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Fotopraxis Hitze, Kälte, Staub: Fotografieren unter Extrembedingungen

Mit dem Fahrrad von Deutschland nach Tibet und auf den 8027 Meter hohen Gipfel des Shishapangma: Christian Rottenegger erzählt, wie er zusammen mit Freunden dieses Abenteuer trotz lebensfeindlicher Bedingungen und hoher körperlicher Belastung in authentischen Bildern festhalten konnte.

Fotografieren unter Extrembelastung © Christian Rottenegger

Mit schwer bepacktem Fahrrad 10.000 km durch 12 Länder, durch die 50°C heiße kasachische Steppe, die staubige Luft des Aksai Chin Plateaus im Uigurischen Xinjiang und den strömenden Monsun­regen in den subtropischen Tälern des Himalaja; beim Aufstieg zum 8027 m hohen Shishapangma in Tibet dann extreme Kälte bis -40°C und Eiskristalle, die sich, vom Sturm ins Gesicht geschleudert, anfühlen wie Mil­lionen schmerzender Nadelstiche.

Wer schon einmal unter lebensfeindlichen Bedingungen fotografiert hat, weiß, dass kaum etwas schwerer fällt, als in solchen Situationen nicht nur ans Durchhalten, sondern auch ans Fotografieren zu denken, die Kamera auszupacken, die aussagekräftigsten Motive zu suchen, die passenden Aufnahmeeinstellungen zu wählen und abzudrücken.

Nur mit eiserner Disziplin

Da hilft nur eiserne Disziplin, Leidensbereitschaft und ein Ziel, mit dem man sich immer wieder aufs Neue motivieren kann; in meinem Fall war das die Multivisions-Show, die später aus dem Bildmaterial entstehen sollte. Außerdem bringe ich meine Kameras unterwegs grundsätzlich so unter, dass ich beim Auspacken möglichst wenig Zeit und Kraft verliere: Auf dem Rad hat sich eine wasserdichte Colttasche mit Klettverschluss bewährt, eine Ortlieb Aqua-Zoom Plus. Mit Hilfe eines zusätzlichen Riemens für vier Euro lässt sich die Tasche so auf dem Rücken festschnallen, dass sie während des Radelns trotz der gebückten Haltung nicht nach vorne schwingt. 

Christian Rotenegger, Fotograf & Abenteurer © Christian Rotenegger
Christian Rotenegger, Fotograf & Abenteurer

Zwar gibt es alternativ dazu auch Lenkertaschen mit Fotoeinsatz, doch sind die Geräte darin stärkeren Vibrationen ausgesetzt. In großen Höhen und eisiger Kälte macht es in der Regel Sinn, ein wenig mehr Umstände auf sich zu nehmen und die Lithium-Ionen-Akkus separat in einer Jackentasche direkt am wärmenden Körper zu tragen, damit sie dort oben zumindest für einige wenige Bilder reichen. Dass man den Akku auch mit Handschuhen einigermaßen komfortabel einlegen kann, gehört deshalb zu den grundlegenden Voraussetzungen, die meine Kameras erfüllen müssen.

Härtetest fürs Equipment

Nicht nur der Abenteuerfotograf, auch das Foto-Equipment ist auf einer solchen Tour extremen Belastungen ausgesetzt. Trotz des abgedichteten Gehäuses dringt immer wieder Schmutz, Staub oder Sand zum Sensor vor. Die eingebauten Reinigungssysteme kapitulieren nach meiner Erfahrung vor solchen Herausforderungen. Ich war jedenfalls nach Durchquerung der Taklamakan-Wüste froh über die Canon-Servicestelle in Kashgar, die eine Sensorreinigung per Druckluft aus der Dose durchführen konnte.

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Ungeachtet dessen würde ich jedem von einer Sensorreinigung in solchen Ländern abraten. Das Risiko, dass der empfindliche Chip dabei Schaden nimmt, ist einfach zu groß. Besser, die Kamera bleibt bei Fahrten über staubige Pisten so lange wie möglich in mehrere Schutzlagen gehüllt sicher verstaut.

Gleiches gilt natürlich für das Net- oder Notebook, sofern man dieses für das Vorsortieren und Bearbeiten der Bilder wirklich mitschleppen will. Ärgerlich allerdings, wenn es dann unterwegs den Geist aufgibt – wie bei uns, obwohl wir das Netbook vorsorglich mit einem robusten Flash-Speicher statt mit Festplatte ausgestattet und immer gut geschützt in den hinteren Satteltaschen verpackt hatten.

Seltene Stunden der Muße

Mehr erleben

Natürlich gibt es selbst bei einem Abenteuer wie der Ultratour auch diverse Gelegenheiten, um mit Muße, Geduld und Energie zu fotografieren. Vor dem Aufbruch am Morgen etwa, wenn die Sonne noch tief steht und die Umgebung in ein warmes, angenehmes Licht taucht. Oder am Abend, nachdem das Ziel erreicht und das Lager errichtet ist. Dann kann man sich so richtig auf die Arbeit als Fotograf konzentrieren – auch darauf, dass sich die aufgenommenen Bilder optimal für eine Multivisions-Show eignen. Und dabei gibt es einiges mehr zu beachten als bei Einzelfotos, die einfach nur für sich gut aussehen sollen.

Beispielsweise muss man hier schon bei der Motivwahl, bei Bildausschnitten und Aufnahmeparametern berücksichtigen, dass bei gelungenen Überblendungen der Horizont nicht springen darf und durch das Zusammenwirken zweier Aufnahmen ein „drittes Bild“ entsteht. Zudem ist es ratsam, sich im Großen und Ganzen auf das Querformat zu beschränken, das den menschlichen Sehgewohnheiten entgegenkommt. Der Wechsel zwischen Hoch- und Querformat innerhalb einer Show wird in aller Regel als störend empfunden.

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Lust auf Abenteuer? Ich kann sicher niemandem empfehlen, ohne weitreichende Erfahrung zu einer solchen Tour aufzubrechen. Mittlerweile gibt es aber eine ganze Reihe professioneller Agenturen, die kleinere Exkursionen in entlegene Gebiete organisieren und Ihnen erfahrene Führer zur Seite stellen wie z. B. Top MountainTours.

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