Creativ-Fotografen kommt es dabei auf das Ursprüngliche und Wesentliche an. ColorFoto zeigt für Sie eine Auswahl gelungener Motive und befragt die Macher zu Aufnahmesituation, -technik und Nachbearbeitung.
Aus dem Leben gegriffen: Beim „Gassi gehen“ konnte ich zufällig meinen Bekannten Manfred Merkel beim Füttern seiner Hühner beobachten. Ich hatte nur eine Nikon Coolpix P 7000 dabei. Ich nenne den Apparat meine Hosentaschenkamera, weil ich ihn immer bei mir trage. Ich hatte auch nicht viel Zeit, gestalterisch auf die Szene einzuwirken. Die Ausbeute war daher gering und bestand nur aus diesem einen brauchbaren Schuss. Ich wollte Manfred einfach so zeigen, wie ich ihn kenne, umgeben von Tieren, die seit jeher ein wichtiger Bestandteil seines Lebens sind. Ich fotografierte im jpg-Format.
reinhold: Die Bildbearbeitung diente – wie bei mir immer – dazu, die Bildaussage zu verdichten. Ich reduzierte mit Photoshop den Ausschnitt und wandelte das Foto mit der Nik-Software Silver Efex Pro in Schwarzweiß um. Abschließend legte ich eine leichte Unschärfe über das Bildeck rechts oben und schattete dieses ein wenig ab.
Versteckt im Obergeschoss. Ich war mit einigen Fotofreunden in einem belgischen Dorf auf Motivsuche. Da stieß ich im Obergeschoss einer Scheune auf dieses Szenario. Ich veränderte nichts, sondern stellte meine Pentax K5 mit einem 16–45-mm-Zoom-Objektiv auf einer Tapetenrolle ab und belichtete eine halbe Sekunde mit Blende 9. Wegen der schlechten Lichtverhältnisse erstellte ich eine Belichtungreihe (0/+/-1). Die Aufnahmen fügte ich später mit Photoshop zu einem Bild zusammen und bearbeitete Farben und Kontraste.
Geplante Aktion. Mein Pony sollte beschlagen werden. Also fragte ich den Schmied vorab, ob ich ihn bei der Arbeit ablichten könne. Er erhitzte das Eisen und bearbeitete es so lange mit dem Hammer, bis es auf den Huf meines Pferdes passte. Ich habe das Foto im Morgenlicht, ohne Blitz oder Stativ mit einem DC-18–200-mm-Sigma-Objektiv geschossen. Ich drückte mehrmals ab und suchte mir die beste Aufnahme aus. Das Bild ist kaum nachbearbeitet, nur etwas beschnitten. Fotografiert mit einer Pentax K20D, Brennweite 40 mm bei ISO 200, Blende 5,6, 1/15 Sekunde.
Das Wesentliche im Fokus. Festivität in Friesach. Die Jungs diskutierten über den sorgsamen Umgang mit Kücken. Der Knabe zeigte voller Stolz sein Prachtexemplar. Sein kleiner Freund im unscharfen Bereich ging aber leider nicht so sorgsam mit dem seinen um. Wie das halt mit Kindern ist, oft sind sie ein bisschen unbeholfen. Deshalb nahm die Mutter mit schützender Hand das Kücken in ihre Obhut. Doch der kleine Tierfreund im Fokus der Kamera ist noch geschockt und hat eine Träne im Auge. Ich wandelte dieses Bild in Schwarzweiß um, damit das Auge des Betrachters auf das Wesentliche gelenkt und die Bildaussage betont wird
Bearbeitungsschritte: Vom Raw-Converter in Schwarzweiß, Nachbearbeitung mittels Photoshop (Kanalmixer, leichte Anhebung des Rotkanals, leichte Tonung in Blau). Aufnahmetechnik: Bewusst mit offener Blende und langer Brennweite bei Tageslicht fotografiert, da der Unschärfebereich die wichtigste Information in den Bildmittelpunkt hebt.
Hingekuckt. Toskana, Montepulciano, vergangener Herbst. Tief stand die Nachmittagssonne, da fielen mir die drei älteren Herren am Straßenrand auf. Als dann die junge Frau vorbeiging, drückte ich gleich ab. Unwichtige, störende Informationen, wie ein Mann am rechten Bildrand oder die Mauerecke links, habe ich abgeschnitten.
Da die Nachricht des Bildes nicht in der Farbe, sondern in den vier Menschen besteht, wandelte ich die Fotografie in Schwarzweiß um. Farbe lenkt an dieser Stelle nur von der wesentlichen Bildaussage ab – vor allem die roten Blumentöpfe wirkten störend. Aufgenommen mit meiner Sony A700, ISO 100, Blende 8, 1/45 Sekunde.