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Buchtipp Chris Killip "arbeit/work" – Momente und Menschen im Wandel

Das beeindruckende Werk des britischen Fotografen Chris Killip präsentiert der Katalog "arbeit/work" der Edition Folkwang, jüngst erschienen in Zusammenarbeit mit dem renommierten Steidl-Verlag.

Chris Killip
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© Edition Folkwang/Steidl Verlag, Chris Killip

Chris Killip: Whippet Fancier, Huddersfield, 1973
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© Courtesy of the Artist/© Chris Killip
Chris Killip: Whippet Fancier, Huddersfield, 1973

Das Buch "arbeit/work" zeigt Chris Killips Fotografien der Jahre 1969 bis 2005 in über 80 Schwarzweiß-Bildern. Sie waren bis April im Essener Folkwang-Museum zu sehen. Die Retrospektive zeigt einige langfristige Projekte Killips. Beeinflusst von dem Werken großer Fotografen wie Paul Strand und Walker Evans, aber auch Eugene Adget, Bill Brandt und August Sander, setzt sich Chris Killip in Porträts sowie Landschafts- und Architekturfotos mit den Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen vor allem in Nord-England auseinander. "arbeit/work" zeigt zudem die frühen Porträts Killips zum ersten Mal in Buchform, ebenso wie seine in Irland und auf der Isle of Man entstandenen Fotos.

Chris Killip: Bever, Skinningrove, Yorkshire, 1980
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© Courtesy of the Artist/© Chris Killip
Chris Killip: Bever, Skinningrove, Yorkshire, 1980

Anders als manch pittoreske Armutsbilder widerspiegeln Killips Fotos seine tiefe Kenntnis dieser Landschaft und ihrer Menschen. Distanz und Nähe, sachliche Beschreibung und subjektive Stellungnahme, das sind Killips Werkzeuge in den fotografischen Erzählungen aus Zeiten des Wandels der klassischen Industriegesellschaft in eine thatcheristisch geprägte moderne Profit-Wirtschaft. Das verleiht den Fotos einzeln wie im Gesamtkontext ihre, oft beklemmende Authentizität. Dazu trägt entscheidend das Schwarzweiß der Bilder bei. Als ein Mittel der Konzentration auf das Wesentliche eingesetzt, hat Schwarzweiß auch im Digital-Zeitalter nichts an Aktualität und Wirkung verloren. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die bunten Bilder des – wie eine ganze Reihe junger Dokumentar-Fotografen – von Killip beeinflussten Martin Parr weitaus bekannter als ihre schwarzweißen Vorläufer sind.

Chris Killip: Torso, Pelaw, Gateshead, Tyneside, 1978
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© Courtesy of the Artist/© Chris Killip
Chris Killip: Torso, Pelaw, Gateshead, Tyneside, 1978

Hintergründiges zu Killip und den Entstehungsgeschichten der Fotos sowie zum Spannungsfeld zwischen Bildjournalismus und Dokumentarfotografie vermitteln Beiträge von David Campany, Dozent am Surrey Institute of Art and Design und Folkwang-Museumskuratorin Ute Eskildsen. Auch die Steidl-like handwerkliche Qualität des Buches überzeugt. Die Bilder im aufwändigen Tritone-Druck vermitteln die Wirkung der im Original etwa 80 x 65 cm großen Fotos auch im kleinen Format.

So erweist sich Killips „arbeit/work“ als durch und durch empfehlenswertes Buch, besonders für Zeitgenossen der dokumentierten und interpretierten Ära wie auch für den fotografischen Nachwuchs, der lernen will, wie man so was richtig gut macht. "arbeit/work" ist für mich schon jetzt eines der Bücher des Jahres.

Der Fotograf

Chris Killip wurde auf der Isle of Man im Jahre 1946 geboren und lehrt seit 1991 als Professor für Visuelle und Umwelt-Studien an der Harvard University lehrte. Seine Arbeiten finden sich in Institutionen wie dem Museum of Modern Art, New York, George Eastman House in Rochester, und der National Gallery of Australia in Canberra. Steidl hat zuvor schon Killips der Pirelli Arbeit (2006) und Seacoal (2011) veröffentlicht.

Chris Killip "arbeit/work"

Edition Folkwang/Steidl

Texte von David Campany und Ute Eskildsen,

136 Seiten, 28,5 x 26,5 cm

84 Tritone-Fotos, Leinen-Hardcover im Schutzumschlag

38 Euro, ISBN 978-3-86930-457-1

 
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