außerhalb des Bildbereichs gehalten werden können – vorab Testaufnahmen machen!

Folgende Vorgehensweisen haben sich bei der Makro-Aquariumfotografie bewährt:

  • Separates kleines Fotografierbecken mit gleichen Umweltbedingungen wie im Schaubecken einrichten
  • Möglichst dünne Frontglasscheibe, eventuell bei handelsüblichen Aquarien auswechseln
  • Penible Sauberkeit an der Frontglasscheibe, innen wie außen
  • Kamera/Objektiv-Kombination planparallel zur Frontscheibe ausrichten
  • Ausschnittverstellung nur durch links/rechts, vor/zurück und auf/ab, kein Verkanten der Kamera
  • Hauptlicht sind zwei Blitzgeräte: eines für den Vordergrund und eines für den Hintergrund; eventuell ein drittes sehr leistungsreduziertes für die dezidierte Schattenaufhellung
  • Magic-Arme (Manfrotto) zur exakten und schnellen Blitzjustierung und Lichtreflexlenkung

Kommentar von Maximilian Weinzierl

Neben dem Fotografieren macht die Verhaltensbeobachtung mindestens genau soviel Spaß. Das Verhalten der winzigen Einsiedlerkrebse lässt sich in einem gut ausgeleuchteten Mini-Aquarium im Betrachtungsabstand von nur wenigen Zentimetern intensiver studieren als auf Distanz in einem großen Schaubecken. Ich kann vor dem Mini-Aquarium auch lange Zeit nur sitzen und staunen, ohne überhaupt ein Bild aufzunehmen.

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