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Horst Gottfried

4. März 2008
Ratgeber: Belichtungssteuerung Bild vergrößern 937 636 http://img2.magnus.de/Aufmacher-r937x635-C-a76dc240-14336184.jpg

Ratgeber

Belichtungssteuerung

Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik, oder gleich alles manuell einstellen? Horst Gottfried erklärt, welche Einstellung für welches Motiv und welche Lichtsituation passt.

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Im ersten Schritt bestimmt die Kamera die nötige Lichtmenge für ein optimal belichtetes Foto. Im zweiten Schritt werden Belichtungszeit und Blende so eingestellt, dass die­se Lichtmenge tatsächlich auf den CCD trifft. Diese Aufgabe kann die Kame­raauto­matik übernehmen oder der Fotograf von Hand. Denn zu jedem Messwert passen un­ter­schied­li­ch­e Zeit-/Blenden-Kom­binatio­nen. Die Wahl der Wer­te hat ent­scheiden­den Einfluss darauf, wie ein Motiv im Fo­to festgehalten wird. Die Blende ist verantwortlich für die Schär­fentiefe: Eine gro­ße Blendenöffnung bewirkt geringe Schärfentiefe, eine kleine Blendenöffnung erhöht sie. Die Belichtungszeit beeinflusst die Bildschärfe gleich doppelt. Zum ei­nen ist die Verwacklungsgefahr umso geringer, je kürzer die Belich­tungszeit ausfällt. Zum zweiten entscheidet die gewählte Zeit dar­über, wie scharf oder unscharf be­wegte Details im Bild erscheinen.

Wieviele unterschiedliche Zeit-/Blenden-Kombinationen zur Wahl stehen, hängt von der technischen Ausstattung von Kamera und Objektiv ab. Lichtschwachen Objektiven fehlen die großen Blenden (kleiner Wert), billigen Kameras kurze Zeiten. Die Tabelle rechts nennt mögliche Kombinationen für eine klassische Lichtsi­tu­ation mit bedecktem Himmel am frühen Nachmittag (Lichtwert oder EV 12) bei ISO 100.

geringe Schärfentiefe
Bild vergrößern 937 721 http://img4.magnus.de/geringe-Sch-rfentiefe-r937x721-C-3bb2f7e8-19420563.jpg Geringe Schärfentiefe bei Blende 3,5 – scharfer Vordergrund und scharfer Hintergrund.

Geringe Schärfentiefe bei Blende 3,5 – scharfer Vordergrund und scharfer Hintergrund.

Zwischen der totalen Automatik und dem autonom entscheiden­den Fotografen  gibt es eine Reihe von Abstufungen in der möglichen Ausstattung der Kamera. Bei den Kompaktkameras zeichnet sich aktuell eine Entwicklung zu „intelligenteren" Motivprogrammen ab, mit einer automatischen Wahl des richtigen Programms je nach Motiv. Die Stich­worte lauten hier Bewegungs­er­ken­nung mit gekoppelter ISO-Steuerung sowie Gesichtserkennung.

Programmautomatik (P)Die Programmautomatik „P" ist heute nicht zu unrecht die Allround-Einstellung. Sie erlaubt es dem Fotografen, sich voll auf das Motiv zu konzentrieren, weil sich die Kamera nach dem alten Kodak-Motto „you press the button, we do the rest" um Zeit- und Blendeneinstellung kümmert. Ih­re Entscheidung für eine bestimmte Zeit-/Blenden-Kombination können die Kameras heute viel qualifizierter treffen als bei der Einführung der Programm­automatik in die SLR-Welt vor fast 30 Jahren im photokina-Jahr 1978 mit der Canon A-1 und der Minolta XD-7. Verlauf und Grenzen der Programmkurve im Koor­dinatensystem zwischen größter Blende/kürzester Zeit und kleinster Blende/längster Zeit werden objektivseitig von der Brennweite und dem zur Verfügung stehenden Blendenbereich bestimmt. Kameraseitig entscheidet der Ver­schlusszeitenbereich.

große Schärfentiefe
Bild vergrößern 937 657 http://img1.magnus.de/gro-e-Sch-rfentiefe-r937x657-C-857425ac-19420566.jpg Große Schärfentiefe bei Blende 11 – Vorder- und Hintergrund scharf.

Große Schärfentiefe bei Blende 11 – Vorder- und Hintergrund scharf.

Eine wichtige Information für den Kameracomputer ist die Brenn­weite des Objektivs, da längere Brennweiten kürzere Be­lichtungszeiten erfordern, um Ver­wackeln zu vermeiden. Umgekehrt kommen kurze Brennweiten meist bei weiträumigen Motiven zum Einsatz, wo oft ein möglichst großer Schärfenbereich von nah bis unendlich gewünscht ist. Dem entspricht das Programm der Kamera mit einer Bevorzugung kleiner Blenden und entsprechend längeren Zeiten.

Bei den Motivprogrammen aktueller Kameras werden auch noch weitere Faktoren berücksichtigt. Basierend auf der Mehrfeldmessung sowohl bei Autofokus wie auch der Belichtung können bestimmte Motivtypen wie Porträt oder Landschaft erkannt und pas­sende Blenden und Zeiten gewählt werden. Motivprogramme können dem Fotografen zudem noch weitere Entscheidungen abnehmen, etwa ob mit Einzelbild- oder kontinuierlicher Autofokussierung gearbeitet oder ob geblitzt werden soll. Mag ersteres noch ganz praktisch – und dem späteren Foto auch nicht anzusehen – sein, kann ein alle Nase lang wie Kai aus sei­ner Kiste springender Aufklappblitz rasch nerven, zumal es mit dessen Leuchtkraft im wahrsten Sin­ne des Wortes nicht weit her ist.

Zeitenvorwahl Tv
Bild vergrößern 937 714 http://img2.magnus.de/Zeitenvorwahl-Tv-r937x714-C-ea8e2210-19420569.jpg Zeitenvorwahl „Tv“ ist vor allem bei schnell bewegten Motive sinnvoll. Die „Tv“-Funktion ist auch nützlich, wenn Sie mit langen Belichtungszeiten blitzen.

Zeitenvorwahl „Tv“ ist vor allem bei schnell bewegten Motive sinnvoll. Die „Tv“-Funktion ist auch nützlich, wenn Sie mit langen Belichtungszeiten blitzen.

Wichtiger als Motivprogramme ist vielen der Programm-Shift. Per Programm-Shift kann der Fotograf direkt die Zeit-/Blenden-Kom­bi­nation verschieben, ohne in ein anderes Programm mit Zeit- oder Blenden-Vorwahl zu wechseln.

Blendenautomatik mit ­Zeitvorwahl (Tv/S)Will der Fotograf eine bestimmte Zeit oder Blende vorgeben, kann er die Automatik den passenden zweiten Wert suchen lassen. Immer wieder für Verwirrung sorgen die Bezeichnungen: So ist die Blendenautomatik das Mittel der Wahl, wenn mit einer festen Zeit fotografiert werden soll und die Kamera automatisch die richtige Blende zur Zeit des Fotografen ein­stellt. Daher wird sie an der Kamera meist mit „Tv" für „Time value" oder „S" für „Speed" gekennzeichnet. Die Belichtungszeit spielt die entscheidende Rolle wenn es um den sicheren Schutz vor Verwacklung geht. Mit Programmautomatik kann es passieren, dass man im Eifer des Gefechts fleißig mit einer viel zu langen Zeit drauflostknipst. Davor schützt die feste Wahl einer Zeit auf Basis der Faustregel „verwacklungssichere Zeit = 1/Brennweite (bezogen auf KB)“.

Was verschiedene Belichtungs­zei­ten für die Abbildung bewegter Motive bedeuten, sollten Sie am besten selbst ausprobieren, indem Sie z. B. einfach mal Sie mal einen Wasserfall oder Springbrunnen mit 1/30 Sekunde und ein zweites Mal mit 1/500 oder gar 1/1000 Sekunde fotografieren. Im ersten Fall erhalten Sie im Bild einen Wischeffekt, der dem an sich statischen Foto einen Eindruck von Bewegung verleiht. Im zweiten Fall dagegen scheint das Wasser wie eine Skulptur „eingefroren" in der Luft zu stehen – beides kann großartig aussehen.

Diese Effekte können Sie auch für andere bewegte Motive nutzen. Gerade Sport- und Actionaufnahmen sind eine Domäne der Blendenautomatik. Mit der kurzen Zeit erwischen Sie den Hochsprin­ger in aller Schärfe, wenn er gerade die Latte überquert oder den Kicker am Ball – und das alles vor schön unscharfem Hintergrund, weil es zur kurzen Zeit die offene Blende „gratis" dazugibt. Mit einer längeren Zeit können Sie ver­suchen, die Kamera beim Fotogra­fieren eines bewegten Motivs mit­­zuziehen, um etwa den Radfahrer scharf vor verwischtem Hin­ter­grund abzubilden und so den Fak­tor Geschwindigkeit bildlich dazustellen. Am besten stellen Sie dazu die Kamera auf Serienbildfunkton, dann braucht es nur noch etwas Übung und Glück.

Blendenvorwahl Av
Bild vergrößern 937 681 http://img4.magnus.de/Blendenvorwahl-Av-r937x680-C-36cff0c7-19420572.jpg Blendenvorwahl „Av“ kommt vor allem zum Einsatz, wenn Bildgestaltung mit der Schärfentiefe gefragt ist.

Blendenvorwahl „Av“ kommt vor allem zum Einsatz, wenn Bildgestaltung mit der Schärfentiefe gefragt ist.

Zeitautomatik mit ­Blendenvorwahl (Av)Wenn Sie eine malerische Allee fotografieren wollen, warten die Bäume in aller Ruhe, bis die Aufnahme im Kasten ist, da kommt es auf die Belichtungszeit nicht so an. Wichtiger ist, dass möglichst viele Bäume von ganz vorn bis weit hinten schön scharf werden. Geht es dagegen um ein Portrait, dann wirkt das Foto am besten, wenn Sie den Blick des Betrachters durch gezielte Scharfstellung auf Ihr Hauptmotiv lenken und keine unruhigen Details im Vorder- und Hintergrund seine Aufmerksamkeit ablenken. Dazu be­darf es möglichst geringer Schärfentiefe.

In beiden Fällen sind Sie mit der Zeitautomatik am besten bedient: Sie wählen die Blende und die Kamera stellt die passende Bleichtungszeit ein. Für große Schär­fentiefe schließen Sie die Blende, soweit es das Objektiv oder die Verwacklungsgefahr durch die resultierende längere Belichtungs­zeit zulässt. Für geringe Schärfentiefe öffnen Sie die Blende so weit wie möglich, wodurch der Hintergrund unscharf wird, so dass sich das Hauptmotiv davon scharf abhebt.Über den gestalterischen Einsatz hinaus kann sich die Zeitautomatik auch für schnelle Schnappschüsse als hilfreich erweisen. Wenn der Autofokus mit einem Weitwinkel von 24 mm (dessen Bildwinkel an einer der gängigen Digital-SLR-Kameras mit APS-C-Sensor dem von 35 mm Brennweite bei 24 x 36 mm KB entspricht) nicht jedes Mal neu fokussieren soll, können Sie z. B. Blende 8 und eine Entfernung von 4 m vorwählen. Dann reicht die Schärfe von rund 2 m bis unendlich.

Motivprogramm P
Bild vergrößern 937 711 http://img3.magnus.de/Motivprogramm-P-r937x710-C-bb1eb53d-19420575.jpg Das Motivprogramm „Porträt“ sorgt dafür, dass sich das Hauptmotiv scharf vom unscharfen Hintergrund abhebt.

Das Motivprogramm „Porträt“ sorgt dafür, dass sich das Hauptmotiv scharf vom unscharfen Hintergrund abhebt.

Ein Vorteil der Zeit- gegenüber der Blendenautomatik ist ihr gro­ßer Arbeitsbereich. Zur vorge­wähl­ten Blende kann eine SLR-Kamera die richtige Zeit aus dem Bereich von z. B. 1/4000 bis 30 s wählen. Das entspricht 18 EV-Stufen. Bei einer Blendenautomatik mit vorgewählter Zeit wird der Arbeitsbereich der Automatik da­gegen von der Zahl der Blendenstufen des Objektivs beschränkt, würde also etwa mit einem Zoom­objektiv von Lichtstärke 4 und ei­ner kleinsten Blende von 22 nur sechs EV-Stufen betragen.

Manuelle Zeit- und Blendenwahl (M)Die Zeit- und Blendeneinstellung von Hand nutzen viele heute nur noch in Ausnahmefällen, etwa für Aufnahmen, bei denen sie gezielt von der Belichtungsmessung abweichen wollen. Wenn beispielsweise der Monitor zeigt, dass die letzte Aufnahme zu dunkel geriet, kann man mit einer Be­lichtungskorrektur oder ma­nuellen Einstellung ein zweites helleres Bild machen. Auch für spezielle Effekte erzielt wie High-Key- oder Low-Key-Aufnahmen, bei denen sich Bildwichtiges nur im dominierenden hellen oder dunklen Bereich abspielt, nutzen viele Fotografen die manuelle Belichtungsmessung. Ein anderer Fall ist eine Serie, bei der alle Aufnahmen exakt gleich belichtet sein sollen.

Die meisten Kameras zeigen die Differenz der manuellen Einstellung zum Messwert auf einer Analogskala mit einer Kette von Punkten im Sucher oder auf dem Monitor an. So kann der Fotograf Blende und Zeit korrigieren, bis seine Einstellung dem Messwert entspricht oder um das gewünschte Maß davon abweicht.

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