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Fotopraxis Marke Eigenbau: Die Lego-Kameras von Jens Werlein

Jens Werlein hat aus Legos mehrere 4x5-Inch- und eine 8x10-Inch-Großformatkamera gebaut. Nun steht die Konstruktion einer 20x24-Inch-Kamera aus rund 50.000 Legosteinen an. Die ColorFoto-Redaktion lernte ihn bei einem User-Treffen von fotocommunity.de kennen.
Lego Großformatkameras © Jens Werlein

Zuerst wollte Jens Werlein die Legos seiner Kinder auf dem Flohmarkt verkaufen oder sie über Ebay versteigern, doch die Wertschöpfung dabei wäre denkbar gering ausgefallen. Gerade mal ein Zehntel des Neupreises hätten sie der Familie auf diesem Wege eingebracht. Werlein dachte so über Alternativen nach, wie er die Legos recyceln könnte.

Das Cradle-zu-Cradle-Prinzip

Er entschied, die Legos energiesparend in etwas Gleich- oder gar Höherwertiges umzuwandeln. Die Idee, eine 4x5-Inch-Großformatkamera mit den gebrauchten Legos zu bau­­en, war geboren.

Die 8x10-Inch-Großformatkamera im Bau. © Jens Werlein
Die 8x10-Inch-Großformatkamera im Bau.

Wäre Jens Werlein nicht Dozent für Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, hätte er wohl kaum diesen, auf den ersten Blick doch etwas abwegig oder gewagt erscheinenden, Einfall gehabt. Doch so setzte er sich kurzerhand mit seinen Kindern Hannes und Paula zusammen und baute innerhalb von drei Tagen eine voll funktionsfähige 4x5-Inch-Kamera mit einem 120-mm-Objektiv.

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Er erläutert: „Nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip werden heute bereits Häuser gebaut. Baustoffe werden hierbei z. B. beim Abriss nicht zu etwas Minderwertigem recycelt, sondern in etwas neues Gleichwertiges ver- oder umgewandelt.“

Die Montage der Großformatkamera

Nach ihrem ersten Bauerfolg wagten sich die drei Konstrukteure nun voll Enthusiasmus an die Montage einer 8x10-Inch-Großformatkamera. Jens Werlein berichtet: „Der Bau sollte aber, dadurch dass uns immer wieder die Legosteine ausgingen und wir auf Steinchenspenden für unser Open-Source-Kamera-Projekt angewiesen waren, mit längeren Zwangspausen drei Monate dauern.“

Die Fertigstellung der 8x10-Inch-Großformatkamera. © Jens Werlein
Die Fertigstellung der 8x10-Inch-Großformatkamera.

In einem ersten Schritt ummantelte die Crew das 360-mm-Objektiv und die Mattscheibe mit Legos. Diese erreichte dadurch schon beinahe die Maße einer 8 x 10-Inch-Filmkassette. Zum Glück passte die Lage der Film-Mattscheibe.

Nun startete die Bodenkonstruktion der Laufbodenkamera. Eine Platte wurde beweglich auf die andere montiert und Objektiv und Mattscheibe zum Ausprobieren fixiert. Das Team testete so die Fokusspanne. Danach wurde die innere Kiste auf den Laufboden und die äußere auf die Grundplatte gemauert.

Die erste 4 x 5-Inch-Lego-Filmkassette. © Jens Werlein
Die erste 4 x 5-Inch-Lego-Filmkassette.

Nach dem Einbau des Objektivs feilte die Crew an der Montage von Mattscheibe, Filmkassette und digitalem Rückteil, um am Ende die Mattscheibe aufzurichten. Schon begann das Fokussieren auf einer 5 x 7-Inch-Testmattscheibe, um die Unendlichkeitseinstellung zu testen.

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Jens Werlein stellt fest: „Der Auszug für unser 360-mm-Normalobjektiv entspricht wie errechnet 36 cm. Für eine 1:1-20 x 25-cm-Porträtaufnahme werden so 72 cm gebraucht.“ So sind für den Bau noch einiges an Grundplatten und Bricks notwendig. Auf 8er- und 6er-Steinchen umgerechnet, besteht eine Kamera aus 8.500 Steinen.

Keine Bauanleitung

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Eine Bauleitung für ähnliche Konstruktionen will Jens Werlein nicht herausgeben, er erläutert: „Die Dimensionen hängen vom Objektiv ab, daher macht das keinen Sinn. Die fertigen Kameras werden auch nicht verklebt, so lassen sie sich stets weiterentwickeln. Mein Sohn kommt immer wieder mit Verbesserungsvorschlägen, die wir umsetzen.“

Ein weiterer Vorteil: Fällt eine Kamera herunter, lässt sie sich schnell wieder zusammenbauen, sofern das Objektiv keinen Schlag abbekommt.

Die weitere Planung

Jens Werlein hat nun den Bau einer 20 x 24-Inch-Kamera geplant. Dazu benötigt er 50 000 Legos. Spenden sind willkommen (Angebote gerne an j.werlein@t-online.de). Weltweit gibt es wohl noch drei weitere klassische 20 x 24-Inch-Kameras, eine befindet sich in Prag und die zwei anderen in New York.

Mit dem New Yorker Polaroid-Studio, welches die Kamera besitzt, hat Werlein auch schon Kontakt aufgenommen. „Sie werden mir vielleicht Filmmaterial zur Verfügung stellen“, berichtet er glücklich und fügt an: „Das Schöne an meinen Lego-Kamerakonstruktionen ist, alle können etwas mit meinen Fotoapparaten anfangen, unabhängig ob Kind, Erwachsener oder Oma und Opa.“

Auf seinem Blog berichtet Jens Werlein über seine Lego-Kameras und die Projekte gleichgesinnter Bastler.

 
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