Buchtipp Elliott Erwitt – Ein Klassiker neu aufgelegt
Elliott Erwitt, Jahrgang 1928, ist vor allem bekannt durch seine Fotos von skurrilen, überraschenden oder doppeldeutigen Alltagsmomenten. Er gehört zu den herausragenden Fotografen der legendären Agentur Magnum, deren Mitglied er seit den 1950er Jahren ist.
Für das jetzt bei Schirmer/Model in 2. Auflage erscheinende Fotobuch „Personal Exposures“ hat Elliott Erwitt 1988 die gelungensten Aufnahmen von 1946 und 1988, seinen produktivsten Jahren, zusammengestellt. Der Fotoband in Schwarzweiß wurde im gleichen Jahr – damals noch unter dem schlichten Titel „Fotografien 1946-1988“ – begleitend zu einer Erwitt-Ausstellung im Pariser Palais de Tokyo erstmals auf Deutsch im Schweizer R•G-Verlag publiziert. 1997 erschien der jetzt erneut aufgelegte Band dann unter dem doppelsinnigen Titel „Personal Exposures” erstmals bei Schirmer/Mosel.
Vorangestellt ist den Fotos ein autobiografischer Text, in dem sich Erwitt Gedanken zu den verschiedensten Aspekten fotografischer Arbeit macht, zum Umgang mit den Menschen, Erfahrungen mit Kameras und Filmen, zu diktatorischen Bildredakteuren und Zwängen der Branche.
Der richtige Blick für den großen Moment
Der Bildteil enthält sowohl offizielle Arbeiten für Magnum wie auch viele seiner persönlichen Bilder, die weltweit Berühmtheit erlangten. Darunter sind die Ikonen seines Lebenswerkes. Die 222 Tafeln des Buches belegen Erwitts Rolle als geduldiger, wachsamer Beobachter mit dem richtigen Blick für große wie kleine Momente, private und offizielle, traurige und komische. Das gilt für seine Porträts prominenter Zeitgenossen genauso wie für die zufälligen, anonymen Momentaufnahmen.
Nicht nur Zeitdokument, sondern Kulturgut
Auch wenn Erwitt gerne Menschen mit seiner Kamera überrascht, haben seine Fotos dennoch nichts Überfallartiges, Paparazzihaftes an sich. „Ich warte auf meine Motive“ sagt Erwitt, und geht hinaus zum Warten. „Viele Leute fotografieren ja Eier und Blumen. Aber um etwas von bleibendem Wert einzufangen, muss man in die Welt hinausgehen.“ Dank dieser Maxime ist Erwitts persönliche Fotosammlung zu einem umfangreichen, hintergründigen Zeitdokument jener Jahre gewachsen und zu einem Stück Kulturgut geworden, das es in dieser Art nicht wieder geben dürfte. Dem steht allein schon die aktuelle „Rechtn am eigenen Bild“-Diskussion entgegen. Da dürfte Erwitt auch sein ehrenwertes Motto „Man kann jeden, der einem vor die Linse kommt, fotografieren, vorausgesetzt, er hat davon keinen Schaden“ nicht mehr helfen.
Elliott Erwitt – Personal Exposures
Schirmer/Mosel. Mit einem autobiographischen Text. 256 Seiten, SW, 222 Duotone-Tafeln. Format: 28,5 x 24,5 cm, gebunden, deutsche Ausgabe, ISBN 978-3*8296-0598-4, 49,80 Euro