“Wie man ein großartiger Fotograf wird” – Pflicht-Lektüre für Ambitionierte

Wer hinter dem marktschreierischen Titel „Wie man ein großartiger Fotograf wird” einen schlampig übersetzten US-Billig-Ratgeber vermutet, könnte falscher nicht liegen. Und das nicht nur, weil das in Leinen gebundene Lesebändchen mit 132 Seiten stolze 30 Euro kostet. Der Untertitel “Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft” beschreibt den höchst lehrreichen Inhalt sehr viel treffender.

Das Buch von Dr. Martina Mettner beschäftigt sich anders als die üblichen ewig-gleichen Werke von Vielschreibern nicht mit Technik und Fotografie als Handwerk. Es hilft vielmehr, Amateur- wie Profi-Fotografen – seine Unterscheidung, die Mettner angesichts aktueller Entwicklungen für obsolet hält –, den Charakter der Fotografie als Ausdrucksmittel zu erfassen und tradierte Vorstellungen zu überprüfen, um letztendlich besser zu fotografieren. Dabei geht es vorrangig um nicht-kommerzielle Fotografie, deren Bedeutung aber (speziell angehende) kommerzielle Fotografen bei der Herausarbeitung eines eigenen Stils nicht unterschätzen sollten.

“Wie man ein großartiger Fotograf wird” – Pflicht-Lektüre für Ambitionierte
Ein bisschen weniger leerer Vordergrund und die Berücksichtigung es eigenen Ratschlags, sich nicht durch technisch vorgegebene Seitenverhältnisse fotografisch bestimmen zu lassen, würde die Intention der Fotografin dem Betrachter leichter deutlich werden lassen.

Einer der zentralen Punkte des Buches ist dabei, dass es fort vom schönen Einzelbild zu einem projektorientierten Herangehen ans Fotografieren führt. Dem Fotografen wird geraten, nicht zu warten, bis ein Motiv vorbei kommt oder er darüber stolpert, sondern sich ein Thema zu suchen und eine Geschichte dazu in Fotos zu erzählen. Praxisnahe Übungen weisen den Weg. Mettner zeigt mit Bildbeispielen, was überhaupt ein „Projekt“ (das nicht-kommerzielle Pendant zum kommerziellen Auftrag) sein und wie man es angehen kann. Und anhand klarer Tipps wie „Wer sich an der Grafik orientiert, läuft Gefahr, Fotos wie vor 50 Jahren zu machen“ können selbst erfahrene Mante-Jünger noch etwas lernen, wenn sie wollen. Einige von Mettners Fotos zeigen aber auch, dass auch die Berücksichtung bewährter Gestaltungsregeln inhaltlich anspruchsvollen Fotos zu noch größerer Wirksamkeit beim Betrachter verhelfen könnte.


Dafür, dass das Buch nur selten etwas akademisch wirkt, sorgen Dr. Mettners Bezug zur eigenen Praxis und eine lebendige, klare Sprache. So verschafft das Buch ein intellektuelles Lesevergnügen, das sich kein ambitionierter Fotograf entgehen lassen sollte.
Und damit kein neuer großartiger Fotograf in kommerziell erfolgloser Schönheit stirbt, plant Mettner für Herbst 2010 den Folgeband “Wie man ein erfolgreicher Fotograf wird”. Er soll sich dann mit Selbst-Marketing und Karrierestrategien anhand von Beispielen namhafter Fotografen befassen.


Martina Mettner: Wie man ein großartiger Fotograf wird, Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft, Aarbergen 2010, 132 Seiten mit etwa 90 Abbildungen in Schwarzweiß und Farbe, 21 x 21 cm, gebunden (Leinen, Lesebändchen), 29,80 Euro.
ISBN 978-3-00-029650-5


Foto: Dr. Martina Mettner

www.fotofeinkost.de

HoGoHorst Gottfried 23.01.10 10:00

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