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Kaufberatung Spiegellose Systemkamera: Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Die Wachablösung ist in vollem Gang: Auch rund um die photokina 2014 betreffen die meisten nenneswerten Innovationen bei den Systemkameras die Spiegellosen – und nicht die SLR. Wer heute neu in die Fotografie mit Wechselobjektiven einsteigt, findet bei Canon, Fujifilm, Leica, Nikon, Olympus, Panasonic, Ricoh, Samsung und Sony viele Gründe für den Kauf einer spiegellosen Systemkamera. Wir geben eine umfassende Kaufberatung.
Spiegellose Systemkameras Kaufberatung © Hersteller / Montage: WEKA

Seit 2008 sind spiegellose Systemkameras am Markt und haben sich in der Zwischenzeit als goldener Mittelweg zwischen den digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) und den Kompaktkameras etabliert , und sie schicken sich jetzt an, den DSLR endgültig den Rang abzulaufen.

Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale: DSLRs werden vor allem von Profis und ambitionierten Fotoamateuren gekauft, wegen ihrer Robustheit und der guten Bildqualität. Ihre Nachteile: Sie sind groß und relativ schwer, zudem muss man oft ein paar – mitunter ebenfalls große und schwere – Objektive mitschleppen. Und: Eine gute DSLR-Ausrüstung kostet richtig viel Geld, , muss sie aber nicht. Eine brauchbare Einsteigerkamera mit APS-C-Sensor und einem Kit-Objektiv ist mitunter schon für rund 500 Euro zu haben. DSLR-Preise sind prinzipiell im Sinkflug.

Kompaktkameras mit fest eingebautem Objektiv stehen dagegen für unbeschwerten Fotografierspaß. Sie passen in jede Hemd- oder Jackentasche, so hat man sie immer dabei und es entgeht kein Schnappschuss mehr. Ihr größtes Manko ist die Bildqualität. Sie ist dadurch beschränkt, dass kleinere Sensoren zum Einsatz kommen und auch wenn sich die Lücke mit den 2/3- oder 1-Zoll-Sensoren verringert hat, bleibt sie vor allem bei höheren Empfindlichkeiten deutlich.

Und dazwischen also spiegellose Systemkameras. Mittlerweile ist mit der Samsung NX mini das erste wirklich westentaschentaugliche Modell verfügbar und auch die anderen Modelle sind . Keine ist so klein, in eine Hemdtasche zu passen, trotzdem sind sie leichter und handlicher als eine ausgewachsene SLR – der sie aber bei der Bildqualität sehr nahe kommen und sie teilweise sogar einholen. Die colorfoto.de-Redaktion die wichtigsten Kriterien für Sie zusammengestellt.

Auf dem Weg zum Standard

Seit Jahren können die spiegellosen Systemkameras ihren Marktanteil kontinuierlich ausbauen. Ihr großes Plus: Mit ihren kleinen Abmessungen und geringem Gewicht sind sie viel eher dazu prädestiniert, dass man sie oft dabei hat. Trotzdem sind sie vollwertige Systemkameras, die mit Wechselobjektiven und umfangreichem Zubehör für jede denkbare fotografische Aufgabe gerüstet sind.

Statt einem Spiegel nutzen sie das Signal des Bildsensors, um zu fokussieren und richtig zu belichten. Vor allem höherwertige Modelle leiten dieses Bild zusätzlich an einen Sucher weiter (elektronischer Sucher), andere verzichten ganz darauf oder man muss ihm zum Aufstecken als Zubehör kaufen. Die Elektronik ersetzt aber nicht nur den fehlenden Spiegel, sondern bietet auch viele Funktionen, die mit Spiegel nur eingeschränkt möglich sind, zum Beispiel Vorschaufunktionen für die eingestellten Bildeffekte. Und vor allem bei der Videofunktion haben sie gegenüber den klassischen SLR oft die Nase vorn und beim letzten Autofokustest von ColorFoto konnten mit der Sony NEX-7 und der Panasonic GH2 zwei Spiegellose den Testsieg einfahren – weit vor der ersten DSLR.

Im Aussehen erinnern die Systemkameras ohne Spiegel an die Messsucher-Kameras analoger Tage. Und genauso, wie gute Messsucher-Kameras es durchaus mit einer SLR aufnehmen konnten, liefern auch ihre digitalen Nachfolger in allen Aufnahmesituationen weitaus bessere Bildqualität als eine Kompaktkamera. Und wie bei SLR tritt dieser Qualitätsvorsprung vor allem dann zutage, wenn wenig Licht zur Verfügung steht. Und Sie können die Bilder nicht nur im komprimierten JPG-Format speichern, sondern auch ohne Qualitätsverlust als RAW-Dateien.

Und trotzdem kann man genauso unbeschwert damit fotografieren, wie mit einer Kompakten. Was man beachten sollte: Mit dem Kameragehäuse legt man sich auf ein System fest, denn wie bei den SLR hat fast jeder Hersteller ein eigenes Anschlusssystem, um Objektiv und Kameragehäuse zu verbinden. Man kann Objektive also nur innerhalb eines Systems wechseln, nur Olympus und Panasonic nutzen einen gemeinsamen Standard (Micro-Four-Thirds).

Umgekehrt kann man innerhalb eines Systems die Kamera meist problemlos ersetzen, ohne gleich den ganzen Objektivpark mit austauschen zu müssen. Man sollte ein Kameragehäuse also nach den augenblicklichen Bedürfnissen kaufen und nicht zu weit in die Zukunft spekulieren. Aber obacht: Es gibt Hersteller mit mehreren Systemen (z.B. Samsung oder Leica), die untereinander nur eingeschränkt kompatibel sind.

Vergleich verschiedener Sensorformate. Bei spiegellosen Systemkameras kommen vor allem drei Größen zum Einsatz. © Reinhard Merz
Vergleich verschiedener Sensorformate. Bei spiegellosen Systemkameras kommen vor allem drei Größen zum Einsatz.

Welches Sensorformat?

Je größer der lichtempfindliche Sensor in der Kamera ist, desto rauschärmer und lichtempfindlicher ist er bei vergleichbarer Auflösung. Und auch innerhalb der spiegellosen Systemkameras gilt: Je größer, desto besser. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kommen hier drei Sensorgrößen zum Einsatz:

  • Das Vollformat markiert das obere Ende und kommt aktuell bei den Sony-Modellen Alpha 7 und Alpha 7S zum Einsatz. Auch die Kameras von Leica (M, M9, M-E und M Monochrom), die schon ohne Objektive mehrere tausend Euro kosten und deshalb hier außer Konkurrenz laufen, sind mit einem Vollformatsensor ausgestattet.
  • Das APS-C-Format, das auch bei vielen DSLRs verwendet wird, nutzen zum Beispiel Canon (EOS-M), Fujifilm (X-Pro 1, X-E1, X-E2, X-M1, X-A1,X-T1), Leica (T), Pentax (K-01), Samsung (NX1000, NX1100,NX 2000, NX30, NX210, NX 300 und NX 300M) und Sony (Alpha 3000, 5000, 6000,NEX 3N, 5T, 6, 7).
  • Olympus (Pen-Modelle und OM-D E-M10, OM-D E-M5 und E-M1) und Panasonic (GH4, G6, GF6, GX7, GM1) setzen auf das kompaktere Four-Thirds- und Micro-Four-Thirds-Format.
  • Nikon nutzt für seine aktuellen Modelle J3, S2 AW1 und V3 das noch kleinere CX-Format (1-Zoll), auch die Samsung NX mini kommt mit 1-Zoll-Sensor.
Die Formatvorteile größerer Sensoren kommen vor allem bei ungünstigen Lichtverhältnissen zum Tragen. Schauen Bilder im Format DIN A4 bei einer Empfindlichkeit von jeweils ISO 100 noch durchaus vergleichbar aus, liegen bei ISO 1600 deutliche Unterschiede zwischen Vollformat und 1-Zoll-Format. Umgekehrt erlauben kleinere Sensoren natürlich eine noch kompaktere Bauweise.

Die Auflösung der Systemkameras liegt üblicherweise zwischen 10 und 24 Millionen Pixeln (Megapixel, MP), die Sony Alpha A7R bringt gar einen 36MP-Sensor an den Start, die neue A7S bei gleicher Sensorfläche nur 12MP. Wenn auf einer größeren Fläche weniger Pixel angeordnet sind, reduziert das zwar die Auflösung ein wenig, dafür ist jeder einzelne Pixel etwas größer. Das ermöglicht bessere Bilder bei ungünstigen Lichtverhältnissen.

Unabhängig vom Format sind Sensoren sehr staubempfindlich – dunkle Flecken auf dem Bild zeugen von Staub auf dem Sensor. Manche Kameras bieten deshalb die sinnvolle Funktion, den Sensor mittels Ultraschall zu reinigen.

Mit oder ohne Spiegel: Die Unterschiede © Panasonic
Mit oder ohne Spiegel: Die Unterschiede

Mit oder ohne Sucher?

Einige Systemkameras haben einen eingebauten Sucher, anderen fehlt er. Konstruktionsbedingt sind die eingebauten Sucher hier immer elektronisch - nicht optisch wie bei vielen SLR (siehe Abbildung). Für manche Kameras gibt es zudem optische Sucher zum Aufstecken. In den allermeisten Situationen kommt man ohne Sucher aber genauso gut zurecht. Es hängt viel mehr von der Verwendung ab. Viele Fotografen sind es einfach gewohnt, in einen Sucher zu schauen.

Ist kein Sucher vorhanden, fungiert das Display als Sucher beim Fotografieren. Es sollte deshalb groß sein - 3 Zoll Minimum – und auch eine hohe Auflösung ist wichtig. Denn nur dann erscheinen Motive und Fotos wirklich scharf. Bei der Pixelzahl gelten 153.300 RGB-Pixel (Bildpunkte in den Farben Rot, Grün und Blau) mittlerweile schon als Untergrenze. Gute Displays bieten mit 307.000 RGB-Pixeln das Doppelte und das macht sich in deutlich schärferen Einstellbildern bemerkbar.

Zusätzliche weiße Pixel sorgen für mehr Helligkeit, damit es auch bei Sonnenlicht im Freien besser zu erkennen ist. Idealerweise lässt sich die Helligkeit in Stufen regulieren, die nicht zu nah beieinander liegen sollten. Das schaffen nicht alle Modelle, hier lohnt auf jeden Fall ein Test vor dem Kauf.

Bei manchen Digitalkameras kann man das Display in mehrere Richtungen drehen. So sind zum Beispiel Überkopfaufnahmen und Fotos in Bodennähe einfacher möglich, ohne sich den Hals zu verrenken. Ist das Display um 180 Grad nach oben klappbar, wie z.B. bei der Samsung NX mini, sind Selbstporträts unter Sichtkontrolle möglichAuch bei den Systemkameras sind berührungsempfindliche Touchscreens im Kommen, mit deren Hilfe die Kamera komplett bedient wird.

Die Olympus OM-D E-M5 beeindruckt mit äußerst schnellem Kontrast-AF. © Karl Stechlo
Die Olympus OM-D E-M5 beeindruckt mit äußerst schnellem Kontrast-AF.

Autofokus

Um Motive zu fotografieren, die sich schnell bewegen – wie spielende Kinder oder ein rasantes Sportereignis –, brauchen Sie eine schnelle Kamera. Oder anders gesagt eine Kamera mit möglichst kurzer Auslöseverzögerung. Das ist die Zeit, die zwischen dem Druck auf den Auslöser der bereits eingeschalteten Kamera und der Aufnahme vergeht. Auch beim Einschalten sollte die Kamera möglichst schnell startklar sein, damit Sie kein unerwartetes Motiv mehr verpassen . Vorbei sind die Zeiten, als DSLR-Kameras mit Phasen-Autofokus hier den Takt vorgaben. Spiegellose wie die Olympus OM-D E-M10 setzen hier mittlerweile klar die Bestmarken.

Zum schnellen Auslösen gehört auch ein schneller und präziser Autofokus. ColorFoto misst diese Zeit sowohl bei hellem Licht als auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Die Werte in den Testberichten geben Ihnen sehr präzise Informationen über diese Kameraeigenschaften. Autofokuszeiten unter 0,3s sind sehr gut, oberhalb von 0,5s wird die Verzögerung deutlich spürbar. Solche Kameras sind für die Actionfotografie dann nur noch sehr eingeschränkt verwendbar.

Bei der Serienbildfunktion können spiegellose Sytemkameras ihre konstruktionsbedingten Vorteile ausspielen. Einsteigermodelle schaffen drei bis vier Bilder pro Sekunde und halten das für wenige Sekunden durch. Manche Kameras wie die Nikon V2 schaffen bis zu 60 Bilder pro Sekunde. Achten Sie bei Angaben der Bilderzahl aber darauf, dass die Bilder mit voller Auflösung aufgezeichnet werden können. Manche Hersteller bieten nämlich auch eine Serienbildfunktion mit reduzierter Auflösung. Das erhöht das Tempo, reduziert aber die Bildqualität.

Die Panasonic Lumix DMC-GH3 verfügt über ein Magnesiumgehäuse mit Spritzwasserschutz. © Panasonic
Die Panasonic Lumix DMC-GH3 verfügt über ein Magnesiumgehäuse mit Spritzwasserschutz.

Ausstattung, Verarbeitung und Bedienung

Einsteigermodelle sind in der Regel aus Kunststoff gefertigt, höherwertige Modelle aus dem robusten Leichtmetall Magnesium. Damit steckt die Kamera auch harte Schläge weg, wiegt aber mehr. Doch auch Kunststoffgehäuse können durchaus wertig sein. Form und Haptik der Handgriffe und der gummierten Griffflächen haben großen Einfluss auf die Griffigkeit. Je kleiner eine Kamera ist, desto seltener wird man sie wie eine DSLR in zwei Händen halten. Bevor Sie eine Kamera kaufen sollten Sie unbedingt verschiedene Modelle in die Hand nehmen.

Manche Kameras sind zusätzlich gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Das macht sie nicht nur unempfindlicher gegen Witterungseinflüsse, sondern kann auch helfen, Staub auf dem Sensor zu vermeiden. Für extreme Einsätze wie Wüste, Seewasser oder Hochgebirge reicht dieser Schutz aber in der Regel nicht.

Für die Belichtung stehen manuelle Einstellmöglichkeiten und Automatikfunktionen nebeneinander, gemessen wird mit Mehrfeldmessung oder Matrixmessung. Als Alternative sind bei allen Modellen eine mittenbetonte Integralmessung oder eine Spotmessung mit an Bord. Das ermöglicht flexiblen Einsatz in praktisch jeder Situation.

Hilfreich für die Bedienung ist es, wenn die Kamera ein Schnellzugriffsmenü (Quick-Access-Menü) besitzt, um wichtige Parameter mit einem Handgriff zu ändern. Ansonsten ist der Aufbau der einzelnen Bedienungsmenüs oft Geschmackssache. . Hier gilt der gleiche Tipp wie für die Bedienung: Vor dem Kauf die persönlich wichtigen Einstellungen einmal durchspielen, dann wissen Sie, wie bequem oder ätzend der Weg dorthin ist. Wer gerne unauffällig fotografiert, sollte darauf achten, dass sich Pieptöne, Hilfslichter etc. abschalten lassen.

Bildqualität

Die Tests von ColorFoto ermöglichen Ihnen eine zuverlässige Beurteilung der Bildqualität anhand von Testtafelaufnahmen. Im Gegensatz zu Kompaktkameras erhalten spiegellose Systemkameras (wie DSLR) eine Beurteilung der Bildqualität immer nur in Kombination mit einem Objektiv, weil die gleiche Kamera mit unterschiedlichen Optiken bestückt auch sehr unterschiedliche Bildqualität liefert. Im Detail werden dazu vor allen die folgenden Kriterien einer Testtafelaufnahme bewertet:

  • Grenzauflösung: Gibt Auskunft  über die Fähigkeit von Bildsensor und Objektiv, feine Strukturen aufzulösen. Die Grenzauflösung wird in Linienpaaren pro Bildhöhe (LP/BH) angegeben. Je höher der angegebene Wert, desto schärfer das Bild.
  • Texturverlust: Mit der Kurtosismessung lässt sich ermitteln, inwieweit die Rauschunterdrückung kontrastarme Strukturen „glattbügelt“, also Detailverluste auftreten. Je kleiner der gemessene Wert, desto geringer der Texturverlust.
  • Rauschen: Mit Rauschen sind bei einer Digitalkamera Störungen des Bildsignals gemeint, die keinen Bezug zum eigentlichen Bildinhalt haben. Das Rauschen wird als „Visual Noise“ (VN) angegeben und nimmt meist bei höheren ISO-Einstellungen zu. Je niedriger der VN-Wert, desto geringer das Rauschen.
  • Objektkontrast: Wird auch als Dynamik bezeichnet und meint die Fähigkeit der Kamera, Objektkontraste wiederzugeben. Die Dynamik wird in Blendenstufen angegeben. Je größer der Blendenwert, desto besser kommt die Kamera mit kontrastreichen Motiven zurecht.
  • Farbe/Weißabgleich: Mit einer abfotografierten Farbmatrix wird ermittelt, inwieweit sich Original und Reproduktion unterscheiden. Die Farbgenauigkeit wird als DeltaE angegeben; je kleiner der Wert, desto genauer die Farbwiedergabe. Analog gilt dies für die Qualität des Weißabgleichs (DeltaRGB).

Im Allgemeinen ist die Bildqualität in etwa proportional zum Preis: Je teurer eine Kamera, desto besser die Bildqualität. Sie können die nackten Zahlen in den Tabellen von ColorFoto auch nach Ihren eigenen Kriterien bewerten. Denn wie oft sie bei wenig Licht (also mit hoher hohe ISO-Zahl) fotografieren, wissen Sie am besten selbst. Dann schauen Sie in der Tabelle einfach bei den Messwerten für diese Empfindlichkeit.Generell sind alle Systemkameras bei der Eingangsempfindlichkeit relativ gut, die Qualitätsunterschiede werden erst bei höheren ISO-Werten deutlich.

Die verschiedenen Hersteller erweitern laufend ihr Objektiv-Angebot für ihre Systemkameras. © Samsung
Die verschiedenen Hersteller erweitern laufend ihr Objektiv-Angebot für ihre Systemkameras.

Objektive und Zubehör

Während die Gehäuse-Preise von spiegellosen Systemkameras häufig in Bewegung (nach unten) sind,  bleiben die Objektivpreise oft über Jahre stabil. Wer mit einem begrenzten Budget haushalten muss sollte gut überlegen, welchen Teil des Budgets er ins Gehäuse investiert und wie viel in Objektive. Spiegellose Systemkameras werden oft zusammen mit einem einfachen Zoomobjektiv angeboten, das als Grundausstattung gute Dienste tut. Diese sogenannten Kits kosten oft kaum mehr als ein Kameragehäuse allein und sind für Einsteiger in ein System deshalb ideal.

Ratgeber: So funktionieren moderne Objektive

Bei beengten räumlichen Verhältnissen sind Weitwinkelobjektive in ihrem Element und da ist es wichtig, die Brennweite des Objektivs variabel anpassen zu können. Hier punkten Zoomobjektive. Der Brennweitenbereich vom leichten Weitwinkel bis zum leichten Tele ist prädestiniert für die Straßenfotografie und Teleobjektive holen weit entfernte Dinge ganz nah heran. Trotz Bildstabilisator ist dann ein gutes Stativ empfehlenswert.

Ein beliebter Spezialist im Objektivteam ist ein Makroobjektiv, das auch kleine Gegenstände formatfüllend aufs Bild bringt. Lichtstarke Festbrennweiten erlauben Freihandaufnahmen auch bei mäßigen Lichtverhältnissen und helfen, die Schärfe im Bild sehr selektiv zu setzen. Passend zum schlanken Gehäuse sind bei den Spiegellosen sogenannte Pancakeobjektive weit verbreitet: Sie sind besonders klein, tragen kaum auf und passen so an der Kamera in die Jackentasche.

Das Objektivangebot der Spiegellosen hat im letzten Jahr deutlich aufgeholt, hinkt bei vielen Herstellern aber trotzdem noch deutlich hinter dem der SLRs her, Oft fehlen vor allem die Exoten wie extrem lange Telebrennweiten oder Spezialobjektive für die Nahfotografie. Die allermeisten fotografischen Situationen werden abgedeckt, sodass das breitere Objektivprogramm mittlerweile kein Argument mehr für die DSLR ist.

Fast alle Hersteller bieten für firmeneigene SLR-Objektive Adapter an, um sie an spiegellosen Systemkameras verwenden zu können. Das funktioniert zwar, Automatikfunktionen sind aber oft eingeschränkt und der Autofokus langsam. Zubehöranbieter wie Novoflex haben zudem Adaper im Angebot, mit denen Festbrennweiten (etwa von Zeiss oder Leica) passen. Allerdings können diese Objektive nur manuell fokussiert werden. Was zudem gegen eine solche Lösung spricht: Objektive für DSLR sind oft größer und schwerer, da macht Mitnehmen keinen Spaß.

Manche Kameras verfügen über einen eingebauten Miniblitz und einen Blitzschuh, um ein externes Blitzgerät anzuschließen. Diese Geräte sind nicht nur deutlich kräftiger, sondern zudem dreh- und schwenkbar und erlauben dadurch eine gezielte Lichtführung.

Die Hersteller

  • Canon
    Canon EOS M © Canon

    Canon behandelt den Markt der spiegellosen Systemkameras bisher etwas stiefmütterlich. Das einzige Modell am Markt, die Canon EOS-M, hat einen Sensor im Format APS-C  und wird per Touchscreen gesteuert. Canon kombiniert den Touchscreen dabei sinnvoll mit den wenigen Einstellmöglichkeiten direkt am Gehäuse. Ein eingebauter Blitz fehlt, ein externes Blitzgerät gehört dafür zum Lieferumfang.  

    Über einen 120 Euro teuren Adapter kann man Objektive mit EF- und EF-S-Bajonett anschließen, sogar der Autofokus funktioniert, wenn auch gemächlich. Allerdings wird die Kamera damit schwer und unhandlich, die Kombination mit älteren Objektiven ist also nur als Notnagel zu empfehlen. Ansonsten umfasst das Objektangebot bislang nur eine Weitwinkel-Festbrennweite und ein Dreifach-Zoom. Die in Asien zeitweise verkaufte EOS-M2 hat nie den Weg nach Europa gefunden und ob es rund um die photokina 2014 eine EOS-M3 geben wird, steht in den Sternen. Hier spielt ein Hersteller fahrlässig mit seiner Zukunftsfähigkeit.
  • Fujifilm
    Fujifilm X-Pro 1 © Fujifilm

    Fujifilm hat sein Sortiment an spiegellosen Systemkameras seit der photokina 2012 deutlich ausgebaut. Zur rund 1600 Euro teuren Fujifilm Pinepix X1 Pro gesellten sich die Modelle X-E1; X-E2, X-M1 und X-T1. Alle Modelle nutzen den gleichen 16,3-Megapixel-Sensor im APS-C-Format. Er ist aufwändig konstruiert (unregelmäßige Farbfilter-Anordnung ohne Tiefpassfilter) und verfügt über ein Sensorreinigungssystem. Die Tester von ColorFoto bescheinigen ihm Spitzenbildqualität, die mit Schärfe und Detailtreue bis in hohe ISO-Stufen fast auf dem Niveau einer professionellen Vollformat-SLR liegt.
     
    Unterschiedlich sind die Suchersysteme. Die X1 Pro hat einen Hybridsucher, der wahlweise optisch oder elektronisch funktioniert. Der 3-Zoll-LCD-Monitor arbeitet nach dem RGBW-Prinzip und hat eine Auflösung von effektiv 307.000 RGBW-Pixeln. Und das neue Spitzenmodell X-T1 hat einen elektronischen Sucher mit 0,77-facher Vergrößerung – so groß wie bei Spitzen-DSLR und größer als bei jeder anderen spiegellosen Systemkamera – und ist stark an die klassische SLR-Bedienung angelegt. Ein Vorteil für alle, die gerne mit Einstellrädern arbeiten.

    Auch die Objektivpalette hat Fujifilm in den letzten Monaten deutlich erweitert. Neben sechs Festbrennweiten (KB 21 mm, 27mm, 35 mm, 41 mm, 53 mm sowie ein Makro mit 91 mm und ein extrem lichtstarkes Porträtobjektiv 1,2/84 mm) umfasst das Angebot jetzt vier Zooms, die den Brennweitenbereich von 24 bis 345 mm KB abdecken (10-24, 18-55, 24-76, 27-84, 27-203, 55-200, 75-210, 27-84, 84-305, 75-345 mm KB).

  • Leica
    Leica M-E © Leica

    Leica ist ein Hersteller von besonderen Kameras mit besonderen Preisen. . Das gilt auch für die erste spiegellose Systemkamera, die Leica T. In dem Apple-like aus einem Aluminiumblock gefrästen Gehäuse verrichtet ein 16-MP-APS-C-Sensor seinen Dienst. Der hervorragenden Bildqualität und der überzeugenden Haptik und Verarbeitung stehen Kritikpunkte wie der hohe Preis und der langsame Autofokus gegenüber.

    Daneben hat der Hersteller mit der Leica M9 hat der Hersteller das jahrzehntealte Konzept der M-Messsucherkameras ins digitale Zeitalter gebracht. Einen integrierten Blitz, Autofokus und einen mechanischen Bildstabilisator sucht man hier vergebens, dafür kommt ein einzigartiger optischer Messsucher mit Leuchtrahmen zum Einsatz. Die Bildqualität wird einer Vollformatkamera gerecht, die Preise für Gehäuse und Objektive sind hoch. Etwas günstiger, aber immer noch 4800 Euro teuer, ist die Leica M-E, die der M9 sehr ähnlich ist, 18-MP-Vollformatsensor inklusive.
     
    Das besonders puristische Modell Leica M-Monochrom ist laut Leica „die erste digitale Kleinbildkamera, die kompromisslos einzig für Schwarz-Weiß-Aufnahmen entwickelt wurde.“ Vor dem 18-MP-Sensor befindet sich kein RGB-Filter, dadurch ist die Grundempfindlichkeit höher und Auflösung und Rauschverhalten bewegen sich auf dem Niveau von 40-MP-Mittelformatsensoren.Das Edelmodell M hat einen 24-MP-Sensor und beherrscht Live-View und Video, allerdings muss man sich mit rein manueller Fokussierung abfinden. 

  • Nikon
    Nikon 1 J2, Kamera, Foto © Nikon

    Nikon hat vor Jahren mit seinem System 1 einen eigenen Weg eingeschlagen und setzt auf einen 1 Zoll kleinen CX-Sensor. Das ist die gleiche Sensorgröße, die bei den High-End-Kompaktkameras von Sony (RX 100, QX100) oder Samsungs Mini-Systemkamera NX mini zum Einsatz kommt und besonders handliche Kameras und Objektive ermöglicht. Das fällt vor allem bei den Zooms auf, die deutlich kompakter ausfallen als vergleichbare Brennweiten für Kameras mit größeren Sensoren. Bei der Bildqualität macht sich der kleinere Sensor allerdings negativ bemerkbar. Insgesamt ist die Bildqualität zwar ordentlich, bei höherer Empfindlichkeit aber schlechter als bei anderen Systemkameras.

    Fünf Modelle stehen aktuell zur Auswahl: Das Einsteigermodell S2 hat einen 10-MP-Sensor und kostet mit Kit-Objektiv um die 500 Euro. Einen 18-MP-Sensor bieten die auch ansonsten besser ausgestattete J4 und das Topmodell V3. Letztere hat einen elektronischen Sucher, ist aber klobiger, schwerer und teurer. Wer den Größenvorteil des kleinen Sensor nutzen möchte, ist daher mit der J3 besser bedient. Das Modell Nikon 1 AW1 ist wasserdicht, stoßfest und frostbeständig und so gut gegen Umwelteinwirkungen und kleinere Unfälle geschützt. Rekordverdächtig ist die Serienfunktion der Serie 1 mit rund 60 B/s. 

    Die Nikon-1-Kameras sind eher ein sinnvoller Aufstieg von der Kompaktkamera, als eine ernsthafte Alternative zu SLRs. Die Objektivpalette umfasst neun Zooms und vier Festbrennweiten in einem Bereich von 18-300 Millimeter KB. SLR-Objektive von Nikon können über einen 240 Euro teuren Adapter angeschlossen werden, Sinn macht das aber keinen: Die Kamera schaut dann aus wie ein Zubehörteil des Objektivs.

  • Olympus
    Pen E-PL5 © Olympus

    Olympus gehört mit Panasonic zu den Pionieren der spiegellosen Systemkameras und hat hier zwei Eisen im Feuer: die bewährte Pen-Serie mit sechs Modellen für Ein- und Aufsteiger sowie die Modellreihe OM-D für gehobene Ansprüche. In beiden Modellreihen kommen Sensoren im Four-Thirds-Format zum Einsatz.

    Kaufberatung Olympus-System: Sechs Systemkameras im Vergleich

    Die Pen-Modelle verzichten zugunsten einer kompakten Bauform auf den integrierten Sucher, bieten aber einen Anschluss für einen optionalen elektronischen Sucher, der allerdings mit gut 200 Euro zu Buche schlägt. Im Gegensatz dazu hat die Olympus OM-D E-M5 einen integrierten elektronischen Sucher und eine Auflösung von 16 Megapixel. Sie hat ferner ein abgedichtetes Magnesiumgehäuse, einen pfeilschnellen Autofokus.

    Das alles hat seinen Preis. Während das Auslaufmodell E-M5 knapp über 1000 Euro kostet, sind für das neue Topmodell OM-D EM-1 rund 1500 Euro fällig. Mit diesem Modell ersetzt Olympus endgültig das Four-Thirds-System durch Micro-Four-Thirds. Das erlaubt ein besonders kompaktes Gehäuse, wie auch die ColorFoto-Tester bescheinigen: „Die wohl überzeugendste Kamera, die der Hersteller bisher gebaut hat.“ Deutlich günstiger ist der Einstieg ins OM-D-System mit der E-M10, die für rund 600 Euro zu haben ist. Sie hat viele Details der großen Schwestern, verzichten muss man unter anderem auf das spritzwassergeschützte Gehäuse. Dafür hat sie ein einen eingebauten Miniblitz an Bord und glänzt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

    Als Flaggschiffe der Pen-Serie kombiniet das Modell Olympus Pen E-P5 und Olympus Pen E-P3 ein Metallgehäuse mit einem sehr schnellen Kontrast-Autofokus und einem guten 3-Zoll-Touchscreen. Hier steckt viel Technik der semiprofessionellen OM-D-Reihe in einem Retrogehäuse, das den Olympus-Modellen aus den 1960er-Jahren nachempfunden ist.

    Die Pen E-PM2 aus der Pen-Mini-Reihe ist das kleinste und günstigste und konsequent auf Mobilität getrimmt. Die Modelle Olympus E-PL5 und E-PL6 gehören zur Pen-Lite-Serie, die in Preis, Gehäusegröße und Ausstattung innerhalb der Pen-Reihe die goldene Mitte darstellt.

  • Panasonic
    Test Panasonic Lumix GH3 © Panasonic

    Panasonic brachte 2008 die erste spiegellosen Systemkameras auf den Markt und setzt seitdem wie Olympus konsequent auf das Four-Thirds-Format. Ein kleiner Ausklappblitz ist bei Panasonic obligatorisch, ebenso die Sensorreinigung, der 3-Zoll-Touchscreen und das Bedienkonzept, bei dem der Anwender vieles wahlweise durch Berühren des Monitors oder über Tasten regeln kann.

    Grob lässt sich das Lumix-G-System in zwei Klassen unterteilen: die Einsteigerkameras und die Kameras für gehobene Ansprüche. Dabei besteht das Sortiment jeweils aus einem Modell mit integriertem Sucher und einem ohne. Das leichteste, kompakteste und günstigste Mitglied des G-Systems heißt aktuell Panasonic Lumix GF6 . Zur Bildkontrolle steht hier nur der fest verbaute Touchscreen bereit. Das Einsteigermodell mit Sucher heißt Panasonic Lumix G6, zudem ist der Sucher hier verstellbar.

    Topmodell ist die Lumix DMC-GH4 mit 16-MP-Sensor. Im Videobereich verwischt sie die Grenze zwischen Consumer-und professionellen Video-Kameras. Als bislang einzige spiegellose Systemkamera kann sie 4K-Videos aufnehmen (wahlweise im TV-Format mit 3.840x2.160 Pixeln oder im Kino-Format mit 4.096x2.160 Pixeln). Selbst wenn sie auch beim Fotografieren durchaus eine gute Figur macht, ist die Panasonic Lumix GH4 vor allem für die Nutzer interessant, die ihre Kamera auch als vollwertigen Camcorder sehen.

     
    Auch das Vorgängermodell Lumix DMC-GH3 bleibt vorerst am Markt und verügt wie die GH4 über einen 16-Megapixel-Sensor und ein abgedichtetes Gehäuse, das sie unempfindlich gegen Staub und Spritzwasser macht. Außerdem bietet sie innerhalb des G-Systems den besten Sucher mit der höchsten Auflösung und einen verstellbaren Touchscreen. Die Lumix DMC-GX7 bietet fast die gleiche Bildqualität, ist aber eine ganz Ecke günstiger und glänzt mit einer besonders schnellen Auslöseverzögerung sowie einen klappbaren Sucher.

    Besonders klein und kompakt ist das Modell Lumix GM1. Hier  hat Panasonic die Bedienelemente konsequent auf das Allernötigste reduziert, gesteuert wird die Kamera vorwiegend über den Touchscreen.

  • Pentax / Ricoh
    Pentax Q10 mit 15-45mm-Zoom © Pentax

    Obwohl aus dem gleichen Haus, gehen Pentax und Ricoh zum Teil erheblich unterschiedliche Wege und sprechen entsprechend verschiedene Zielgruppen an.

    Die Pentax K-01 ist mit einem Sensor im APS-C-Format mit 16 MP ausgestattet, Bildstabilisierung und Staubschutz inklusive. Mit dem Pancake-Objektiv 2,8/40 mm XS (entspricht 61 mm KB) bildet die K-01 eine besonders kompakte Einheit.

    Ricoh geht mit seinen Objektiv-Sensor-Modulen GXR im spiegellosen Gehäuse einen Sonderweg, Hier wechselt man nicht nur das Objektiv, sondern gleich das gesamte Aufnahmemodul mit Optik, Sensor und Bildprozessor. Ein robuste Magnesium-Gehäuse stellt als Basis ein 3-Zoll-Display, Aufhellblitz, Zubehörschuh und die kompletten Bedienelemente zur Verfügung.

    Durch diese Bauweise lassen sich Sensor und Objektiv optimal aufeinander abstimmen, dafür ist die Auswahl der zur Verfügung stehenden Module bislang überschaubar: zwei Festbrennweiten und drei Zooms. Dabei haben die beiden Festbrennweiten (50 mm und 28 mm KB und A12 28 mm KB) und das Zoom 24-85 mm einen Sensor im APS-C-Format, die beiden anderen Zooms  (24-72 mm KB; 28-300 mm) jedoch nur einen 1/1,7 Zoll-Kompaktkamerasensor. Mit dem „Mount-Modul“ können Objektive mit M mount (etwa von Leica, Zeiss oder Voigtländer) angeschlossen werden.

    Eine Besonderheit ist das Q-System von Pentax mit den Modellen Pentax Q und Pentax Q10. Als  bislang einzige Modelle der 1 / 2,3-Sensor-Klasse können sie mit Wechselobjektiven bestückt werden. Als Standard-Optik kommen ein 1,9/47 mm Pancake oder ein 2,8-4,5/28-83 mm-Zoom in Frage (alle Brennweiten KB-äquivalent); darüber hinaus listet das Programm ein 17,5mm Fisheye, sowie ein 35mm Weitwinkel und ein 100mm Tele. Größter Nachteil von Q und Q10 ist der kleine 1 / 2,3-Sensor, der kaum höhere Empfindlichkeiten ermöglicht. Mit den beiden Modellen Q7 und Q-S1 hat Pentax mittlerweile auch zwei Kameragehäuse mit größerem 1 / 1,7-Zoll-Sensor ins Rennen geschickt. Sie schaffen deutlich bessere Bilder, ohne an die  Qualität der noch größeren Sensoren heranzureichen.

     

  • Samsung
    Samsung NX210 © Samsung

    Die drei aktuellen Modelle heißen Samsung Galaxy NX, NX30, NX300, NX1100 und NX2020. Alle sind mit einem 20,3 Megapixel-Sensor im APS-C-Format ausgestattet. NX20, NX210 und NX300 haben ein besonders leuchtstarkes AMOLED-Display, die NX1000 einen „einfachen“  3-Zoll-Monitor. Die NX2020 punktet mit einem besonders großen 3,7-Zoll-Display. Einen elektronischen Sucher hat nur die NX30 und die Galaxy NX. Die Galaxy ist ein Exot unter den Kameras, besitzt sie doch ein komplettes Android-Betriebssystem und zielt so auf die jungen „Touchscreener“, die durchaus Geld für eine anständige Kamera ausgeben, aber nicht auf ihre Multitouch-Schnittstelle verzichten wollen.
     

    Alle drei neuen spiegellosen Systemkameras arbeiten mit Samsungs i-Function. Blende und Verschlusszeit lassen sich so direkt am Objektiv einstellen. Über eine spezielle WLAN-Taste können die Kameras eine direkte Datenverbindung zum Smartphone oder PC aufbauen.

    Das Objektivangebot von Samsung deckt mit zwölf Optiken einen weiten Anwendungsbereich ab. Es ist neben dem Four-Thirds-Angebot von Olympus und Panasonic aktuell das umfangreichste Sortiment, das speziell für spiegellose Systemkameras gerechnet wurde und umfasst drei Pancakes mit verschiedenen Brennweiten (16, 20, 30 mm), drei lichtstarke Festbrennweiten (10, 45, 85 mm), ein 60 mm-Makro fünf Zooms mit einen Brennweitenbereich von 12 bis 200 Millimetern und ein 45-Millimeter-3D-Objektiv.

    Für die NX mini mit ihrem 1-Zoll-Sensor gibt es eine eigene Objektivreihe, die bislang lediglich aus einer 3,5/9mm Festbrennweite (24mm KB) und einem 3,5-5,6/9-27 mm Zoom (24-73 mm KB) besteht. Hier dürften bald weitere Brennweiten folgen.

  • Sony
    Sony NEX-6 im Test © Sony

    Sony setzt bei seinem NEX-System auf Sensoren im APS-C-Format. Das Einsteigermodell Sony NEX-3N kostet mit einfachen Universalzoom weniger als 500 Euro, hat einen Sensor mit 16MP Auflösung und ein Staubschutzsystem. Bedient wird die NEX-F3. Die Bedienung über den 3 Zoll großen Touchscreen-Monitor mit 153.000 RGB-Pixeln Auflösung, der nach oben und unten klappbar ist.

    Kaufberatung Sony-System: Alle NEX-Modelle im Vergleich

    Die Ausstattung der NEX-Kameras steigt über die Modelle Sony NEX-5T und NEX-6 ständig an bis zum Spitzenmodell Sony NEX-7 mit einem prima elektronischen Sucher und 24MP-Sensor. Dadurch ist sie allerdings auch deutlich größer und teurer – 1.200 Euro werden dafür aufgerufen. Das umfassende Programm bietet so für jeden Geschmack das passende Gehäuse.

    Zu den NEX-Kameras gibt es von Sony eine Reihe von E-Objektiven, aktuell 4 Festbrennweiten im Weitwinkel und Normalbereich (16, 18, 35, 50 mm KB) sowie eine Reihe von Zooms mit einem Gesamtbrennweitenbereich von KB-äquivalenten 18-210 Millimetern Brennweite. Objektive für Sonys SLR-Objektive (A-System) können über einen entsprechenden Adapter angeschlossen werden.

    Mit den Modellen A7, A7R und A7Shat Sony die neue Klasse der spiegellosen Systemkameras mit Vollformatsensor etabliert. Während die A7 mit dem Vollformat-typischen 24MP ausgestattet ist, zeigt die A7R mit 36 MP besonders viel Liebe zum Detail und spielt in punkto Auflösung in einer für Spiegellose neuen Liga. Bei der A7S ist die Auflösung trotz Vollformat auf 12 MP limitiert. Durch die deutlich größeren Pixel kann die S vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen punkten. Für die Vollformat-Spiegellosen gibt es neue Objektive unter der Bezeichnung "FE".

  • Exkurs: Kameras mit fest eingebauten Objektiven
    Leica X2 © Leica

    Als „Exoten“ finden Sie hier Kameras, die wie Kompaktkameras über ein fest eingebautes Objektiv verfügen, aufgrund ihres großen Sensors aber eher mit den Systemkameras konkurrieren.

    Fujifilm X100 und X100S

    Die FujifilmX100 hat eine 23-mm-Festbrennweite (35 mm KB) und einen Sensor im APS-C-Format. Ein hochauflösender Hybridsucher macht die Bildgestaltung einfach. Die Auflösung der 12,2-MP-Kamera ist ok, die Dynamik hoch, Textur und Rauschen im grünen Bereich. Der Preis liegt bei 1.000 Euro. Das Schwestermodell X100S hat einen 16-MP-Sensor und einen Hybrid-Autofokus, der je nach Aufnahmesituation zwischen Kontrast- und Phasen-AF umschaltet.

    Leica X2 und X Vario

    Die beiden Leica X-Modelle haben einen 16-MP-Sensor im APS-C-Format und die X2 ein 2,8/24 mm Objektiv, das etwa der klassischen Reportagebrennweite 35 mm (KB) entspricht. Bei der Bedienung und Kamerasteuerung reicht das Leica X2-Angebot von Programmautomatik bis hin zu manuellen Einstellungen sowie verschiedenen Belichtungsmess- und Autofokus-Methoden. Die X Vario verfügt über ein 2,5-fach Zoom 3,5-6,4/18-46 mm (entsprechend ca. 26-67 mm KB) und ist ansonsten vergleichbar ausgestattet.

    Sigma DP1, DP2, DP3

    Die Sigma DP1, DP2 Merrill und DP3 Merrill kommen mit einem APS-C-Sensor, der wie bei allen Sigmakameras aus drei verschiedenen Schichten besteht (Foveon-Sensor) und pro Schicht 14MP auflöst. Dieser Sensor verhilft ihnen zu einer herausragenden Auflösung bei ISO100 und 400, sie bieten dort die Qualität einer Vollformatkamera zu einem wesentlich günstigeren Preis (ca. 1100 Euro). Ab ISO800 fällt die Qualität der JPEGs allerdings rapide ab. Der langsame Autofokus und eine allgemein sehr schleppende Signalverarbeitung trüben den sonst positiven Gesamteindruck aber deutlich. Die DP1-Geräte haben eine fest eingebautes Weitwinkelobjektiv (28 mm KB), die DP2-Geräte ein Normalobjektiv (41 mm KB) und die DP3 ein leichtes Tele (75 mm KB). ). Im Februar 2014 kündigte Sigma ein komplettes Update der Reihe an (Sigma dp quattro). Davon ist bisher allerdings nur die dp2 quattro auf dem Markt. Die ColorFoto-Tester bestätigen Ihr Verbesserungen in den Haupt-Kritikpunkten, auch wenn sie langsam bleibt. Einen Kauftipp gibt es für die überragende Bildqualität bei ISO 100.

    Sony RX1 und RX1R

    Auch die auf der Photokina 2012 neu vorgestellte Sony RX1 verfügt über einen Vollformatsensor mit 24,3 Mio. Pixel und ein festbrennweitiges F2,0/35 mm Sonnar-T-Objektiv von Carl Zeiss. Die RX1R verzichtet im Vergleich zum Schwestermodell auf den Tiefpassfilter und holt so das letzte Quentchen Bildqualität aus dem Sensor. Die rund 3000 Euro, die dafür aufgerufen werden, sind natürlich eine Hausnummer.

Welche Trends bestimmen die Zukunft?

Bislang haben vor allem Berufsfotografen bedingungslos auf SLR gesetzt, um den Größenvorteil eines Vollformatsensors nutzen zu können und damit mehr Reserven für Ausschnitte oder Vergrößerungen im XXL-Format zu haben. Das ist Schnee von gestern. Sony hat mit dem Vollformat-Ensemble A7, A7R und A7S gezeigt, dass man kompromisslose Qualität auch ohne Spiegel realisieren kann.

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Und es ist nicht davon auszugehen, dass die anderen Hersteller das Feld der spiegellosen Vollformater kampflos Sony überlassen. Aktuell hüllen sich alle in Schweigen, aber spätestens nach der photokina 2014 wird es hier sicher Bewegung im Markt geben. Man muss es klar sagen: Es gibt kaum mehr einen Bereich, in dem spiegellose Systemkamers nicht mit DSLRs mithalten können und an vielen Stellen – siehe Autofokus – sind sie mittlerweile einfach besser. Dass es für einen klappbaren Spiegel im Digitalkamera-Konzept der Zukunft noch einen Platz gibt, ist kaum vorstellbar.

 
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