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Spiegelreflexkamera Kaufberatung Was muss ich beim DSLR-Kauf beachten?

Sie überlegen, eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) zu kaufen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen, geben Ihnen eine umfassende Beratung und verraten, worauf Sie beim Kauf achten müssen - von der Ausstattung bis zum Hersteller.
DSLR Kaufberatung © afe207 - Fotolia.com / WEKA

Digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) liefern von allen Kameratypen die beste Bildqualität und sind am flexibelsten einsetzbar – auch wenn ihr Vorsprung gegenüber spiegellosen Systemkameras schrumpft. Deswegen tauschen immer mehr Amateurfotografen ihre Kompaktkamera gegen eine DSLR. Aber welches DSLR-Modell ist das richtige? Rund 50 Modelle von 12 Herstellern stehen zur Auswahl.

Alle Hersteller versuchen, mit günstigen Einsteigermodellen Kunden langfristig zu binden. Denn Fakt ist: Wer sich einmal für eine Marke entschieden hat, kauft nicht nur eine Kamera, sondern legt sich auch auf ein System fest – und kauft später passende Objektive, Blitzgeräte und Zubehör nach. Auch wenn sich fotografisches Können und technische Anforderungen an die Kamera weiterentwickeln, bleiben die meisten Fotografen auch als Fortgeschrittene oder Profis dem einmal gewählten System treu.

Entsprechend sorgfältig sollte man seinen Einstieg in die Welt der digitalen Spiegelreflexfotografie planen. Da es mittlerweile nur noch digitale Kameras gibt, verzichten wir auf das D in der Abkürzung und sprechen von SLR. Die Abkürzung steht übrigens für Single Lens Reflex – Kamera mit einem Objektiv –, nicht etwa für Spiegelreflex.

Beim Preis  unterscheiden sich das günstigste und teuerste Modell locker um den Faktor 10 – entsprechend groß sind die Unterschiede bei der Ausstattung. Auf den folgenden Seiten hat die colorfoto.de-Redaktion die wichtigsten Fragen für Sie zusammengestellt und beantwortet. So sind Sie für den Kauf einer Spiegelreflexkamera bestens gerüstet.

Was unterscheidet SLRs von anderen Kameras?

Spiegelreflexkameras bieten im Vergleich zu Kompaktkameras zwei wesentliche Vorteile:

  1. Die Sensoren, die das Bild aufzeichnen, sind deutlich größer. Das ermöglicht eine erheblich bessere Bildqualität.
  2. Statt fest eingebauter Optiken gibt es Wechselobjektive. So lässt sich die Kamera an jede erdenkliche Aufgabe optimal anpassen.

Eine Sonderrolle nehmen die sogenannten Bridgekameras (auch Megazoomer genannt) ein. In Größe und Aussehen erinnern sie an eine SLR, tatsächlich sind sie aber klassische Kompaktkameras mit kleinem Sensor und fest eingebautem Objektiv, das einen sehr großen Brennweitenbereich vom Weitwinkel bis zum starken Tele abdeckt.  Zudem bieten sie oft ähnliche Einstellmöglichkeiten wie eine Spiegelreflexkamera.

Die spiegellosen Systemkameras (Link zu Kaufberatung spiegellose Systemkameras) liegen bei Größe und Gewicht zwischen den Kompaktkameras und den SLR. Sie sind trotzdem mit vergleichsweise großen Sensoren und Wechselobjektiven ausgestattet und nähern sich den SLRs bei der Bildqualität zusehends an.

Generell gilt: Wenn Sie sich beim Fotografieren wenig um Kamera-Einstellungen kümmern wollen, ist eine Kompaktkamera für Sie ideal, die alle wichtigen Einstellungen selbsttätig vornimmt. Wenn Sie allerdings schon fotografische Grundkenntnisse besitzen und jetzt mehr Wert auf hohe Bildqualität und viele Einstellmöglichkeiten legen, kommen Sie um ein Spiegelreflexmodell nicht herum.

SLR – Vor- und Nachteile auf einen Blick

Kommt es nur auf die Bildqualität an und spielt der Anschaffungspreis nur eine untergeordnete Rolle, dann eignen sich Spiegelreflexkameras für alles am besten, denn sie liefern in allen Aufnahmesituationen bessere Bildqualität als eine Kompaktkamera. Je weniger Licht zur Verfügung steht, desto größer der Qualitätsvorsprung der SLR. Sie punkten also vor allem auch bei stimmungsvollem Dämmerlicht oder bei Innenaufnahmen ohne Blitzgerät.

Eine DSLR ist dank Wechselobjektiven flexibel einsetzbar (im Bild: Pentax K-5). © Pentax
Eine DSLR ist dank Wechselobjektiven flexibel einsetzbar (im Bild: Pentax K-5).

Darüber hinaus sind DSLRs universell einsetzbar. Wer unbeschwert fotografieren möchte, hat mit einem passenden Zoomobjektiv und der Automatikeinstellung ein ähnlich unbeschwertes Fotografieren wie mit einer Kompakten. Umgekehrt sind sie durch die große Zahl unterschiedlicher Objektive und die Möglichkeit, alle Aufnahmeparameter wie Empfindlichkeit, Verschlusszeit und Blende auch von Hand einzustellen, für jede denkbare fotografische Aufgabe gerüstet.

Ein weiterer Vorteil, der gerne übersehen wird, ist die ausgezeichnete Ergonomie. Eine Spiegelreflexkamera liegt durch Form und Gewicht gut in der Hand und lässt sich durch die groß dimensionierten Knöpfe und Räder gut bedienen. Die kleinen Kompakten sind bei der Bedienung der Tasten oft fummelig und wegen der glatten (weil hübschen) Oberfläche schwierig zu halten.

Im Vergleich zu DSLRs sind Kompaktkameras kleiner, leichter und einfacher zu bedienen (im Bild: Casio Exilim EX-H50) © Casio
Im Vergleich zu DSLRs sind Kompaktkameras kleiner, leichter und einfacher zu bedienen (im Bild: Casio Exilim EX-H50)

Nachteile gibt es natürlich auch. Größe und Gewicht punkten zwar bei der Ergonomie, die SLR passt dadurch aber nicht eine Jackentasche, sondern wird um den Hals gehängt oder in der Hand getragen. Keiner von uns tut das immer, so geht uns manch interessantes Motiv durch die Lappen. Und der Anschaffungspreis einer SLR kann bei ein paar zusätzlichen Objektiven schnell ein Vielfaches einer Kompaktkamera betragen. Last not least: Selbst die ansonsten unglaublich praktischen Wechselobjektive können ein Nachteil sein. Wenn man nämlich das passende Objektiv gerade nicht dabei hat oder wenn durch einen Objektivwechsel bei schlechtem Wetter Feuchtigkeit oder Schmutz ins Kamerainnere gelangen und dort für Probleme sorgen.

Wie unterscheiden sich die Systeme der verschiedenen Hersteller?

Da jeder Hersteller seinen eigenen Brei kocht, ist man mit dem Einstieg bereits festgelegt. Angenommen, Sie starten mit einem Einsteigergehäuse und zwei Objektiven. Dann können Sie später ein hochwertigeres Gehäuse des gleichen Herstellers kaufen und die Objektive problemlos weiterhin verwenden. An Gehäuse anderer Hersteller passen die Objektive – von wenigen Ausnahmen abgesehen – aber nicht.

Fremdhersteller von Objektiven wie Sigma oder Tamron bieten ihre Objektive zwar mit Anschlüssen für die Modelle mehrere Kamerahersteller an, aber auch da passt ein für Canon gebautes Objektiv nur an eine Canon und ein für Nikon gebautes nur an eine Nikon.

Blitzgeräte werden zwar über einen genormten Blitzschuh angeschlossen und sehen aus, als seien sie systemübergreifend verwendbar, sind sie aber nicht. Durch die komplexen Automatikfunktionen muss man später bei einem Systemwechsel auch das Blitzgerät tauschen. Nur einfache Zubehörteile wie Filter oder Speicherkarten sind dagegen komplett unabhängig vom Kamerahersteller.

Canon und Nikon sind die Platzhirsche im Bereich der großen DSLRs mit Spiegel. Sie haben die meisten Modelle und decken den kompletten Bereich vom Einsteiger- (z.B. Canon EOS 1200D, Nikon D3300) bis zum Profimodell (z.B. Nikon D4s, Canon EOS 1Dx) ab. Darüber hinaus punkten sie mit dem umfangreichsten Angebot an Objektiven und Zubehör.

Sony hat in den letzten Jahren in Tiefe und Breite des Angebots deutlich aufgeholt und besticht durch viele Innovationen. So entwickelte man dort neben klassischen SLRs mit einem feststehenden Spiegel (z.B. Sony SLT Alpha 37). Dieses Konstruktionsprinzip bietet eine Reihe von Vorteilen, vor allem wenn man die Kamera auch zum Videofilmen benutzt.

Leica mit der S2 und Hasselblad mit der H4D (und bald mit der H5) und Pentax mit der 645D (und bald mit der 645 DII) bedienen den Profibereich – dafür sorgen allein schon Preise im hohen vierstelligen oder fünfstelligen Bereich. Pentax hat daneben auch eine Reihe von Amateurmodellen unterschiedlicher Kategorien vom Einsteigermodell K-r bis zur gehobenen K5-II s im Programm. Ein Sonderfall ist die Pentax Q7, die zwar über Wechselobjektive verfügt, aber nur einen 1/1,7-Zoll großen Sensor zur Aufnahme nutzt, wie er sonst in besseren Kompaktkameras zum Einsatz kommt.

Olympus setzt mittlerweile komplette auf die kompakteren Modelle ohne Spiegel, wie auch Panasonic, Fujifilm und Samsung. Auch Sony, Canon und Nikon haben mittlerweile solche Kameras im Programm.

Ricoh geht mit seinen Objektiv-Sensor-Modulen im spiegellosen Gehäuse genauso einen Sonderweg, wie Sigma mit dem besonderen 3-Schichten-Sensor in der klassischen SLR Sigma SD1.

Klicktipp: Unsere Galerie präsentiert die besten DSLRs mit APS-C-Sensor:

Auf welche Ausstattungsmerkmale muss ich achten?

Durch die immer weiter voranschreitende Computerisierung der Fotografie wird auch in Zukunft das Innovationstempo hoch sein und damit wird es häufig Modellwechsel geben. Deshalb sollte man ein Kameragehäuse nach den augenblicklichen Bedürfnissen kaufen und nicht weit in die Zukunft spekulieren. Denn wie bei allen Computern wird die nächste Generation vermutlich mehr können und nicht teurer sein.

Über folgende Ausstattungsmerkmale sollten Sie vor dem Kauf eines SLR-Gehäuses Gedanken machen:

  • Mit oder ohne Spiegel?
    Sony NEX-6 © Archiv/Sony

    Seit einigen Jahren sind die spiegellosen Systemkameras (Link zu Kaufberatung spiegellose Systemkameras) auf dem Vormarsch, ihr Anteil am Gesamtmarkt nimmt langsam aber stetig zu. Mit kleinen Abmessungen und geringem Gewicht sind sie viel eher dazu prädestiniert, dass man sie oft (immer?) dabei hat. Der fehlende Spiegel erlaubt zudem mehr Freiheiten beim Kamera- und Objektivdesign, so dass ihre Bedeutung in Zukunft weiter steigen wird.

    Doch auch für die klassischen SLR-Kameras mit Umlenkspiegel gibt es Argumente. Etwa das Phasen-Autofokusmodul im Gehäuseboden, das SLR in der Regel ein schnelleres Auslösen ermöglicht - durch geringere Auslöseverzögerung und eine bessere Autofokuszeit. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass die neueste Generation der spiegellosen Systemkameras hier deutlich aufgeholt hat. Darüber hinaus bietet der SLR-Sucher einen anderen - in unserer Sicht besseren - Blick auf das Motiv und erlaubt so ein entspannteres Fotografieren (Link zu Ausstattungspunkt Sucher).Elektronische Sucher sind das Konzept der Zukunft; sie können bei klassischen SLRs und spiegellosen Systemkameras gleichermaßen realisiert werden. Nostalgiker finden optische Sucher besser – aber das ist eine subjektive Beurteilung.

  • Welches Sensorformat?
    Sensoren © Archiv/Hersteller

    Je größer der lichtempfindliche Sensor in der Kamera ist, desto rauschärmer und lichtempfindlicher ist er bei vergleichbarer Auflösung. Und hier liegt die eigentliche Stärke der Spiegelreflexkameras: Ihre großen Sensoren sind den winzigen Chips der Kompaktmodelle deutlich überlegen. Und auch innerhalb der SLR gilt: Je größer, desto besser.

    Allerdings werden die Sensoren mit zunehmender Größe auch deutlich teurer in der Herstellung, weshalb nur die Spitzenmodelle sogenannte Vollformatsensoren haben. Sie werden so genannt, weil sie genauso groß sind wie eine Aufnahme auf Kleinbildfilm. Sieht man von „Mittelformatsensoren“ der Profikameras von Hasselblad, Leica und Pentax ab, sind sie immer dann erste Wahl wenn es darum geht, auch bei vergleichsweise schlechten Lichtverhältnissen hochwertige Bilder zu machen.

    Zur Liga der Kameras mit Vollformatsensoren zählen die Canon-Kameras EOS Mark III, EOS 6D und EOS 1Dx, die Nikon-Kameras D610, D800 und D4s sowie das Sony-Modelle alpha 99.Für Retro-Design-Liebhaber bietet Nikon mit der Df ein Vollformatkamera mit aktueller Technik in einem Gehäuse, das an die analogen Nikon-Modelle aus den 1980er-Jahren erinnert

    Die meisten Modelle - ob mit oder ohne Spiegel - nutzen einen Sensor im etwa halb so großen Format, das als APS-C-Format bezeichnet wird. Dieses Format ist ein guter Kompromiss zwischen Preis und Leistung und wird unter anderem von den Consumerlinien von Canon (z.B. EOS 100D, 1200D, 70D, 700D, 7D), Nikon (D3200, D3300, D5200, D5300, D7100), Pentax (K-r, K-3, K-30, K 50, K500, K-5II und IIs), Sony (Alpha 58, Alpha 65, Alpha 77 und 77 II) sowie vielen spiegellosen Systemkameras genutzt.

    Die Formatvorteile größerer Sensoren kommen vor allem bei ungünstigen Lichtverhältnissen zum Tragen. Schauen Bilder im Format DIN A4 bei einer Empfindlichkeit von jeweils ISO 100 noch durchaus vergleichbar aus, liegen bei ISO 6400 Welten zwischen Vollformat und Four-Thirds – Vorteil Vollformat. APS-C liegt auch hier in der goldenen Mitte.

    Die Auflösung bei SLRs liegt aktuell zwischen 12 und 24 Millionen Pixeln (Megapixel, MP), aber auch sechs Megapixel einer älteren Spiegelreflex sehen deutlich besser aus 16 MP einer Kompaktkamera. Profimodelle haben oft auf einer größeren Fläche weniger Pixel, das reduziert zwar die Auflösung ein wenig, dafür ist jeder einzelne Pixel etwas größer. Das ermöglicht bessere Bilder bei ungünstigen Lichtverhältnissen, Kamewras wie die neue Nikon D4s bieten Empfindlichkeiten bis ISO 409.800.

    Bei Sensoren mit ihren regelmäßig angeordneten Pixeln besteht – im Gegensatz zu Film mit unregelmäßigem Korn -  das Problem, dass die Struktur des Sensors mit der des aufgenommenen Motivs interferiert. Dabei können Moiré-Effekte entstehen, die durch ein sogenanntes Tiefpassfilter vor dem Sensor reduziert werden können. Dieses Filter reduziert leider auch Auflösung und Schärfe der Bilder. Deshalb kommen immer mehr Kameras auf den Markt, die auf ein solches Filter verzichten. Sie bilden messbar schärfer ab und die Gefahr von ungewollten Effekten ist gering.

    Objektive können innerhalb der Systeme (z.B. Canon oder Nikon) auch bei Kameras verschiedener Sensorgrößen genutzt werden. Dabei ändert sich mit dem Sensorformat allerdings auch der Bildwinkel und das Objektiv nimmt dann nur einen Ausschnitt (Crop) des bekannten Kleinbildformats auf. Diese Änderung des Bildformats wirkt sich wie eine Verlängerung der Brennweite aus und liegt für Vollformat und APS-C bei einem Crop-Faktor von ca. 1,6. Ein 50-mm-Normalobjektiv nimmt bei einer Kamera mit APS-C-Sensor also mit einer Brennweite von ca. 1,6 x 50 = 80 mm auf.

    Unabhängig vom Format sind Sensoren sehr staubempfindlich – dunkle Flecken auf dem Bild zeugen von Staub auf dem Sensor. Manche Kameras bieten deshalb die sinnvolle Funktion, den Sensor mittels Ultraschall zu reinigen.

  • Autofokus
    Autofokus © Archiv/Hersteller

    Um Motive zu fotografieren, die sich schnell bewegen– wie im Fußballstadion oder auf dem Spielplatz – brauchen Sie eine schnelle Kamera mit möglichst kurzer Auslöseverzögerung. Das ist die Zeit, die zwischen dem Druck auf den Auslöser der bereits eingeschalteten Kamera und der Aufnahme vergeht. Auch beim Einschalten sollte die Kamera möglichst schnell startklar sein, damit Sie kein unerwartetes Motiv mehr verpassen.

    Zum schnellen Auslösen gehört auch ein schneller und präziser Autofokus. ColorFoto misst diese Zeit sowohl bei hellem Licht als auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Die Werte in den Testberichten (Link zu Erklärung Testberichte) geben Ihnen sehr präzise Informationen über diese Kameraeigenschaften. Einen interessanten Sonderweg beim Autofokus beschreitet Sony mit seinen SLT-Modellen der Alpha-Reihe. Hier fällt das Licht des festen Spiegels zum Teil auf den Sensor, zum Teil auf das Autofokusmodul, das permanent aktiv ist und so ein sehr schnelles Fokussieren erlaubt.

    Interessant ist mitunter auch die Serienbildfunktion. Einsteigermodelle schaffen drei bis vier Bilder pro Sekunde und halten das für wenige Sekunden durch. Professionelle Kameras schaffen bis zu zehn Bilder pro Sekunde und das auch über einen etwas längeren Zeitraum – ggf. bis die Speicherkarte voll ist. So können Sie später aus einer ganzen Reihe von ähnlichen Bildern die besten auswählen.

  • Verarbeitung und Bedienung
    Canon Gehäuse © Archiv/Hersteller

    Die beste Kamera muss nicht nur gute Bilder machen, sondern auch robust und gut zu bedienen sein. Verarbeitung und Bedienung sind deshalb neben der Bildqualität die wichtigsten Punkte bei der Beurteilung einer Kamera. Einsteigermodelle sind in der Regel aus Kunststoff gefertigt, semiprofessionelle Modelle aus dem robusten Leichtmetall Magnesium. Damit steckt die Kamera auch harte Schläge weg, wiegt aber mehr. Die meisten hochwertigen Kameras sind zusätzlich gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Die Profimodelle von Canon und Nikon verzichten zusätzlich noch auf bewegliche Teile wie einen ausklappbaren Miniblitz.

    Doch auch Kunststoffgehäuse können durchaus wertig sein und mitunter sogar Pluspunkte beim Handling sammeln. Form und Haptik der Handgriffe und der gummierten Griffflächen im Bereich des Daumens haben großen Einfluss darauf, wie gut Sie mit einer Kamera umgehen können – und wie gerne Sie sie in die Hand nehmen. Bevor Sie eine Kamera kaufen sollten Sie unbedingt verschiedene Modelle in die Hand nahmen und herausfinden, was Ihren Händen schmeichelt und was nicht.

    Ein klarer Vorteil ist es, wenn die Kamera über einen im Gehäuse eingebauten Bildstabilisator verfügt. Der hilft gegen verwackelte Bilder und ist vor allem bei vergleichsweise langen Belichtungszeiten und starken Telebrennweiten wichtig. Ist die Bildstabilisierung in der Kamera eingebaut, funktioniert sie mit jedem Objektiv. Und nicht jedes Objektiv verfügt über einen eigenen Bildstabilisator.

    Der Sucher ist bei Spiegelreflexkameras ein nicht zu unterschätzendes Kriterium. Werfen Sie vor dem Kauf einer SLR deshalb unbedingt einen Blick dort hinein. Vor allem für Brillenträber können das bei Einsteigermodellen finstere Löcher sein, während semiprofessionelle und Profimodelle große Sucher mit einer effektiven Vergrößerung um 0,7x haben.

    Beim Display sind 3 Zoll Diagonale der aktuelle Standard, die meisten haben eine hohe Auflösung von mehr als 300.000 RGB-Bildpunkten oder mehr. Wenn neben Pixeln in den Grundfarben Rot, Grün und Blau (RGB-Display) auch noch weiße Pixel verbaut sind (RGBW-Display) wird das Display heller und das Bild ist bei Tageslicht besser zu beurteilen. Eine Live-View-Funktion – also die Darstellung des aktuellen Sensorbildes auf dem Display – ist mittlerweile Allgemeingut, Ausnahmen gibt es praktisch nicht mehr. Ein großer Vorteil für Aufnahmen in ungünstigen Positionen ist es, wenn das Display für den Live-View dreh- und schwenkbar ist - etwa in Bodennähe oder über dem Kopf.

    Beim Bedienkonzept scheiden sich die Geister, das Gute ist aber: Man gewöhnt sich mit der Zeit an jedes Konzept. Hilfreich ist es, wenn die Kamera ein Schnellzugriffsmenü (Quick-Access-Menü) besitzt, um wichtige Parameter mit einem Handgriff zu ändern. Menügesteuerte Bedienführung lässt sich mit einem Touchscreen am konsequentesten realisieren, ist aber nach wie vor Geschmackssache.

    Ein interessantes Ausstattungsdetail ist die mobile Kommunikationsfähigkeit. WLAN und NFC (Nahfeldkommunikation) gehören heute schon fast zum Standard einer SLR. Und zwar keinesfalls nur, um schnell mal ein Bild auf Facebook zu laden. Denn die Kameras lassen sich so auch über ein Smartphone oder Tablet mit einer entsprechenden App fernsteuern. So lassen sich viele Motive – etwa Tiere – ungestörter fotografieren.

    Bei der Belichtungsmessung ist die Mehrfeldmessung oder Matrixmessung Standard und als Alternative eine mittenbetonte Integralmessung oder eine Spotmessung. Selbst Einsteigerkameras bieten mittlerweile alle drei Arten zur Auswahl.

  • Bildqualität
    Bildqualität im Test © ColorFoto

    Die Bildqualität ist letztendlich DAS Kriterium überhaupt für den Kauf einer SLR, deshalb sollte man sie auch bei der Kaufentscheidung entsprechend gewichten. Da jeder Hersteller mit einer überragenden Bildqualität wirbt, verlässt man sich am besten auf die Tests renommierter Fachzeitschriften wie ColorFoto (Link zu Erklärung Testberichte).

    Zu den Tests muss man folgendes Wissen: Da eine SLR über Wechselobjektive verfügt, kann eine Beurteilung immer nur für eine Kombination aus Gehäuse und Objektiv gelten. Durch die Wahl besonders hochwertiger und vergleichbarer Objektive schafft es ColorFoto aber, diesen Faktor beim Testen der Kameragehäuse auf ein Minimum zu reduzieren. Objektive werden umgekehrt an verschiedenen Gehäusen getestet und erhalten dort jeweils verschiedene Testergebnisse (Link zu Erklärung Objektivtests). Im Detail werden vor allen die folgenden Kriterien einer Testtafelaufnahme bewertet:

    Grenzauflösung:

    Gibt Auskunft  über die Fähigkeit von Bildsensor und Objektiv, feine Strukturen aufzulösen. Die Grenzauflösung wird in Linienpaaren pro Bildhöhe (LP/BH) angegeben. Je höher der angegebene Wert, desto schärfer das Bild.

    Texturverlust:

    Mit der Kurtosismessung lässt sich ermitteln, inwieweit die Rauschunterdrückung kontrastarme Strukturen „glattbügelt“, also Detailverluste auftreten. Je kleiner der gemessene Wert, desto geringer der Texturverlust.

    Rauschen:

    Mit Rauschen sind bei einer Digitalkamera Störungen des Bildsignals gemeint, die keinen Bezug zum eigentlichen Bildinhalt haben. Das Rauschen wird als „Visual Noise“ (VN) angegeben und nimmt meist bei höheren ISO-Einstellungen zu. Je niedriger der VN-Wert, desto geringer das Rauschen.

    Objektkontrast:

    Wird auch als Dynamik bezeichnet und meint die Fähigkeit der Kamera, Objektkontraste wiederzugeben. Die Dynamik wird in Blendenstufen angegeben. Je größer der Blendenwert, desto besser kommt die Kamera mit kontrastreichen Motiven zurecht.

    Farbe/Weißabgleich:

    Mit einer abfotografierten Farbmatrix wird ermittelt, inwieweit sich Original und Reproduktion unterscheiden. Die Farbgenauigkeit wird als DeltaE angegeben; je kleiner der Wert, desto genauer die Farbwiedergabe. Analog gilt dies für die Qualität des Weißabgleichs (DeltaRGB).

    Im Allgemeinen ist die Bildqualität in etwa proportional zum Preis: Je teurer eine Kamera, desto besser die Bildqualität. Für die letzten paar Prozent und Promille Qualität langen die Hersteller beim Preis aber nochmal richtig hin, deshalb sollten Sie nach einem vernünftigen Kompromiss zwischen Preis und Leistung suchen. Bei ColorFoto erkennen Sie das immer am Kauftipp Preis-Leistung.

    Sie können die nackten Zahlen in den Tabellen von ColorFoto auch nach Ihren eigenen Kriterien bewerten. Denn wie oft sie bei wenig Licht (also mit hoher hohe ISO-Zahl) fotografieren, wissen Sie am besten selbst. Dann schauen Sie in der Tabelle einfach bei den Messwerten für diese Empfindlichkeit.

    Bei diesen Tests hat die Software der Kamera bereits darüber entschieden, wie Farben interpretiert werden oder wie zwischen feinen Bilddetails und unschönen Rauschen differenziert wird. Wenn Sie Ihre Bilder selbst am PC weiter verarbeiten wollen, etwa mit einem RAW-Entwickler-Programm wie Adobe Lightroom, sollten Sie auch einen Blick auf die ColorFoto-Tests mit RAW-Aufnahmen machen.

    Dazu sollten Sie wissen: Die RAW-Messwerte zeigen im Vergleich zu JPEG das Potenzial bei Auflösung und Feinzeichnung, sie basieren nicht auf final bearbeiteten Bildern. Dies würde eine individuelle Abstimmung jedes Testbilds erfordern. Praktisch alle von ColorFoto getesteten SLRs schneiden hier besser ab – aber die Unterschiede zwischen RAW und JPG sind sehr unterschiedlich groß. Bei manchen Kameras sind sie nur in hoher Vergrößerung zu erkennen, bei anderen sofort offensichtlich.

  • Objektive und Zubehör
    Sigma EX 1,4/50 mm DG HSM © Archiv

    Das wichtigste Zubehör einer SLR sind die Objektive – sie bilden mit dem Gehäuse eine fotografische Einheit. Wer mit einem begrenzten Budget in die SLR-Fotografie einsteigt (und wer tut das nicht) muss daher gut überlegen, welchen Teil des Budgets er ins Gehäuse investiert und wie viel in Objektive.

    Einfache SLR-Modelle werden oft zusammen mit einem Zoomobjektiv angeboten. Diese Einsteigerobjektive (häufig Kit-Objektive genannt) sind meist von wenig prickelnder Qualität, dafür unschlagbar günstig. Und wenn es finanziell knapp wird, ein brauchbarer Anfang. Je nach persönlicher Vorliebe kann es aber mehr Sinn machen, auf dieses Zoom zu verzichten und die Kamera dafür mit einem lichtstarken Normalobjektiv mit fester Brennweite zu kaufen.

    Die Marktführer Canon und Nikon haben die größte Objektivvielfalt im Angebot, zudem bieten Fremdhersteller wie Tamron oder Sigma ihre Objektive gesichert mit Anschlüssen für diese Hersteller an. Hier finden sich für jede fotografische Aufgabe daher passende Lösungen.

    Zwei Zoomobjektive mit anständiger Lichtstärke sind eine gute Ausrüstung für den Start: Eins für den Bereich vom Weitwinkel (ab etwa 24 Millimeter Kleinbild) bis zum leichten Tele mit etwa 70 Millimeter KB, dazu ein Telezoom von 70 bis 200 Millimeter KB. Wer wenig Teleaufnahmen macht, erhält mit drei Festbrennweiten fürs gleiche Geld bessere Lichtstärke und mehr Detailschärfe. Etwa mit einem lichtstarken Weitwinkel, einem Makroobjektiv mit Normalbrennweite und einem mittleren Tele.

    Bei der Auswahl des richtigen Objektivs schlägt die Stunde der ColorFoto Objektivdatenbank (Link). Von den technischen Daten wie Brennweite und Gewicht über die wichtigsten Messwerte bei verschiedenen Blendeneinstellungen bis hin zum Preis, der bei den meisten Fotografen die Kaufentscheidung in letzter Instanz beeinflusst, finden Sie hier alle relevanten Werte für fast jede Kamera-/Objektiv-Kombinationen. Die sorgfältige Auswertung dieser Messdaten wird in eine Punktzahl zwischen 1 und 100 umgerechnet.

    Alle SLR mit Ausnahme der Profimodelle haben ein Blitzgerät eingebaut, das je nach Programmwahl automatisch eingeschaltet wird, wenn die Belichtungsmessung zu wenig Licht für eine Aufnahme signalisiert. Eine Lichtsteuerung ist damit natürlich nicht möglich. Zum einen geht ihnen häufig schon nach drei Metern die Puste aus, zum anderen sind sie fest mit der Kamera verbunden und können nicht frei positioniert werden. Für unbeschwerte Schnappschüsse sind sie prima, für richtiges Fotografieren unbrauchbar.

    Echte Blitzfotografie fängt mit einem Systemblitz an. Solche Systemblitzgeräte verfügen in der Regel über einen Zoomreflektor, der das Licht über einen breiten Bereich bündelt oder streut und in diesem Bereich immer einen guten Kompromiss zwischen gleichmäßiger Ausleuchtung und hoher Leuchtdichte schafft. Noch wichtiger ist der schwenkbare Reflektor. So muss man das harte Blitzlicht nicht direkt auf das Motiv richten, sondern kann eine (möglichst weiße) Fläche anblitzen. Das reflektierte Licht ist viel weicher und leuchtet das Objekt sehr viel besser aus. Eine TTL-Blitzfunktion. funktioniert nicht nur bei reiner Blitzbeleuchtung, sondern spielt ihre Stärken vor allem bei Mischlicht aus, wo Blitz und vorhandenes Licht sorgfältig ausbalanciert werden müssen.

    Wer viel unterwegs fotografiert – wo nicht immer Strom zum Aufladen zur Verfügung steht –, sollte einen Zweitakku einplanen.

Gibt es SLRs für bestimmte Einsatzzwecke?

Nein. Der Einsatzbereich einer DSLR wird viel stärker durch das Objektiv bestimmt, als durch die Kamera selbst. Und auch da ist nicht nur der Brennweitenbereich entscheidend, sondern auch die Anfangsöffnung. Sie bestimmt mit über die Lichtmenge auf dem Sensor entscheidet und über die Tiefenschärfe und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Bildgestaltung.

Besondere SLR-Eigenschaften sind nur in Ausnahmefällen gefragt. Dazu gehören:

Sportfotografie: Neben einem lichtstarken und langbrennweitigen Teleobjektiv braucht es hier eine schnelle Kamera, die auch längere Serien mit schneller Bildfolge schafft und dabei die Schärfe hält. Das schaffen vor allem Profigeräte wie die Canon EOS 1Dx oder die Nikon D4.

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Video: Für gute Videos in HD-Qualität sind die Topmodelle von Canon und Nikon dagegen kaum zu gebrauchen. Hier sind die spiegellosen Systemkameras den SLRs mittlerweile mehr als eine Nasenlänge voraus. Auch das Objektiv muss für Video optimiert sein und zügig die Schärfe nachführen, ohne über das Ziel hinaus zu schießen. Im ColorFoto-Test zeigt die Panasonic DMC-GH4 die bisher konsequenteste Lösung für das Filmen - inklusive einer Videoauflösung von 4K (3840x2160 Bildpunkte) mit Autofokus-Unterstützung.

Outdoor: Wenn Sie die Kamera auch dort benutzen, wo  Sand, Wasser und Dreck ihr zusetzen, sollte es schon ein robusteres Modell sein. Die finden sich in erster Linie in der Profiklasse mit gesalzenen Preisen, eine gute Alternative im mittleren Preissegment ist allein die Pentax K-30 mit ihrer allwettertauglichen Ausstattung.

Ich habe noch alte Objektive aus Analogzeiten – ist das ein Kaufkriterium?

Auf keinen Fall. Neue Fertigungstechniken machen auch bessere Objektive möglich, deshalb sind moderne Objektive jedem „Oldie“ in der Abbildungsleistung überlegen. Wenn Sie eine SLR anschaffen, weil Sie bessere Bilder machen wollen, macht das Arbeiten mit alten Objektiven keinen Sinn.

Ratgeber: Objektiv kaufen - was Sie wissen müssen

Dazu kommt: Auch bei passenden Anschlüssen innerhalb eines Systems werden nicht alle Funktionen vom Gehäuse zum Objektiv und umgekehrt übertragen. Man büßt also einen erheblichen Teil der Automatikfunktionen einer Kamera ein.

Welche Trends sind zu beobachten?

Kaufen Sie Ihre SLR dann, wenn Sie sie brauchen. Die Qualität hat sich in den letzten Jahren noch einmal deutlich verbessert und das wird auch in Zukunft so bleiben. Dafür ist neben dem Trend zu größeren Sensoren (mehr Vollformat-Kameras) auch deren wachsende Auflösung verantwortlich. Schnellere Prozessoren schaffen es zudem, mehr Bilder in kürzerer Zeit und besserer Qualität abzuspeichern.

Kaufberatung: Die besten DSLRs bis 3.000 Euro

Der Trend geht langfristig vermehrt in Richtung spiegelloser Systemkameras. Klassische SLRs sind deshalb aber noch lange nicht auf der „Roten Liste“. Fakt ist: Die Lücke wird kleiner. Während die Spiegellosen bei der Bildqualität aufholen, werden SLRs immer kompakter und handlicher. Wer heute in die SLR-Welt einsteigt kann sicher sein, auch in vielen Jahren noch auf ein System mit Top-Qualität zugreifen zu können.

 
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